Patient Mumie

Mit DNS-Analysen und Röntgenuntersuchungen der Identität auf der Spur

Wieder geht der Verstorbene auf eine Reise, die das altägyptische Totenbuch so nicht vorgesehen hat. Im Museum von Atlanta soll endlich die alles entscheidende Frage geklärt werden: Hat es Ramses I. nach Amerika verschlagen? Eine DNS-Analyse könnte helfen.

Probehalber wird einer anderen Mumie aus der Sammlung ein Zahn entnommen und untersucht. Doch ohne brauchbares Ergebnis, wie so oft bei DNS-Tests mit ägyptischen Mumien - vielleicht verändert der Prozess der Mumifizierung das Genmaterial. Zumal für einen Vergleich eine entscheidende Komponente fehlt: DNS-Proben der engsten Verwandten von Ramses I. sind nicht verfügbar.

Die Expertin fliegt von Kairo nach Atlanta, denn vor Ort will die Ägyptologin das rätselhafte Exponat persönlich prüfen und sich ein eigenes Urteil bilden:

Königlicher Klient

Zunächst aber muss sich der Mann aus Ägypten mit der Rolle als Patient abfinden. Dr. James Harris kennt sich mit königlichen Klienten aus. In den 1960er Jahren machte der Kieferorthopäde in Kairo an Pharaonen Röntgenuntersuchungen. Etliche hundert Aufnahmen fasste er zu einem exklusiven Katalog zusammen - Innenansichten der Schädel aller bis dahin gefundenen Herrscher.

Um eine Verwandtschaft des Unbekannten mit Herrschern des Neuen Reiches zu prüfen, vergleicht Harris die Schädel, weil sich Form und Größe meist vererben. Dazu nimmt er den Mann von den Niagara-Fällen in der gleichen Position auf wie zuvor die Pharaonen. Die Werte überträgt der Mediziner in eine Datenbank. Das Programm ordnet den Kandidaten automatisch zwischen Toten mit ähnlichen Maßen ein - und zwar in den Ramses-Clan. Demnach ist er eng verwandt mit Sethos I., Ramses II. und Merenptah.

Beginn einer neuen Ära

Sethos I. baut den Tempel von Abydos. Der Sohn von Ramses I. übernimmt die Regierung 1291 vor Christus. Mit der Amtseinführung eines direkten Nachkommen wird die erbliche Thronfolge nach langer Zeit wieder eingeführt. Der Beginn einer neuen Ära. In dem imposanten Heiligtum lässt Sethos die berühmte Königsliste einmeißeln: 76 Kartuschen mit den Namen seiner Vorgänger. Etliche fehlen jedoch, weil sie in Ungnade gefallen sind. Als Vorletzter in der Riege, direkt vor Sethos, prangt Ramses I., Stammvater der Ramessiden.

Wenige Schritte davon entfernt befindet sich die Kapelle für den Königskult. Auf den kunstvollen Wandreliefs ist auch ein seltenes Motiv verewigt. Es zeigt den Sohn Sethos gemeinsam mit seinen Eltern - Vater Ramses und Mutter Satra.

Auf einem Gedenkstein preist Sethos den Vater: "Siehe, er hat meine Schönheit erschaffen, nachdem er meine Familie in den Herzen der Menschen groß gemacht hat. Er gab mir seinen Rat zum Schutz. Seine Lehre ist wie eine Mauer in meinem Herzen." Auch in seinem Totentempel, dem so genannten "Millionen-Jahr-Haus" in Theben-West, richtet der zweite Regent der 19. Dynastie einen eigenen Kultraum für seinen Vater ein.

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