Piraten und Skorbut

Bestens gewappnet für die Widrigkeiten der Seefahrt

Der erste Anlaufpunkt der kaiserlichen Flotte ist Südostasien. Das Ziel der Chinesen ist dabei die Sicherung der Straße von Malakka: Sie ist das Tor zum Westen. Damals wie heute treiben Piraten in diesen strategisch wichtigen Gewässern ihr Unwesen.

Die Piraten plündern die Handelsschiffe und kontrollieren die enge Passage in den Indischen Ozean. Ihre Ortskunde macht es den Chinesen schwer, die Seeräuber zu fassen.

Brennsätze und Explosivgeschosse

Für das Gefecht auf See verwenden die Chinesen leichte Brennsätze und Explosivgeschosse. Sie haben eine größere Reichweite als die schwere Munition. Kleinere Patrouillenboote und fünfmastige Dschunken dienen der Flotte als Kriegsschiffe. Sie werden auch für den Kampf gegen die Piraten eingesetzt.


Zunächst ist der Anführer der Piraten, Chen Zuyi, bereit, sich auszuliefern. Doch es ist eine Falle. Zheng He wird gewarnt und wendet das Blatt: Es kommt zur Seeschlacht. Zehn Piratenschiffe gehen in Flammen auf, weitere sieben werden gekapert. Der Anführer der Seeräuber wird gefangen genommen. Ein Dokument belegt sein Ende: "Im vierten Jahr des Kaisers, wurde Chen Zuyi nach Nanking gebracht. Es wurde Befehl gegeben, ihn öffentlich zu köpfen."

Basislager an der Straße von Malakka

Wer die Meerenge beherrscht, hat auch Kontrolle über den Seeweg in den Indischen Ozean. Der Sieg über die Piraten ist die wichtigste Voraussetzung, um an der Straße von Malakka das Basislager der Flotte zu errichten. Zheng He sichert seine Position an diesem strategisch wichtigen Ort und damit den Nachschub für die kommenden Reisen. Noch heute finden sich an Land die Spuren der Flotte von Zheng He, dessen Name am Hofe San Bao war: Auf dem San Bao Hügel soll Zheng He sein Basislager aufgeschlagen haben als er seine Reisen in den Westen unternahm. Es ist der größte chinesische Friedhof außerhalb Chinas. Er umfasst mehr als 12.500 Gräber.



In den folgenden Jahrhunderten wird dieser Teil Malaysiens zum Zentrum chinesischen Einflusses. Von Malakka aus geht es nach Westen - in unbekannte Gewässer. Zum ersten Mal auf der Reise sehen die Seeleute über Wochen kein Land. Doch wie wird die Mannschaft auf hoher See versorgt? Nach dem Verlassen der Flottenbasis gibt es noch ausreichend frischen Proviant. Mangelnde Konservierungsmöglichkeiten machen jedoch eine ausgewogene Ernährung auf Dauer unmöglich.

Eigene Versorgungsschiffe

Die Chinesen finden die Lösung mit Hilfe eigener Versorgungsschiffe: Tanker stellen den Bedarf an frischem Wasser sicher. Viehtransporter dienen der Tierhaltung. So kann der Bedarf an Fleisch gedeckt werden. Agrarschiffe mit eigenen Beeten sind die fortschrittlichste Erfindung. Soja wird angebaut: die kleine Sprosse bringt auf wenig Fläche großen Ertrag. Doch was ist das Besondere an Soja?


Im Mittelalter war die unzureichende Versorgung mit Vitamin C die Todesursache Nr. 1 bei den Seeleuten. Skorbut: eine tödliche Mangelerscheinung. Wissenschaftler von der Chinesischen Agrar-Universität prüfen nun, ob Soja ausreichend Vitamin C enthält, um diesem Mangel abzuhelfen. Dabei analysieren sie vor allem den Vitamingehalt der Keimlinge. Denn nur die Sprossen der Sojapflanze werden auf den Agrarschiffen geerntet.

Fortschrittliche Chinesen

100 von 160 Männern sterben an Vitamin C-Mangel, als Vasco da Gama 1497 seine erste Reise unternimmt. In Europa verliert die Krankheit erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts ihren Schrecken, als James Cook Zitrusfrüchte und Sauerkraut auf seine Reise mitnimmt. Die Chinesen lösen das Problem 350 Jahre vorher.

Doch Viruskrankheiten sind nicht zu vermeiden. Zum Alltag auf hoher See gehören beschränkte sanitäre Verhältnisse. In den Mannschaftskabinen herrscht Enge. Die Ausbreitung von Epidemien ist dabei eine ständige Gefahr. Obwohl mehr als 180 Ärzte an Bord der chinesischen Flotte sind, können auch sie die Ansteckung untereinander nicht verhindern. "Kranke Besatzungsmitglieder dürfen nicht an Bord verscheiden. Sterbende sollen in Teppiche gewickelt und ins Meer geworfen werden", ordnet ein Befehl der kaiserlichen Admiralität an.


Aber nicht in allen Fällen ist das Reglement so rigide. Führt eine ansteckende Krankheit nicht zwangsläufig zum Tode, so besteht ein Funke Hoffnung für die betroffenen Seeleute. Befindet sich die Flotte in Küstennähe, werden sie an Land gebracht. Mit Proviant versehen, überlässt man sie ihrem Schicksal. Die Legende sagt, einer von ihnen habe das Unmögliche geschafft: nach zwei Jahren sei er nach China zurückgekehrt - unversehrt und wohlbehalten.

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