Porträt Willi Korte

Über die Qualitäten eines modernen Schatzjägers

Das romantische Bild vom Schatzjäger zeigt immer noch den ganzen Kerl im Abenteurer-Outfit, der wilde Tiere und gelegentlich gefährliche Feinde zu besiegen hat und dessen Kompass eine mysteriöse Schatzkarte ist. Wer Dr. Willi Korte begegnet, merkt schnell: Moderne Schatzjagd folgt anderen Regeln.

Willi Korte Quelle: ZDF

Der Schatzjäger Willi Korte ist Jurist, Politologe und Historiker. Korte fahndet nach gestohlener Kunst und spürt von den Nazis gestohlene Gemäldesammlungen wieder auf. Sein erster Fall ist der Domschatz von Quedlinburg. Ein amerikanischer GI hat den bedeutendsten Kirchenschatz des Mittelalters nach Kriegsende gestohlen. Korte klärt den Jahrhundertraub in einer langwierigen Ermittlung auf - Schatzkarten und Dschungeloutfits spielen bei dieser Arbeit eher eine untergeordnete Rolle.

Wissenschaftler und Detektiv

Willi Korte paart die Qualitäten eines Wissenschaftlers mit denen eines Detektivs. Korte denkt analytisch, verlässt sich auf seinen Instinkt und handelt schnell. Er ist Rechercheur, Psychologe und Nachrichtenhändler in einer Person. Korte ist dreist und gibt sich, wenn es sein muss, vor texanischen Bankern als angeblicher Bevollmächtigter der deutschen Bundesregierung für die Rückführung des Domschatzes aus. Korte ist diskret, und das auf eine Weise, die erkennen lässt, dass er auch den Wert einer gezielten Indiskretion zu schätzen weiß.

Wer tiefer in die Geschichte des Jahrhundertraubs von Quedlinburg eintaucht, wer auch mit jenen Beteiligten spricht, die Jahrzehnte schwiegen - der merkt schnell, dass solche Qualitäten nötig sind, um diesen Schatz wiederzufinden. Denn diese Geschichte führt in die Abgründe des internationalen Kunsthandels, vorbei an korrupten Gutachtern, Bankern, Hehlern und gierigen Erben.

Zeitschriftencover Affäre Waldheim Quelle: ZDF

Komplizierter Charakter

Wer jedoch verstehen will, warum dieser Korte gegen jede Vernunft und wider alle Risiken dem Domschatz von Quedlinburg so lange nachjagt, bis er ihn in einer texanischen Bank wieder ans Licht holt, der dabei seine materielle Existenz und seinen guten Ruf aufs Spiel setzt - dem fehlt noch ein Puzzlestein, um diesen komplizierten Charakter zu verstehen.

An dieser Stelle kommt doch eine Schatzkarte ins Spiel: Kortes Vater besaß vor dem Krieg eine Gold- und Silberscheideanstalt in Dresden. Bei Kriegsende vergrub er sein restliches Gold und Silber vor den russischen Besatzern. Vor seiner Flucht in den Westen markierte er den magischen Ort auf einer Karte. Und so kam es, dass Willi Korte seine ganze Kindheit und Jugend vom Goldhort hinter dem Eisernen Vorhang träumte.

"Was wäre, wenn?"

Nach der Wende bekam der Sohn die Karte und zog los, illegal, mit Metalldetektor und Spaten. Er fand nur Blechdosen, wahrscheinlich waren die Sowjets schneller. Aber das Schatzfieber ist geblieben und treibt ihn an. "Wenn man über Jahre diesen Gedanken nicht los wird: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn ich es finden würde", so beschreibt Korte seine Rastlosigkeit, die nur auf einem Weg gelindert werden kann: "Bei solchen Geschichten gibt es nur eine Antwort: nämlich das Finden."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet