Pionier Thomas Alva Edison

Stromexperimente Tag und Nacht

Bereits vor mehr als 120 Jahren begann man, die ungeheure Kraft des legendären Niagara Flusses an der kanadisch-amerikanischen Grenze nutzbar zu machen, an seinen Ufern Maschinen mit elektrischer Energie anzutreiben - gewonnen aus Wasserkraft.

Doch die Energie der Wassermassen ließ sich nur an Ort und Stelle nutzen. Noch konnte niemand den hier gewonnenen Strom in ferne Städte schicken. 100.000 Dollar hat der New Yorker Finanzadel als Preis für den ausgeschrieben, der endlich den Fortschritt bringt. Im Frühjahr 1890 versammeln sich die fähigsten Köpfe der Zeit.

Herrscher über die Stromtechnik



Auch der berühmte Erfinder Thomas Alva Edison ist an diesem Tag anwesend - genauso wie sein härtester Konkurrent der Industriemagnat George Westinghouse. Wem es gelingt, die Kraft der Niagarafälle zu nutzen und die Energie in die Metropolen zu transportieren, der wird nicht nur den Preis gewinnen - er wird auch Herrscher über die Stromtechnik der Zukunft werden. Ein dramatischer Wettlauf beginnt, der als Stromkrieg in die Geschichte eingehen soll.

Bereits 1878 verfolgt Thomas Edison in seinem Labor in Menlo Park bei New York ein ehrgeiziges Projekt. Er will die Welt erleuchten, elektrisches Licht in alle Haushalte bringen. Tag und Nacht arbeiten er und sein verschworenes Team an dieser Vision. Schon in jungen Jahren ist Edison weltberühmt. Sein Phonograph begeistert die Menschen überall, da setzen ihm mächtige Finanziers eine faszinierende Idee in den Kopf: Gaslampen erhellen schon seit ein paar Jahrzehnten die Straßen der Städte und die Wohnungen der Reichen. Doch Gas ist gefährlich, kann explodieren. Die offene Flamme schwärzt die Wände, verbraucht Sauerstoff, verursacht Kopfschmerzen. Ein preiswertes und sicheres elektrisches System könnte mit einem Schlag alle Probleme lösen und zudem einen ganz neuen Markt eröffnen.

Grenzenlose Profite

In Connecticut besichtigt Edison eine neuartige Beleuchtungsanlage. Die so genannte Bogenlampe zischt laut, qualmt heftig, ist grell und nicht regelbar. Völlig unbrauchbar, um in geschlossenen Räumen eingesetzt zu werden. Doch Edison ist seitdem von der Idee besessen, elektrisches Licht in die Häuser der Menschen zu bringen. Wenn es gelänge, elektrische Energie sicher zu generieren und die Verteilung des ganzen Systems zu kontrollieren wären die Profite grenzenlos.

In Menlo Park experimentiert Edison mit Glühbirnen, noch keinem ist es bisher gelungen sie länger als ein paar Sekunden zum Leuchten zu bringen. Zu schnell verglüht der metallene Faden. Edison hält nichts von Theorien. Er ist ein Mann der Praxis. Ausprobieren und aus Fehlern lernen heißt seine Methode. Durch Zufall entdeckt er, dass Kohle dem Strom einen hohen Widerstand bietet, und glimmt, ohne direkt zu verglühen. Denn Kohle schmilzt erst bei etwa 2100 Grad. Seitdem experimentieren die Männer fieberhaft mit dem Material. Schließlich testen sie einen dünnen Faden aus gerollter Kohle. Gleichzeitig gelingt es ihnen mit einer neuartigen Pumpe aus Deutschland ein fast perfektes Vakuum in der Birne zu erzeugen.

Der entscheidende Test

Im Keller von Menlo Park liefern dampfbetriebene Generatoren und Dynamos Gleichstrom für die Versuche im Labor. Schließlich der entscheidende Test: 13,5 Stunden brennt die Kohlefaden-Glühbirne am Stück. Ein noch nie da gewesener Rekord. Edison ist sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Seine Glühbirnen werden die Welt erleuchten. Er lädt die New Yorker ein, seine Erfindung zu bewundern. Am Neujahrsabend 1879 pilgern 3.000 Schaulustige nach Menlo Park, jeder will das wundersame Licht in Augenschein nehmen. Spätestens in sechs Monaten, verkündet Edison vollmundig, wird er Newark, Boston und New York zum Leuchten bringen.



Im Januar 1880 erhält der Erfinder das Patent auf die Kohlefadenlampe. Seine Versuche haben bislang 150.000 Dollar verschlungen. Doch Edison braucht dringend weiteres Geld. Er will das gesamte System, Schalter, Kabel, Sicherungen, Generatoren entwickeln und bauen. Die Finanziers sind skeptisch. So viele Dollars haben sie bereits investiert - und noch keinen Cent verdient. Da entschließt sich Edison selbst zum Unternehmer und Fabrikanten zu werden. Er wird es den Bankiers schon zeigen. Sein Unternehmen wird einmal enorme Profite abwerfen.

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