"Pour la mort"

Prozess gegen Ludwig als politisches Exempel

Das Volk rechnet mit der königlichen Monarchie ab. Die aufgebrachten Pariser stürmen die Tuilerien. Die königliche Familie wird aus dem belagerten Stadtschloss abgeführt. Die Revolution lässt sich ihre Errungenschaften nicht mehr nehmen. Die Bedrohung von außen schafft ein neues, nationales Selbstbewusstsein.

Föderierte aus dem ganzen Land marschieren im patriotischen Rausch nach Paris. Die Marseillaise, das Lied der Rheinarmee, wird zur Fanfare der Freiheit und begleitet in einem ungeahnten Siegeszug die Revolution.

Das Ende der Monarchie



1792 sollte die Revolutionsarmee sich zum ersten Mal bewähren. Es gelingt, die preußischen und österreichischen Truppen zum Rückzug zu zwingen. Der Sieg bei Valmy über den übermächtigen Feind entfacht eine wahre Euphorie. Am 21. September 1792 wird das Ende der Monarchie verkündet. Aus König Ludwig XVI. wird der Bürger Ludwig Capet. Die Ausrufung der Republik bedeutet für die Gefangenen bereits das vorgezogene Todesurteil. Für die Revolution dagegen den Beginn einer neuen Zeit.

Die Republik macht ernst

Fortan laufen die Uhren anders. Um den Auftakt der neuen Epoche zu betonen, wird die dezimale Uhrzeit eingeführt. Im Musée Carnavalet gibt es noch eines der drei letzten verbliebenen Exemplare der revolutionären Zeitmessung. Der Tag hat 10 Stunden, die Stunde 100 Minuten, die Minute 100 Sekunden. Das Räderwerk der Republik dreht sich. Es ist der 11. Dezember 1792, in der Zeitrechnung der Revolution: Primidi, 21. Frimaire im Jahre 1.


Die junge Republik macht ernst. Die Anklagepunkte gegen Ludwig Capet sind zusammengetragen. Seine Konspiration mit dem Feind gilt als erwiesen. Die Entscheidung ist gefallen, der Prozess gegen den König beschlossen. Die Anklage lautet auf Hochverrat.

Die Beweise sind erdrückend, der Prozess ist vor allem ein politisches Exempel. Ludwig reagiert auf die Anschuldigungen mit Schweigen und dem Ableugnen seiner Schuld.

Tod auf der Place de la Revolution



Bei der namentlichen Abstimmung verurteilt eine knappe Mehrheit den König zum Tod. Einzeln treten die Abgeordneten vor und votieren "pour la mort". Am 17. Januar 1793 ergeht das Urteil. Vier Tage später erfolgt die Hinrichtung auf der Place de la Revolution. "Der König ist tot, es lebe der König!" - dieses eherne Gesetz wird es nicht mehr geben. Marie Antoinette wird noch am selben Tag von ihrem Sohn getrennt.

Die Conciergerie in Paris ist einer der wenigen Orte, die an die Schrecken der Revolution noch erinnern. Für Marie Antoinette die letzte Station vor ihrem Tod. 2600 Gefangene warteten hier auf ihre Verurteilung. Für die Pariser damals warteten sie im "Vorzimmer zum Schafott". Den Blicken ihrer Bewacher ausgeliefert, verbringt Marie Antoinette hier drei Monate in Einzelhaft. Das Fenster zugemauert, ohne jeden Außenkontakt.




"Das Nelkenkomplott"

Im August 1793 spielt sich in der Conciergerie eine bis heute geheimnisumwitterte Geschichte ab. Später in den Akten als "das Nelkenkomplott" dokumentiert. Treue Royalisten unternehmen einen letzten Versuch ihre Königin zu retten. Wachen werden bestochen, ein Fluchtplan, versteckt in einer Nelke, unauffällig von einem Mann durch die Gitter der Zellentür fallen gelassen. Auf einem kleinen Stück Papier, mit einer Nadel eingestochen, hatte die Königin mitgeteilt: "Ich vertraue mich ihnen an, ich werde kommen." Das Papier wird abgefangen und die Nachricht von einer neuen Verschwörung zur Wiederherstellung der Monarchie geht um. Das kleine Stück Papier, ein letztes Beweisstück für die Anklage.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet