Paris in Aufruhr

Absetzung eines Ministers schürt revolutionäre Stimmung

Im Palais Royal nimmt am 12. Juli 1789 die Französische Revolution ihren Ausgang. Als die Entlassung des beliebten Finanzministers Jacques Necker bekannt wird, formiert sich ein spontaner Demonstrationszug, an dessen Spitze eine Wachsbüste Neckers getragen wird. Man fordert vom König die sofortige Wiedereinsetzung des Ministers.

Um den drohenden Staatsbankrott zu verhindern, will Necker die Steuerlasten gleich verteilen: Auch der Adel soll zahlen. Damit macht er sich zum Gegner des Hofes in Versailles und zum Liebling des Volkes in Paris.

Zündende Rede




Von einem der Caféhaustische hält der Journalist Camille Desmoulins eine zündende Rede: "Bürger, man hat Necker davongejagt! Kann man euch frecher trotzen? Nach diesem Streich werden sie alles wagen! Noch für heute planen sie eine Bartholomäusnacht für die Patrioten. Bürger, zu den Waffen!"

Einzige Frau unter 954 Männern

Nur wenige Schritte vom Palais Royal entfernt liegen die Tuilerien, die königlichen Gärten. An dem beliebten Ort für Spaziergänger zieht am Sonntag, dem 12. Juli, der Demonstrationszug für Necker vorbei - und verlangt seine Rückkehr ins Amt. Doch ein Regiment des Königs treibt die protestierenden Bürger gewaltsam auseinander. Ein Augenzeuge berichtet: "An der Spitze ritt der Fürst Lambesc. Er säbelte einen waffenlosen Mann nieder, ritt über Frauen und Kinder hinweg. Wut flammte auf. Nun gab es in Paris nur noch einen Schrei: Bürger, zu den Waffen!"


Die Wäscherin Marie Charpentier war beim Sturm auf die Bastille dabei und erzählt nach Augenzeugenberichten, von dem Tag, an dem ein neues Zeitalter begann. Im "Tableau des Vainqueurs", der Liste der "Sieger der Bastille", wurde sie als einzige Frau unter 954 Männern für ihre Tapferkeit am 14. Juli geehrt.




Charpentier-Bericht (14. Juli 1789, 00.15 Uhr): "Schon seit Tagen war Paris in Aufruhr. Die Stimmung gärte. Auch in dieser Nacht kam die Stadt nicht zur Ruhe. Tausende waren auf den Beinen: Ganz Paris stand in diesen Tagen hinter der Nationalversammlung. Sie forderte die Beteiligung des Volkes an der Macht.

Sieg oder Galgen

Wir hatten eine Bürgerwehr gebildet. Denn der König drohte mit dem Einmarsch seiner Truppen, er wollte uns mit Blut und Tod wieder zu Sklaven machen. 13.000 Mann waren bereit, Paris mit ihrem Leben zu verteidigen. Aber wir hatten nicht genug Gewehre. Jeder war aufgefordert, seine Waffen der Bürgerwehr zur Verfügung zu stellen. Doch nicht alle folgten diesem Aufruf. Unsere selbsternannte Stadtregierung, das Volkskomitee, hatte uns beauftragt, notfalls Waffen zu konfiszieren."


"Als das Volk in die Waffenläden eindrang", so ein Beobachter, "hatte es den Rubikon überschritten: Sieg oder Galgen musste jetzt seine Parole sein."

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