Pergamon als Schatzhort?

Ausgrabungen in der Hauptstadt der Attaliden

Was war das für eine Zeit, als ein 30-Jähriger ein Weltreich erobern konnte? Bis an den fernen Indus war Alexander gekommen, auf einem der unglaublichsten Feldzüge der Weltgeschichte. Gelockt vom Ruhm und den "Schätzen des Orients".

Der Wissenschaftler Thorsten Schwing verlässt die immer noch rätselhafte Bergfestung der Seleukiden und fährt Richtung Westen zu einer Ausgrabung, die ebenfalls mit Alexander, seinen Diadochen und einem Silberschatz zu tun hat. Eine spannende Parallele.

Reise durch die Diadochenreiche

Drei Tage ist der Wissenschaftler durch die halbe Türkei unterwegs, quer durch die ehemaligen Diadochenreiche vom Karasis in die Hauptstadt der Attaliden, nach Pergamon. Am Morgen des vierten Tages erreicht er eine der mächtigsten Städte der Antike. Pergamon. Das berühmte Theater fasste 10.000 Menschen.



Lysimachos, Feldherr unter Alexander und einer der Diadochen, hatte seinen Anteil am Kriegsschatz auf der Akropolis deponiert, wie Strabon berichtet. - 9000 Talente sollen es gewesen sein. Das Vermögen wurde strengstens bewacht. 9000 Talente, das sind 180 Tonnen reines Silber, nach heutiger Kaufkraft ein Milliardenwert. Etwa wie Seleeukos Anteil bei der Aufteilung des Alexanderschatzes.

Kriegsbeute als Machtfaktor

Wer die Silbermünzen besaß, war nicht nur reich, konnte sich nicht nur verschwenderischen Luxus leisten, wie Wolfgang Radt, seit 30 Jahren Ausgrabungsleiter in Pergamon, betont: Man konnte, wenn man es geschickt einsetzte, vermutlich ganze Städte und kleinere Königreiche bestechen oder man konnte sehr viele Söldner bezahlen, um die Gegner zu überwinden. Das Geld wurde politisch eingesetzt. Die Kriegsbeute Alexanders war ein Machtfaktor. Niemals zuvor in der Geschichte wurde die Abhängigkeit zwischen Geld und politischem Einfluss so deutlich wie bei den Diadochenkämpfen.

Wolfgang Radt vom Deutschen Archäologischen Institut Istanbul hatte ein einziges Mal Schatzsucher-Glück. Er entdeckte unter dem Fußboden eines Hauses einen Silberhort: 65 pergamener Münzen. Von den 9000 Talenten des Lysimachos kann auch er nur träumen. Doch den deutschen Archäologen geht es bei ihren Forschungen in Pergamon nicht um Schatzsuche. Sie wollen viel mehr herausfinden, wie sich die Stadt durch das viele Geld entwickelte.

Tausende Messpunkte

Der gesamte Burgberg wird neu vermessen. Jeder Mauerrest via Globalem Positionierungssystem GPS zentimetergenau in den antiken Stadtplan eingetragen. In Pergamon ist die Ausrichtung der Straßen erst einmal unverständlich. Tausende Messpunkte ergeben auf dem Computerbildschirm einen Stadtplan mit Häusern, Mauern, Straßen. Die Gassen der Unterstadt laufen erstaunlicherweise nicht direkt auf die inneren Stadttore zu. So sollten Angreifer in einen aufreibenden Häuserkampf verwickelt werden, vermutet Projektleiter Felix Pirson, um nicht die Tore im Handstreich stürmen zu können.


Doch wer waren die Angreifer? Diese Frage kann der Computer nicht beantworten. Funde sind immer noch die wichtigsten Zeugen. Eine keltische Fibel ist ein Hinweis auf die gefürchteten Krieger aus Mitteleuropa, die von den Diadochen als Söldner angeworben wurden, aber bald auf eigene Rechnung Jagd auf deren Schätze machten. Als wie gefährlich die Kelten galten, zeigt das berühmteste Bauwerk der Stadt, der Pergamonaltar. Er erstrahlt leider nur virtuell als Ganzes. Vor Ort blieb nur sein unscheinbares Fundament.

Krieg um das Erbe

Warum er weltberühmt ist, zeigt er frisch renoviert auf der Museumsinsel in Berlin. Sein dort ausgestellter Fries symbolisiert nach Meinung vieler Experten den Kampf der Pergamener gegen die Kelten. Es gab also noch eine Partei im Krieg um das Erbe des großen Alexander.

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