Pioniere der Metallverarbeitung

Sesshafte Steinzeitler formen Waffen und Werkzeuge

Die Geschichte der Kupfergewinnung begann in Vorderasien vor rund 10.000 Jahren. Über viele Epochen war der Mensch Jäger und Sammler. Dann wurden aus Nomaden Bauern. Sie siedelten an einem Ort, bestellten den Boden und züchteten Tiere.

Steinzeitmenschen beim Abbau des Metalls Quelle: ZDF

Die Versorgung sicherten sie durch gezielte Vorratshaltung. Das verschaffte der Gemeinschaft Freiraum für handwerkliche Experimente. Vor allem Neugier und der Drang, bislang unbekannte Materialien und Techniken auszuprobieren, brachten verblüffende Erfolge.

Schillerndes Grün

Dann entdeckten die Bauern einen fremdartigen Stein. Noch ahnten sie nicht, dass in ihm kostbares Kupfer schlummerte. Zunächst staunten sie über das schillernde Grün, das den Erzbrocken so auffällig machte. Was aber sollten die Steinzeitler mit dem unbekannten Pigment anfangen? Wände und Gegenstände damit verzieren? Oder das Gesicht bemalen? Sie wussten es einfach nicht. Spielerisch wie Kinder machten sie also zahlreiche Versuche.


Praktische Verwendung fandt das seltene Grün zum ersten Mal bei der Dekoration von Totenmasken. Für die Ahnen war das Beste gerade gut genug. Doch die Experimente waren nur der Auftakt zu einer technischen Revolution.

Bizarre Gebilde

Reines Kupfer kommt in der Natur nur selten vor. Die bizarr aussehenden Gebilde nennt der Fachmann "gediegenes Kupfer". Am Lagerfeuer erhitzten die glücklichen Finder das schimmernde Metall. Doch zunächst gelang es ihnen nicht, die Brocken zu schmelzen. Aber immerhin wurde das Material in der sengenden Glut weich und formbar. Ein entscheidender Durchbruch. Das anschließende Bearbeiten aber erforderte viel Geduld und Muskelkraft. Trotzdem präsentierten die Tüftler schon bald Kleinwerkzeuge und sogar Waffen.

Der Keulenkopf von Çanhasan in der heutigen Türkei ist die älteste Waffe aus Metall. Nicht geschmolzen oder gegossen, sondern in mühevoller Arbeit gehämmert - vor über 8.000 Jahren. Forscher vermuten, dass den wertvollen Gegenstand ein Häuptling einst als Zepter führte. Vielleicht diente er sogar als Zeremonialwaffe. Auf jeden Fall ist der Keulenkopf aus gediegenem Kupfer ein Einzelstück. Denn meistens hatten die Handwerker nur grünes Kupfererz zur Verfügung. Und sie hatten zunächst keine Vorstellung, wie sie das edle Metall aus dem Gestein herauslösen konnten.

Experimente mit grünen Brocken

Wem der geniale Coup schließlich glückte, dafür haben Experten noch keine eindeutige Antwort parat. Eine plausible Theorie lautet: Die Töpfer experimentierten mit den grünen Brocken. Sie legten sie in ihre Brennöfen, genau so wie sie es mit den Tongefäßen machten. Der erste Schritt zur professionellen Verhüttung.



Brannten sie anfangs noch über der offenen Flamme, so bauten sie später geschlossene Öfen, die gleichmäßige Erhitzung und hohe Temperaturen garantierten. Vielleicht versuchten die Männer, das grüne Pulver auf den Gefäßen zu schmelzen, um attraktive Muster zu erhalten. Doch bei 1100 Grad Celsius entstand lediglich eine hässliche Schlackeschicht. Das rötliche Kupfer zeigte sich erst beim Abschleifen. Sicher kein Verfahren der Jungsteinzeit. Das Know-how, Erz zu schmelzen, entstand demnach nicht in einer Keramikwerkstatt.

Ausgeklügelte Idee

Kupfer schmilzt erst bei knapp 1100 Grad Celsius. Um die hohe Temperatur zu erzeugen und zu erhalten, bedurfte es einer ausgeklügelten Idee. Erst unter heftigem Pusten steigt die Hitze an. Mit der Erfindung des Blasrohrs konnten die Menschen den Luftstrom sogar gezielt bündeln. Den Höhepunkt aber bildeten spezielle Düsen aus Lehm. Die kleinen Aufsätze erfüllten eine wichtige Funktion. Sie konnten mitten in die Flammen geführt werden und schützten das Rohr vor dem Verbrennen. Das ständige Blasen hielt die Hitze stundenlang auf dem erforderlichen Höchstwert. Eine Technik, die noch 2.000 Jahre später im Land am Nil üblich war.

Die Steinzeitler schmolzen nur geringe Mengen des gesuchten Rohstoffs. Damals war es eher Zufall, wenn es gelang, dem Erzgestein reines Kupfer abzuringen. Denn die Temperatur allein reicht dafür nicht aus. Zusätzlich musste bei der Verhüttung die Oxidation verhindert werden. Das hieß: Das Erz durfte nicht mit Sauerstoff in Berührung kommen.

Enormer Aufwand

Die frühen Schmiede fanden schließlich heraus, dass es mit Holzkohle besser geht. Beim Verglühen bildet sie Kohlenmonoxyd und schält das Kupfer aus dem Erzgestein. Später bauten sie Ton-Tiegel, die konstante Schmelzbedingungen liefern. Endlich entstand eine Schlacke, in der sich Kupfertröpfchen absetzten. Je konzentrierter das Erzgestein, um so höher der Kupfer-Anteil. Dennoch blieb der Aufwand an Zeit und Kraft enorm:

Um eine verwertbare Menge zu gewinnen, mußten viele einzelne Tröpfchen produziert und erneut eingeschmolzen werden. Eine schweißtreibende Kleinarbeit, bevor der Rohstoff ausreichte, um daraus wenigstens einen simplen Gegenstand zu gießen. Zum ersten Mal in der Geschichte verwandelten Menschen geheimnisvolles Gestein in edles Metall. Mit den einfachen Mitteln jener Zeit ein Wunder. Die Herstellung von Werkzeugen aus dem neuen Material - damals die Erfindung des Jahrtausends. Zu Beginn eroberten Kupferbeile den Alltag.

Neue Berufe entstehen

Die Vorzüge der Geräte lernten die Steinzeitler schnell zu schätzen. Zwar war das Kupfer weich, für die Holzverarbeitung aber geeignet. Berufe entstanden, die es zuvor nicht gab. Plötzlich fiel es leicht, einen Baum zu fällen und wie ein Zimmermann geschickt in die gewünschte Form zu bringen. Die Schmiede trieben das glänzende Metall zu Schmuck- und Gebrauchsgegenständen. Mit großer Kunstfertigkeit schufen die Pioniere ständig andere Formen und Größen.




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