Planmäßige Hinrichtung

Revolutionskomitee beendet Diktatur der Zaren

Die Revolutionsregierung hat die Verbannung der Zarenfamilie angeordnet - unter dem Vorwand, sie vor den radikalen Kommunisten zu schützen. Noch müssen die Romanows nicht auf alle Bequemlichkeiten verzichten - ihre Bediensteten und selbst Geld und Schmuck dürfen sie mitnehmen.

Die Fahrt geht nach Sibirien - dorthin, wo auch die Zaren ihre Feinde gefangen hielten. Alexandra erinnert sich an die Prophezeiung Rasputins, dass Russlands Eintritt in den Krieg die Zarenherrschaft zerstören wird - so schreibt sie in ihr Tagebuch.

Geheime Fahrt im Sonderzug

Mit der Bahn gelangt auch der Kommunistenführer Lenin unter mysteriösen Umständen aus seinem Schweizer Exil ins revolutionäre Russland. Verbürgt ist, dass er am 9. April 1917 an der deutsch-schweizerischen Grenze einen speziell für ihn bereitgestellten D-Zug-Waggon bestiegen hat. Zwei Offiziere der Obersten Deutschen Heeresleitung begleiten den Sonderzug bei seiner geheimen Fahrt durch Deutschland. Am Ende erreicht Lenin tatsächlich russischen Boden und kämpft gegen die provisorische Regierung. Haben die Deutschen dem Zaren gezielt den Todesstoß versetzt - mit Lenins Hilfe?

Die deutsche Geheimoperation hat Erfolg. Auf Befehl Lenins werden in der Nacht auf den 25. Oktober 1917 heimlich die Newa-Brücken hochgeklappt, damit der Panzerkreuzer "Aurora" vor dem Winterpalast vor Anker gehen kann. Längst haben an Bord revolutionäre Matrosen das Kommando übernommen und den Startschuss zum kommunistischen Aufstand abgefeuert. Doch was genau geschah, ist umstritten. Die Propaganda der Sowjetzeit berichtet vom heldenhaften Kampf um den Winterpalast.







Schicksal in Sibirien

Voller Hass zerstören die Kommunisten überall die Symbole der alten Herrschaft - ein Fanal. Das endgültige Schicksal der Zarenfamilie wird in Sibirien besiegelt. Bei Nacht und Nebel bringt man die Romanows heimlich mit der Bahn nach Jekaterinburg - denn noch haben sie überall Anhänger, vor denen sich die neuen Machthaber fürchten.

Endgültiger Befehl

In einer beschlagnahmten Villa stehen die Ex-Monarchen unter strenger Aufsicht. Die Gefangenen haben die Ereignisse der letzten Monate ihres Lebens in Tagebüchern minutiös festgehalten: Alle Privilegien sind abgeschafft, die Lebensmittel rationiert. Bei Tisch herrscht Redeverbot. Immer neue Schikanen bedrücken das alltägliche Leben: "Wir leben wie im Kerker!", notiert der ehemalige Zar empört und hilflos zugleich. Erstmals liest Nikolaus den Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj - und versteht zu spät die Lektion der Geschichte.


Tage der Hoffnungslosigkeit - Tage der Demütigung. Kerkermeister Jurowskij taxiert unverhohlen Alexandras verbliebene Schmuckstücke, längst hat sie alle Hoffnung auf Rettung begraben. Letzte Tagebucheintragung im Juli 1918 - die Seite des 17 bleibt leer. Am Telefon erhält der Kommandant den endgültigen Befehl: Die Romanows sollen mitsamt ihrer Dienerschaft hingerichtet werden. Bis heute gibt es keine letzte Klarheit, wer den Befehl zur Ermordung der Zarenfamilie gegeben hat. In Kenntnis der damaligen Situation erscheint es sicher, dass dieser Befehl von der Führung in Moskau gekommen ist - das heißt letztlich von Lenin.

Die Rekonstruktion der letzten Augenblicke vor dem Mord folgt dem Bericht der Henker: Demnach wurden die Gefangenen in den Keller geführt - angeblich zur eigenen Sicherheit. Keinem soll bewusst gewesen sein, dass sie nur noch wenige Minuten leben würden. Kurz nach Mitternacht: Hastig verließt Jurowskij ein fingiertes Todesurteil - im Namen der Revolution und des Volkes. Dann stürmt das Exekutionskommando herein und eröffnet sofort das Feuer. Die sterblichen Überreste der Opfer werden verscharrt - und werden siebzig Jahre lang verschwunden bleiben. Stolz vermeldet das Revolutionskomitee von Jekaterinburg den Sowjetführern in Moskau den planmäßigen Vollzug der Hinrichtung.

Heiligsprechung

Nach dem Sturz des Sowjet-Regimes ist am Sterbeort der letzten Zaren eine neue Kathedrale errichtet worden. Die Kirche hat Alexandra und Nikolaus ebenso wie ihre Kinder heilig gesprochen. Die weltliche Herrschaft der Zaren kehrt nicht zurück, aber das Volk betet sie nun an. Nach dem Mord an den Romanows tagen im alten Prunksaal des Moskauer Kreml die neuen Herren: das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei. Hammer und Sichel im Ährenkranz auf rotem Grund: die neue Fahne des neuen Staates. "Rot" steht für das Blut, das die Revolutionäre vergossen haben.

Die Diktatur der Zaren war damit zerschlagen. Aber schon im neuen Staatsentwurf war wieder von "Diktatur" die Rede, diesmal von der "Diktatur des Proletariats". Russland tut sich schwer, vom Erbe der Diktatur loszukommen. Aber kann man überhaupt ein Riesenreich zusammenhalten, das fast 200 Völkerschaften umfasst? Auch die Sowjetunion ist zerbrochen. Bisher hat sich der Traum von Frieden und Freiheit in einer großen Völkerfamilie als Illusion erwiesen.

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