Perfektes Grenzsystem

Römerkastell Quasr Bushir

Auf der Suche nach den Spuren des römischen Limes im Orient überfliegen die Archäologen das Land der Nabatäer. Ihre Hauptstadt Petra ist weltberühmt - uneinnehmbare Fliehburg, zentraler Handelsplatz der Weihrauchstraße und großartige aus dem blanken Fels gehauene Grabfassaden.

Die Vorliebe der Nabatäer für römische Prachtentfaltung kam nicht von ungefähr. Als Verbündete übernahmen sie die vorgelagerte Grenzsicherung für den "großen Bruder Rom". Mit klugen Verträgen band die Großmacht diesen Pufferstaat an sich, bis sie ihn 106 nach Christus wie eine reife Frucht schluckte.

"Gekaufte Freunde"

Aber so ganz wollten sich die Römer augenscheinlich nicht auf die "gekauften Freunde" verlassen. Aus der Luft kann man ein perfektes Grenzsystem entdecken: Wachtürme, Kastelle, Legionslager. Eines der besterhaltenen Römerkastelle des gesamten Reiches ist Qasr Bushir. Das Vier-Türme-Kastell hat einen quadratischen Grundriss. Zehn Meter hohe Ecktürme beherrschen die Architektur von Qasr Bushir, das zur Freude der Archäologen in späterer Zeit nicht als Steinbruch benutzt wurde. Es liegt so weit in der Wüste, dass keine Siedlung Bedarf für die Bausteine hatte. Doch warum liegt das Kastell in dieser öden, menschenleeren Gegend? Welche Truppen waren stationiert? Wann wurde das Fort gebaut?

Die Inschrift über dem Burgtor trägt die Namen der beiden römischen Kaiser Diokletian und Maximian. Um 300 nach Christus regierten sie gemeinsam das Imperium. In dieser Zeit standen die aggressiven Sasaniden an den Grenzen. Sie beherrschten Mesopotamien und Persien. Die Bauten im Innern deuten auf eine Reiter-Besatzung von cirka 300 Mann hin. Sie sollte Invasoren schon im Vorfeld abfangen - mitten in der Wüste.

Reiche Provinzen

Der Bau der Kastelle und der Unterhalt der Truppen kostete die Römer ein Vermögen. Doch es muss sich gerechnet haben. Die Provinzen Arabien und Syrien galten neben Ägypten als die reichsten im ganzen Imperium Romanum, versorgten es mit Getreide, Olivenöl und Luxusgütern.

Legendärer Ritt

Die Zeugnisse des 1500 Kilometer langen Verteidigungsgürtels quer durch die Wüste sind noch lange nicht alle entdeckt, geschweige denn erforscht. Die Luftbilder der bayerischen Kampfflieger aus dem Ersten Weltkrieg wären dazu ein ideales Hilfsmittel. Die aktuelle politische Situation im Nahen Osten macht Luftbildarchäologie fast unmöglich.


Mit einer Ausnahmegenehmigung darf das Archäologen-Team über das Römer-Kastell von Azraq fliegen. Im Winter 1917/18 sammelte Lawrence von Arabien dort seine aufständischen Truppen vor dem legendären Damaskus-Ritt. Im Kampf gegen das Osmanische Reich und seine deutschen Verbündeten wurde der britische Geheimagent weltberühmt.

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