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Petra - geheimnisvolle Stadt aus Fels

Nekropole an der Weihrauchstraße

Eine der rätselhaftesten Wüstenstädte des Nahen Ostens ist Petra im heutigen Jordanien. Hier, an einem Knotenpunkt dreier Karawanenrouten, kontrollierte der Volksstamm der Nabatäer bis die Spätantike hinein den Fernhandel mit Weihrauch und anderen Luxusgütern. Das Geld, das sie damit verdienten, investierten die Nabatäer in die Quelle ihres Reichtums: ihren strategisch günstig gelegenen Standort.

Weihrauchstraße (animierte Karte)
Weihrauchstraße (animierte Karte) Quelle: ZDF

Weihrauch aus Südarabien, eines der kostbarsten Güter der Antike, wurde auf dem Rücken unzähliger Kamele durch die Wüste transportiert. Bis zu vierzig Kilometer pro Tag bewegten sich die Wüstenschiffe auf der Weihrauchstraße. Diese Handelsroute führte vom heutigen Oman bis zur Hafenstadt Gaza. Von dort wurden die Waren nach Europa verschifft.

Handelsstadt in der Wüste

Petra - Fels - nannten griechische Geschichtsschreiber die Stadt in der Wüste, in der die Karawanen Station machten. Als Knotenpunkt der Weihrauchstraße und zweier anderer wichtiger Handelswege wurde sie berühmt und mächtig. Ihre Bauherren, die Nabatäer, waren durch Zölle und Zwischenhandel reich worden. Beim Bau ihrer Stadt nutzten die Nabatäer geschickt die natürlichen Gegebenheiten: Sie schlugen ihre Häuser direkt aus dem rötlichen Sandstein und schufen kunstvolle, säulengeschmückte Portale.

Fassade der Khazne in Petra
Fassade Khazne Petra Quelle: Parthenon

Doch hinter den imposanten Fassaden befanden sich keine großzügigen Säle - hier betteten die Nabatäer ihre Toten: Petra war eine Nekropole. Erst Jahrhunderte später wurden die Felshöhlen auch als Wohnungen genutzt. Der beeindruckendste Bau entstand im ersten Jahrhundert vor Christus: die Khazne al-Firaun, das "Schatzhaus des Pharao" mit seiner 40 Meter hohen Prunkfassade. Der Name ist irreführend - man vermutet, dass das Gebäude als Grabtempel für einen König diente. In der Fassade werden Einflüsse aus Ägypten und Griechenland sichtbar, die über die Karawanenwege in die Felsenstadt gelangten. Die Khazne wurde von den Nabatäern in die Flanken des Siq getrieben, einer fast hundert Meter tiefen Schlucht.

Flutgefahr in der Schlucht

Über Jahrtausende hatte sich das Wasser hier in den Sandstein gefressen. Aus einem Spalt, den einst ein Erdbeben ins Felsmassiv riss, entstand ein versteckter Zugang zur Felsenstadt. Doch die Schlucht barg auch eine große Gefahr: Starker Regen konnte zu Überflutungen führen. In der Wüste gibt es ihn zwar nur selten, dann aber kann er umso kräftiger ausfallen. Oft kann der ausgedörrte Boden die gewaltigen Wassermengen nicht aufnehmen. Pfützen schwellen dann rasch zu Bächen an, Bäche zu Sturzfluten. Sie füllen ausgetrocknete Flussbette und schießen durch Schluchten.

Khazne in der Schlucht des Siq, von oben gesehen
Khazne in der Schlucht Quelle: Parthenon

Die Fluten reißen Steine und Geröll mit sich und bedrohen alles, was in ihrem Weg liegt - nicht nur die Khazne, sondern die gesamte Stadt, die in einem Talkessel liegt. Ihre Erbauer kannten die tödliche Naturgewalt und versuchten, sie zu bändigen. Sie schlugen dazu einen 30 Meter langen Tunnel in den Fels und lenkten die Sturzflut in eine andere Schlucht um.

Kluges Wassermanagement

Die Nabatäer verstanden es jedoch nicht nur, sich vor dem Wasser zu schützen, sie hatten auch Techniken entwickelt, das kostbare Nass, das in den langen Trockenzeiten Mangelware war, geschickt zu bewahren und zu nutzen. Der Tunnel wurde als Teil eines riesigen Wassermanagementsystems angelegt. Um die Bewohner Petras und ihre Felder das ganze Jahr über zu versorgen, zapfte man Quellen im Umkreis von fünfzig Kilometern an.

Antike Wasserleitung in Petra
Wasserleitung in Petra Quelle: Parthenon

Durch Rohre wurde das Quellwasser nach Petra geleitet und in Tanks, Becken und Zisternen gespeichert, von denen manche bis zu 300.000 Liter fassten. Dank des raffinierten Kanalsystems konnte die Stadt wachsen und schließlich Tausende Bewohner und Reisende beherbergen. Zu seiner Blütezeit glich die natürliche Festung Petra einer üppigen Oase. Sie zählte um 70 nach Christus zu den prächtigsten Städten ganz Arabiens.

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