Pläne für die längste Eisenbahnstrecke der Welt

Russland unter Zugzwang

Im Jahre 1860 hatte Russland, nach langen Auseinandersetzungen mit dem angrenzenden China, endlich ein friedliches Abkommen geschlossen. Im gleichen Jahr wurde im Südosten Sibiriens, an einer idealen natürlichen Bucht, die russische Flagge gehisst und die Stadt Wladiwostok gegründet. Dort sollte auch der Spatenstich für die Transsibirische Eisenbahn erfolgen.

Alexander III. Quelle: ZDF

Es war der perfekte Hafen für eine Pazifikflotte, die Russland und vor allem Sibirien nach Osten schützen sollte. Japan und Amerika lagen vor der Haustür und waren eine ständige Bedrohung. Eine transkontinentale Eisenbahn - so der Gedanke - würde am russischen Ende der Welt ein deutliches machtpolitisches Zeichen setzen und die Entfernungen zur Hauptstadt schrumpfen lassen. Zar Alexander III. gab nach langem Hin und Her das Signal.

Anschluss an die übrige Welt



Bereits 1869 hatten die Amerikaner die erste transkontinentale Eisenbahn in Betrieb genommen. Die Strecke war 2.480 Kilometer lang. Seit 1883 verband der Canadian Pacific das östliche Kanada mit Britisch-Kolumbien. Diese beiden großen Eisenbahnlinien machen deutlich, was Russland brauchte, um Sibirien endgültig an das Mutterland anzubinden. Die Große Sibirische Poststraße, mit deren Bau in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts begonnen worden war, konnte schon längst nicht mehr all die Menschenmassen bewältigen, die freiwillig oder unfreiwillig nach Sibriein strömten.

Russland musste den Anschluss an die übrige Welt finden. Eine Strecke, doppelt so lang wie die Ost-West-Durchquerung der USA musste bewältigt werden. Und Sibirien hatte noch immer seine eigenen Gesetze, daran hatte sich seit den ersten Kosaken nichts geändert. Verschiedene Klima- und Zeitzonen waren zu überwinden, ganz zu schweigen von der extremen Natur. Der Spatenstich zum Bau der so genannten Transsib erfolgte in Wladiwostok. Gleichzeitig arbeitete man an verschiedenen Abschnitten im südlichen Teil Sibiriens. Ein gigantisches Bauwerk - ohne modernes Gerät, fast nur mit Menschenkraft erschaffen.

Aufregende Vorgänge

1890 war ein Fotograf auf der Reise von Moskau nach Jekaterinburg, wohin es bereits eine Bahn gab. Er hat die aufregenden Vorgänge dokumentiert. Der Fotograf Metenkow überquerte auch ohne Eisenbahn den Ural, die Grenze zwischen Europa und Asien. In Jekaterinburg, bereits in Sibirien, besaß er ein gut gehendes Fotogeschäft. Heute beherbergt es ein Museum, in dem alle Schätze Metenkows gesammelt sind, seltene Dokumente aus den frühen Tagen des Eisenbahnbaus. Die Umgebung von Jekaterinburg gab nur eine schwache Vorahnung von dem, was Metenkow in Sibirien erwarten würde. Noch war man ja fast in Europa. Wie viele vor ihm reiste er auf der Sibirischen Poststraße, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts existierte.

Die Poststationen entlang des Sibirischen Traktes lagen eine Tagesreise voneinander entfernt. Aber die so genannte Straße war nichts anderes als ein besserer Feldweg, im Sommer voller Schlamm und eigentlich nur im Winter befahrbar. Nur zwischen einzelnen Ortschaften gab es bis dahin kleinere Verkehrswege, aus einstigen Trampelpfaden oder durch die frühen Kosaken entstanden, als sie sich den Weg durch die Wildnis bahnten. Der Dichter Anton Tschechow bezeichnete die Sibirische Poststraße als die schlimmste Straße auf der ganzen Welt. Doch bis zum legendären Baikalsee, bis nach Irkutsk, war sie noch einigermaßen erträglich. Jenseits von Irkutsk wurde das Reisen endgültig zum Abenteuer.

Der Sonne entgegen

Im Winter wurden die Flüsse zu Autobahnen, im kurzen Sommer suchte man sich den Weg auf den Flüssen oder mutig durch sumpfiges Gelände - der Sonne entgegen. Doch kein Sibirienreisender wusste genau, welche Abenteuer ihn unterwegs erwarteten. Alte Reiseführer versuchten durch hübsche Illustrationen zwischen der Unwirtlichkeit und Romantik Sibiriens einen Ausgleich zu finden.

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