Portugals Aufstieg

Erfolgreichste Seefahrernation

Die Heimreise wurde eine Katastrophe. Nur ein Drittel von Vasco da Gamas Besatzung kam nach anderthalb Jahren in die Heimat zurück. Für Portugal aber hatte sich die Expedition dennoch gelohnt.

In seiner Erfolgsmeldung nach Spanien und an den Papst schrieb der portugiesische König von der "Gelegenheit, die Mauren zu vernichten und den Bewohnern und Schiffen Unseres Königsreichs den Handel zugänglich zu machen, der jetzt die Mauren und Venedig bereichert."

Völlig neue Welt

Die Nachricht von da Gamas Erfolg verbreitete sich wie ein Lauffeuer bis Venedig. Dessen Handelsmonopol war gebrochen. Die Pracht seiner Kirchen und Paläste schien dem Untergang geweiht. Das Geld, das Venedig reicht gemacht hatte, floss bald in andere Taschen. Durch Vasco da Gamas Reise tat sich für die Europäer eine völlig neue Welt auf. Aber auch für die anderen Länder bedeutete dieser Kontakt eine neue Sicht auf die Welt, eine neue "Weltanschauung". Und diese hatte immense Auswirkungen auf das Leben in Europa - wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell".

Die Flotte Vasco da Gamas machte Portugal zur erfolgreichsten Seefahrernation der damaligen Zeit. Jedes Jahr wurden neue Schiffe entsandt. Mit Feuer und Schwert wurden die Länder des Indischen Ozeans erobert. Noch zu Lebzeiten Vasco da Gamas nahmen die Portugiesen den gesamten südostasiatischen Raum ein: Ceylon vor der Küste Südindiens, Indonesien, die Halbinsel Malaysia bis hin zu den Molukken und hinauf nach China. Für Jahrzehnte dominierten sie einen der größten Wirtschaftsräume der Welt.

Vizekönig von Indien

Kolumbus, der große Konkurrent, wurde von seiner dritten "Indienreise" in Ketten nach Spanien zurückgebracht. Er starb 1506 vereinsamt und verbittert. Bis zuletzt beteuerte er, den Seeweg nach Indien entdeckt zu haben. Vasco da Gama starb hoch geachtet Heiligabend 1524 als Vizekönig von Indien. Portugal ehrte seine Tat mit dem monumentalsten Bauwerk seiner Geschichte, dem Hieronymus-Kloster in Lissabon. Portugal hatte den Wettlauf nach Indien gewonnen. Vasco da Gamas Entdeckung hatte das kleine Land am Rande Europas in kurzer Zeit zur einer Weltmacht werden lassen.

Nach seinem Tod wurde Vasco da Gama als Nationalheld gefeiert und im berühmtesten Werk der portugiesischen Literatur, den Lusiaden, verewigt. Seine sterblichen Überreste fanden in der Kirche des Hieronymus-Klosters ihre letzte Ruhestätte. Dort, wo Vasco und seine Mannschaft am Abend vor der ersten Ausreise gebetet hatte, wurde im Jahre 1502 der "Torre de Belem" gebaut, Wahrzeichen der ruhmreichsten Epoche der portugiesischen Geschichte. Wahrzeichen und Denkmal zugleich für ein schwieriges Erbe. Vasco da Gama war es und nicht Kolumbus, der den Seeweg nach Indien entdeckte. Er eröffnete damit ein neues Kapitel in der Geschichte zwischen Orient und Okzident.

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