Plantards "Prieuré" und "Das Gold von Rennes"

Beispielloser Coup in der Geschichte des Journalismus

Im großen Verschwörungspuzzle fehlt noch Pierre Plantard - ein Mann, der in der Geschichte bisher nicht vorkam und doch eine Schlüsselrolle spielt. Die Fährte des merkwürdigen Franzosen führt in die Umgebung von Genf - nach St. Julien.

Das Archiv der Gemeindeverwaltung birgt den Schlüssel zur Enttarnung der angeblich uralten Geheimorganisation.

Gemeinnütziger Verein

Nicht von Gottfried von Bouillon und nicht im Mittelalter wurde die "Prieuré de Sion" gegründet. Sondern am 7. Mai 1956 von Pierre Plantard. Ein üppiges Emblem schmückt die Urkunde des gemeinnützigen Vereins. Auf dem Programm des "Ritterlichen Ordens katholischer Tradition" steht die Unterstützung hilfsbedürftiger und alter Menschen. Dafür zeichnet Plantard mit seiner Unterschrift.

Selbst der Name seines Clubs findet eine profane Erklärung. Bei St. Julien erstreckt sich die "Montagne de Sion". Auf einem der Hügel sollte eine "Prieuré" - zu Deutsch ein "Kloster" - entstehen. Die Einrichtung war nicht als Ordenshaus gedacht, sondern als religiöse Begegnungsstätte für Laien. Es blieb bei dem Plan, zumal Plantard seinen Verein schon nach drei Jahren auflöste.

Phantastische Karriere


Vom gescheiterten katholischen Laienbund zur angeblich größten Geheimorganisation der Menschheitsgeschichte - die phantastische Karriere der "Prieuré de Sion" trieb ihr Gründer allein aus eigennützigen Motiven an. Der 1920 geborene Franzose saß mehrfach wegen Betrugs im Gefängnis. Ein Hochstapler, der behauptet, ein Nachfahre der Merowinger und somit der legitime König Frankreichs zu sein.

Ende der 1950-er Jahre tut sich Plantard mit dem Schauspieler Philippe de Chérisey zusammen. Das Buch "Das Gold von Rennes" bringen sie gemeinsam mit dem Schriftsteller Gérard de Sède heraus. Darin abgedruckt das umstrittene Pergament. Die Story vom verborgenen Schatz und dem geheimnisvollen Dokument zieht Journalisten aus ganz Europa an. Sie alle wollen das Original einsehen. Doch das kann das Trio nicht zeigen, stammt es doch aus seiner eigenen Werkstatt.

Geadelt und amtlich

Deshalb greifen sie zu einem Trick. Sie erstellen Stammbäume und Listen prominenter Persönlichkeiten und nennen die Clique nach Plantards Verein "Prieuré de Sion". 1967 lassen sie die Papiere in der Bibliothèque Nationale registrieren. Durch die Signatur des Staatsarchivs wird die Fälschung geadelt und sozusagen amtlich.

Ein Treffen in Paris 1979 gibt dem Fall eine neue Wendung. Henry Lincoln, Michael Baigent und Richard Leigh interessieren sich für die Geschichte von Rennes. Bei ihren Recherchen stoßen die Journalisten auf Plantard und seine Mitstreiter. In einem Kinosaal arrangieren sie ein Treffen mit dem selbst ernannten Nachfahren der merowingischen Könige. Der Gründer der "Prieuré" kommt nicht allein, auch Jean-Luc Chaumeil ist Zeuge der Begegnung.

Bizarrer Auftakt

Der bizarre Auftakt zu einem beispiellosen Coup in der Geschichte des Journalismus. In ihrem Buch "Der Heilige Gral und seine Erben" spinnen Lincoln, Baigent, Leigh den Faden weiter und erschaffen den Mythos von der Blutlinie Jesu. Die Vorlage für Dan Browns Bestseller "Sakrileg".

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