Politik der ruhigen Hand

Auch Paul III. baut auf Würde und Glanz des Papstamtes

Im Jahr 1534 besteigt Alessandro Farnes als Papst Paul III. den Heiligen Stuhl. Zum Zeitpunkt seiner Wahl ist er schon 66 Jahre alt und hat seine prägenden Erfahrungen unter Alexander VI. gemacht. Doch er wird auf die Herausforderung der Reformation antworten, den Kampf gegen die drohende Kirchenspaltung beginnen

Gemälde von Paul III. Quelle: ZDF

Auch Paul III. ist durch und durch ein Renaissance-Papst und den weltlichen Genüssen überaus zugetan. Seine Geliebte hat ihm vier Kinder geboren. An deren Fortkommen ist ihm gelegen - mit allen Mitteln, die sich denken lassen. Und wie man im 16. Jahrhundert denkt, ist nachzulesen in einem "Lehrbuch für Herrscher", das der Italiener mit dem klangvollen Namen "Niccolo Machiavelli" geschrieben hat. Der "Machiavell" war sozusagen Basislektüre für jeden Herrscher - und für alle, die es werden wollten. Auch die Päpste haben ihn ganz genau gelesen.

Gängige Spielregeln

Es klingt heute zynisch und menschenverachtend, was Machiavelli empfiehlt. Für die Welt der Renaissance aber - und nicht nur für die Kirche - waren das gängige Spielregeln. Und Paul III. beherrscht die Spielregeln aus dem Effeff. Er will seiner Kirche wieder die Größe verschaffen, die sie unter Papst Leo noch innehatte. Auch er sucht mit prachtvoller Kunst, die Macht des Vatikan sichtbar zu machen - und damit ein beeindruckendes Herrschaftszeichen zu setzen, gegen die Protestanten. Aber in den Mittelpunkt seiner Politik setzt er sich und seine Familie.

Schild mit dem Wahlspruch des Papstes Quelle: ZDF

Wie selbstverständlich beherrscht das Familienwappen in Gold die Deckendekoration der Engelsburg. Und gleich daneben der neue Wahlspruch des Papstes: "Festina Lente" - Eile mit Weile. Politik der ruhigen Hand. Paul baut auf Würde und Glanz des Papstamtes. Es ist kein Zufall, dass gerade er es ist, der den prächtigsten Raum im Vatikan erbauen lässt - die "Sala Regia", den Herrschersaal. Hier verherrlichen die Päpste auf Wandprospekten ihre weltpolitischen Leistungen: zum Beispiel den Sieg des christlichen Abendlandes über die Mohammedaner.

Sala Regia Quelle: ZDF

"Repräsentation ist alles!"

In der Schlacht von Lepanto wurden die Türken blutig niedergeschlagen. Der Papst schreibt sich diesen militärischen Erfolg zu - auch wenn er selbst gar nicht dabei war. "Repräsentation ist alles!" - das ist das politische Programm der Sala Regia. Unter dem Eindruck dieser Bilder sollen alle weltlichen Herrscher dem Stellvertreter Christi demonstrativ Gehorsam erweisen. So hat es sich Paul vorgestellt: Er als Imperator, dem die ganze Welt huldigt.

Wenn man auch zur Amtsführung der Renaissancepäpste vieles kritisch anmerken kann - in Sachen Buchhaltung und Archivierung haben sie ganze Arbeit geleistet. Ein Bücherschatz repräsentiert den Beginn einer Geschichtsschreibung, der es nicht um Legenden, sondern um Fakten geht. Marietta Quesada, Direktorin im römischen Staatsarchiv, hat Abertausende von vatikanischen Rechnungsbüchern aus der Zeit der Renaissance durchforstet. Eines ist ihr dabei sofort aufgefallen: Während der Amtszeit von Papst Paul wurde ausgerechnet die Kochkunst auf höchsten Niveau zelebriert. "Einkaufslisten und Ausgabenbelege", so sagt sie, dokumentieren die verblüffende Menge und Vielfalt der Köstlichkeiten, die auf den päpstlichen Tisch kamen.

Einkaufsliste aus dem Vatikan zu Zeiten Paul III. Quelle: ZDF

Investition in Prunk und Pomp

Vor allem auch die vielen Importwaren aus der muslimischen Türkei - zum Beispiel der Wein. Wenn es um den gedeckten Tisch ging, gab es keine Glaubensgrenzen. Die Verhältnisse am Papsthof erscheinen uns heute haarsträubend und völlig unchristlich. Und doch sind sie auf dem Hintergrund ihrer Zeit alles andere als absurd: Genau wie die Herrscher an den Fürstenhöfen müssen die Päpste in Pomp und Prunk investieren, um die Menschen zur Gefolgschaft zu bewegen. Nur wer das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft, genießt Autorität. Den nimmt man ernst. Repräsentation ist Überlebensstrategie.

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