Paradies auf dem Pulverfass

Sibiriens Vulkane haben einen unruhigen Schlaf

Sibirien ist eine wahre Schatzkammer: Im seinem Boden verbergen sich reiche Vorkommen wertvoller Metalle wie Gold, Silber und Platin. Außerdem verfügt es über enorme Diamantenvorkommen. Als Gott die Rohstoffe auf der Erde verteilte, so die Erzählung der Einheimischen, sind ihm über Sibirien die Finger gefroren, und er ließ alles auf einmal fallen.

Vulkane in Kamtschatka Quelle: ZDF

Eine handfestere Begründung für Sibiriens Reichtum an Bodenschätzen liefern die Geologen: In ihrer langen Geschichte wurde die Erde über Milliarden von Jahren von metallhaltigen Gesteinsbrocken aus dem All bombardiert. So ist auch Gold in die Erde gelangt und seitdem den geologischen Umwälzungen im Erdinneren unterworfen.

Gold kommt an die Erdoberfläche

Der Motor für die Bildung von Edelmetall-Lagerstätten sind heiße Magmaströme. Temperatur und Druck befördern das Gold an die Oberfläche, wo es sich in Gesteinsspalten anreichert. Sibirien liegt auf einer sehr alten Erdplatte mit ausgeprägten unterirdischen Magmaströmen.


Die Berge des Sibirischen Trapp entstanden aus dem Magma, das sich nach Vulkanausbrüchen als Lava in gewaltigen Mengen schichtweise ablagerte. Vor 250 Millionen Jahren herrschte hier ein einziges brodelndes Inferno. Für das Leben auf der Erde war dies eine Katastrophe, die vermutlich zum größten Massensterben der Erdgeschichte führte. Gleichzeitig aber entstanden gewaltige Lagerstätten von Nickel, Kupfer und Palladium, die heute in Sibirien abgebaut werden. Noch heute dringen in einigen Teilen des Landes die Mächte aus dem Untergrund an die Oberfläche und erschaffen skurrile, geheimnisvolle Landschaften.

Mondlandschaft als Teststrecke

In der größten Vulkanzone Russlands auf der Halbinsel Kamtschatka im Fernen Osten Sibiriens zählt man heute 29 aktive Vulkane, die größtenteils vergletschert sind. Einer von ihnen ist der 3.682 Meter hohe Tolbatschik. Die gewaltigen Aschefelder um den Vulkankegel herum lassen sich nur mit Spezialfahrzeugen erkunden. Es sind fremde, lebensfeindliche Welten, die eher an die Oberfläche eines fernen Planeten erinnern als an unsere Erde.

Vulkanfelder Tolbatschik LKW Quelle: ZDF

Den Sowjets dienten sie im Kalten Krieg als Teststrecke, hier erprobten sie ihr Mondfahrzeug. Denn sie wollten damals, in den 1960er-Jahren, noch vor den Amerikanern zumindest eine unbemannte Mission auf den Mond schießen. Zum Einsatz kam das Gefährt jedoch nie, denn die Rakete explodierte unterwegs. Die Russen verloren am Ende das Wettrennen zum Mond, und der Amerikaner Neil Armstrong konnte 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzen.

Große und kleinere Eruptionen

Unter der Oberfläche des Tolbatschik schlummert ein Höllenfeuer. 1975 schuf er mit gewaltigen Explosionen vier neue Vulkankrater. 17 Monate lang, bis Dezember 1976, stieß der Tolbatschik Asche, giftige Gase und glühende Lava aus. Rund tausend Grad heiße Lavaströme stürzten ins Tal, und im Umkreis von fünfzig Quadratkilometern wurde alles Leben vernichtet. Es war die größte Eruption in der Geschichte der Kamtschatka-Vulkane.

Tolbatschik Quelle: Medienkontor

Aber auch kleinere Eruptionen können drastische Folgen haben und weit über Kamtschatka hinaus zu spüren sein. Wird die Asche in etwa 10.000 bis 11.000 Meter Höhe geschleudert und die Flughöhe der großen Passagiermaschinen erreicht, droht sie die Triebwerke zu blockieren. Weltweit beobachten daher fünf "Vulcanic Advisery Center" den Ascheflug, um die Piloten zu warnen. Die Halbinsel Kamtschatka, die auf einer der wichtigsten Flugrouten der Welt liegt, ist häufig betroffen. Etwa 100 Flugzeuge pro Tag passieren den Nordpazifik, die Verbindung von Nordamerika nach Ostasien. Bis zu 2000 Kilometer weit können sich Aschewolken aus Eruptionen ausbreiten. Dann müssen die Maschinen riesige Umwege fliegen, was die Treibstoffkosten um bis zu zehn Prozent in die Höhe treibt.

Umleitung Flugrouten Kamtschatka Quelle: ZDF

Schlafender Riese

Besonderen Respekt haben die Menschen vor dem höchsten und zugleich einem der gefährlichsten Vulkane Eurasiens, dem Klutschewskoy. Majestätisch erhebt er sich mit 4.835 Metern über seine riesigen Nachbarn. Statistisch kommt es alle sieben Jahre zu einem Ausbruch, der bislang letzte fand 2002 statt.

Noch scheint der Gigant zu schlafen. Sollte er ausbrechen, könnte er schwefelhaltige Gase noch weitaus höher in die Atmosphäre katapultieren. Was das bedeutet, konnten Forscher 1991 studieren, beim Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen. 17 Megatonnen Schwefeldioxid schleuderte der Vulkan bis hinauf in 20 Kilometer Höhe und veränderte dadurch das Klima auf der Erde.

In der Hexenküche brodelt es noch

Trick Szenario Klimaveränderung Quelle: ZDF



Wann ein solcher Ausbruch droht, kann niemand vorhersagen. Von knapp 200 Feuerbergen auf Kamtschatka sind etwa 30 noch aktiv. Jedes Jahr brechen mehrere aus. Der Grund dafür ist das besondere tektonische Umfeld: Die Halbinsel liegt auf einer 2.500 Kilometer langen Subduktionszone. Von Osten her schiebt sich die Pazifische Platte nach Westen vor und taucht unter Kamtschatka. Dabei verhaken sich die Platten und bauen gewaltige Spannungen auf. Vulkane, die auf einer Subduktionszone liegen, gehören weltweit zu den gefährlichsten.

Tal der Geysire Luftaufnahme näher Quelle: ZDF

Kamtschatka ist aber auch eine der an Geysiren reichsten Gegenden der Welt. Wie aus einer Hexenküche steigen im Tal der Geysire - russisch Dolina Geiserow - Dampf, kochend heiße Wasserfontänen und giftige Gase nach oben. 90 Geysire gibt es hier - so viele, dass sie ein Mikroklima im kalten Kamtschatka produzieren. Was einen Geysir von einer heißen Quelle letztlich unterscheidet, ist der regelmäßige Wechsel aus Ruhephasen und Ausbrüchen. Wie kommt es zu diesen unterschiedlichen Phasen?

Unterirdische Dampfdrucktöpfe

Auf Unterwasseraufnahmen, die sich mithilfe hitzeunempfindlicher Spezialkameras von Geysiren machen lassen, kann man ein Schlotsystem erkennen, das in eine Kammer mündet. Das Grundwasser in dieser Kammer wird von einer tiefer liegenden Magmakammer auf Temperaturen über 100 Grad Celsius erhitzt. Wegen des Drucks der darüber lastenden Wassersäule kann es jedoch nicht kochen und als Dampf entweichen - das kühlere Wasser sitzt wie ein flüssiger Pfropfen im Schacht.

Trick Geysir Quelle: ZDF

Aufgrund der Konvektion steigt das heiße Wasser nach oben. Erreicht es den Punkt, an dem der Auflastdruck das Kochen nicht mehr unterdrücken kann, verdampft es, und der Dampf wird zusammen mit der darüber liegenden Wassersäule explosionsartig herausgeschleudert. An der Oberfläche kühlt das Wasser dann wieder ab, es sickert zurück in die Kammer. Der ganze Kreislauf beginnt von vorne.

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