Piratenflagge vor Panama

Englische Freibeuter und der "Camino Real"

Panama spielt eine wichtige Rolle für die Seeräuberei im 16. und 17. Jahrhundert. An dieser schmalsten Stelle des amerikanischen Kontinents schleppten die Konquistadoren ihre Schätze quer durch den Dschungel. Zudem bot die unübersichtliche Inselwelt vor der Küste den Freibeutern einen idealen Unterschlupf und diente als Basis für ihre Überfälle auf die mit Gold und Silber beladenen Schiffe der Spanier.

Piratenflagge mit Totenkopf
Piratenflagge mit Totenkopf Quelle: Off The Fence

Die Karibik war das Nadelöhr, durch das die Spanier ihre Schätze heimbringen mussten. Ihre Schiffe waren im Visier der englischen Piraten. Die vielen Inseln des San-Blas-Archipels vor der Küste boten ihnen Unterschlupf, und die dort heimischen Kuna-Indianer unterstützten sie mit ihrer Ortskenntnis und ihren kleinen Booten.

Fette Beute für die Krone

Überflug über das San-Blas-Archipel, Panama
Überflug Insel San Blas Quelle: ZDF


Mit Francis Drake begann die große Zeit der Piraten in der Karibik. 1573 landete der Weltumsegler und Freibeuter seinen größten Coup: den Überfall auf eine spanische Karawane, die Gold und Silber trug - quer durch Panama. Die Beute hatte einen Wert von ungefähr 20 Prozent der jährlichen englischen Staatseinnahmen. Von da an ließ Königin Elisabeth I. ihren Freibeuter gewähren. Künftig überfiel man die spanischen Schiffe im Auftrag der Krone.

Hunderte Tonnen Silber und Gold, die von den Spaniern jedes Jahr über die Karibik nach Hause verschifft wurden, waren eine unwiderstehliche Verlockung für jeden Piraten, während es für die Großmächte England und Spanien um die Vorherrschaft in der Neuen Welt ging. So wurden die erbeuteten Schätze geteilt: Zunächst griffen die Piraten selbst zu, den restlichen - erklecklichen - Teil lieferten sie an die englische Staatskasse. Aber weshalb segelten die Spanier mit ihren reichen Schätzen ausgerechnet vor der Küste Panamas?

Peru wird ausgeplündert

Die Geschichte der Goldtransporte beginnt 1513, als der Abenteurer und Eroberer Francisco Pizarro auf den Spuren des Entdeckers Vasco Nunez de Balboa an einer Expedition durch den neu entdeckten Kontinent teilnimmt. Sein Ziel ist, das sagenhafte Goldland Eldorado zu finden. Nach vier Wochen ist nur noch ein Drittel der Expeditionsteilnehmer am Leben, doch auf Pizarro wartet eine unglaubliche Überraschung: Zusammen mit dem Entdecker Balboa erblickt er am Isthmus von Panama als erster Europäer den Pazifik.

Karawane über die Anden
Andenkarawane Quelle: ZDF

Pizarro fasst den Entschluss, sich an der Küste in Panama-Stadt niederzulassen, und plant von dort Eroberungsfeldzüge. Von der Gier nach Gold getrieben, gelangt er schließlich bis nach Südamerika, in das sagenumwobene Reich der Inka, das heutige Peru. 1532 lockt er mit 150 bewaffneten Söldnern den Herrscher Atahualpa mit einem etwa 8000 Mann starken Gefolge in der Stadt Cajamarca in einen Hinterhalt. Er lässt Atahualpa gefangen nehmen und erpresst Berge von Gold und Silber als Lösegeld.

Umkämpfter Königsweg

Weg der Goldtransporte durch Panama (Trick)
Trick Goldweg Quelle: ZDF


Dieser Schatz markiert den Beginn der Ausbeutung Südamerikas. Noch sehr viel mehr Reichtümer nahmen den Weg von dort nach Spanien. Über Jahrhunderte führte die Schatzroute der Spanier an der Küste entlang bis zum Isthmus von Panama. Von Panama-Stadt am Pazifik wurde die Beute über den "Camino Real", den Königsweg - eigentlich nicht mehr als ein Trampelpfad durch den Dschungel -, bis nach Portobelo an der Karibikküste geschafft. Trotz aller Strapazen und Gefahren, die im Dschungel lauerten, war dies der einfachste Weg, den amerikanischen Kontinent zu überqueren.

An der Küste mussten die Schätze auf Schiffe verladen werden, um quer durch die Karibik nach Hause zu gelangen - durch eine unübersichtliche Inselwelt voller Piraten. 1671 war darunter auch der britische Freibeuter Henry Morgan. Er befehligte 36 Schiffe mit 1.500 Mann. An Land machte er den Transportweg der Spanier unsicher. Entlang des Camino Real legte er sämtliche Festungsanlagen in Schutt und Asche und zerstörte die alte Stadt Panama. Dies markierte den Anfang vom Ende der spanischen Vorherrschaft in der Neuen Welt. Von nun an verfiel der legendäre Goldweg quer durch den panamesischen Regenwald.

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