Paramessu wird Ramses I.

Indizien deuten auf Wesir des Pharao Haremhab

Wenn der mumifizierte Ägypter in der Zeit zwischen 1085 und 790 vor Christus tatsächlich an der Spitze des Staates stand, bleibt nur noch die Frage nach seinem Namen. Eine Spur führt zu Pharao Haremhab, der bald nach Tutenchamun den Thron besteigt.

Haremhab ist ein altgedienter General, der frühzeitig beginnt, einen seiner Mitarbeiter zu protegieren: Offizier Paramessu, ein Mann aus einfachen Verhältnissen. Er stammt vermutlich aus dem Norden Ägyptens, aus der Stadt Auaris am Nildelta. Paramessu macht eine rasante Karriere.

Stellvertreter des Königs

Statuen zeigen den politischen Ziehsohn des Königs in der Pose des Schreibers, demnach ein mächtiger Beamter. Seine Kompetenzen dehnen sich mit der Zeit immer weiter aus: Er wird Truppenvorsteher, Festungskommandant, später Chef der Streitwagen-Abteilung. Als Gesandter des Pharao übernimmt Paramessu auch diplomatische Aufgaben im Ausland. Das Amt des Wesirs macht ihn sogar zum Stellvertreter des Königs in Ober- und Unterägypten. Dem talentierten Getreuen lässt Haremhab einen prächtigen Sarg anfertigten - Zeichen seiner außerordentlichen Wertschätzung. Dass ein Militär auf einmal zum Wesir wird ist eine Neuerung, die es vorher nicht gab.

Der große Amuntempel steht nordöstlich von Luxor. Generationen von Herrschern haben an der Anlage gebaut. Jeder Regent wollte sich dort mit einem eigenen Monument verewigen. Auch Haremhab macht da keine Ausnahme. Er lässt den neunten Pylon errichten - einen gewaltigen Torbau in der südlichen Tempelachse. Zuständig für die Verwirklichung des Prestigeprojekts ist sein bester Beamter, Paramessu. Er leitet die gesamte Zivilverwaltung und kontrolliert sogar die Besetzung der Priesterämter. Die wesentlichen Positionen liegen also in seiner Hand.

Verblüffende Ähnlichkeit

Ist der Leichnam aus Kanada jener Paramessu, der Haremhab auf dem Thron ablöste und der als Ramses I. die siegreiche 19. Dynastie in Ägypten begründete? Seine Mumie jedenfalls haben Archäologen bisher nicht gefunden. Der Tote aus Kanada weist zumindest eine verblüffende Ähnlichkeit mit Sethos I. auf, dem Sohn von Ramses I. Auch Ramses II., sein Enkel, hält dem Vergleich stand. Ebenso wie Merenptah, der Urenkel. Ein weiteres Indiz stützt die These: Der Mann aus dem Niagara-Museum starb nicht in jungen Jahren - der Körper gehört einem Erwachsenen. Als Paramessu das höchste Amt antritt, ist er bereits Mitte 50.

Im Jahr 1292 vor Christus übernimmt Ramses I. die Herrschaft über das Land am Nil. Dem Stammvater der Ramessiden bleibt nicht viel Zeit, Spuren zu hinterlassen. Nur 16 Monate lenkt er die Geschicke des Staates. Den Untertanen garantiert er den Fortbestand der althergebrachten Traditionen - ganz im Sinne seines Vorgängers und Gönners Haremhab. Kaum drei Jahrzehnte nach den unruhigen Zeiten unter Echnaton und Tutenchamun lebt das Volk wieder in Frieden und Wohlstand.

Monumentaler Sarkophag

Als Ramses I. stirbt, wird er standesgemäß im Tal der Könige bestattet. Seine Grabanlage ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Die Wände rund um den monumentalen Steinsarkophag schmücken farbige Malereien mit Szenen aus den so genannten Jenseitsbüchern: Der verstorbene Pharao wird vom falkenköpfigen Horus und Anubis in Gestalt des Schakals ins Reich der Toten geleitet. Als Archäologen die königliche Gruft Mitte des 19. Jahrhunderts öffnen, ist der Sarkophag leer. Auch im Sammellager, der Cachette, liegt der Leichnam nicht. Nur ein Holzsarg - bezeichnet mit dem Namen Ramses I. - steht in der dunklen Höhle.

Lange suchen Ägyptologen aus aller Welt nach der sterblichen Hülle des einstigen Herrschers. Erst seit kurzem führt die Spur nach Kanada - zur Mumie im Museum an den Niagara-Fällen. Zweimal untersuchen Spezialisten den mutmaßlichen Pharao - ohne durchschlagenden Erfolg. Der Fall droht sogar völlig in Vergessenheit zu geraten, denn das Haus schreibt rote Zahlen und der Besitzer will schließen. Für Bill Jamieson aus Toronto eine gute Nachricht. Der Sammler und Händler völkerkundlicher Kunst und Kuriositäten ist erklärter Fan des Hauses und seit vielen Jahren treuer Besucher. Nun wittert er seine Chance.

Transport ins neue Heim

Im Herbst 1998 übernimmt Jamieson das Museum. Große Teile des Inventars will er jedoch so schnell wie möglich abstoßen - vor allem die wertvollen ägyptischen Objekte. Wie viele andere vor ihm schenkt auch er dem Mann mit den gekreuzten Armen keine besondere Beachtung. Für zwei Millionen Dollar bietet er die Sammlung der Fachwelt an und findet einen Interessenten in Atlanta: Am Carlos-Museum der Emory-Universität ist Peter Lacovara neuer Kurator für ägyptische Kunst. Der Amerikaner lässt die Exponate prüfen und greift zu. Ein Experten-Team präpariert die Särge und Mumien für den Transport ins neue Heim.

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