Präzisere Klimamodelle

Hamburger Wissenschaftler wollen höhere Prognosesicherheit

Auch am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg beschäftigt sich ein Team um die Klimaforscherin Daniela Jacob mit Hurrikan Vince. War der Wirbelsturm im Mittelmeer der Anfang einer Trendwende? Vor allem die Mittelmeerländer sorgen sich um ihre Zukunft. Die Region gilt als Hotspot der Klimaveränderung, dort wird es viel heißer werden und das Wasser wärmer.

Daniela Jacob und ihr Team Quelle: ZDF

Hohe Wassertemperaturen führen dazu, dass sich Gewitter besser und intensiver und vielleicht auch häufiger bilden können. Starke Niederschläge können dann auch zu Überschwemmungen oder Erdrutschen führen. Sintflutartige Regenfälle und gleichzeitig mehr Trockenheit - eine scheinbar paradoxe Zukunft.

Hurrikans in Europa?

Doch auf was müssen sich die einzelnen Länder am Mittelmeer einstellen? Im Sommer brennen schon heute unzählige Wälder. Zahlreiche Tornados suchen immer wieder die Mittelmeerregionen heim. Werden dort auch bald Hurrikans die Küsten bedrohen? Diese Fragen wollen die Wissenschaftler in Hamburg und ihre Kollegen mit dem neuen Klimamodell REMO beantworten.

Computeranimation Gitternetzmodell Klima Europa Quelle: ZDF

Bislang werden in den Simulationen ein Raster mit zahlreichen nebeneinander liegenden Quadraten auf die Erdoberfläche gelegt. 200 Kilometer sind die Seiten lang. In diesem Modell wird angenommen, dass in jedem Quadrat einheitliches Wetter herrscht. Doch das ist eine unrealistische Vereinfachung. Mit einem feineren Raster von zehn Kilometern wollen die Wissenschaftler die Genauigkeit erhöhen.

Daten aus der Vergangenheit

Möglich macht dies das Klimarechenzentrum in Hamburg. Dort steht einer der leistungsfähigsten Computer Deutschlands. Von REMO erhoffen sich die Wissenschaftler genauere Aussagen über die Entwicklung des Klimas in der Mittelmeerregion. Dazu füttern sie den Computer zunächst mit allen notwendigen und verfügbaren Wetter-Daten aus der Vergangenheit.

Waldbrände Quelle: ZDF

Verwendbare Aufzeichnungen über Hurrikans am Mittelmeer gibt es bislang keine, denn die tropischen Wirbelstürme entstehen eigentlich viel weiter im Süden. Doch tropische Verhältnisse herrschen in den letzten Jahren auch am Mittelmeer. Oft liegen die Temperaturen in der Türkei und Griechenland monatelang über 40 Grad im Schatten. Es fällt kein Regen, tausende von Wäldern brennen. Die Wassertemperatur des östlichen Mittelmeers liegt über Wochen bei 28 Grad.

Alarmstufe rot

Aus den Wetterdaten leiten die Forscher physikalische Gesetzmäßigkeiten ab. Mit Hilfe dieser Gesetzmäßigkeiten simuliert das Modell von Daniela Jacob das Klima in der Mittelmeerregion für jeden einzelnen Tag - bis in das Jahr 2100. Die verschiedenen globalen Klimamodelle sagen für die nächsten 100 Jahre im Extremfall einen Anstieg der Durchschnittstemperatur in weiten Teilen der Erde um bis zu sechs Grad Celsius voraus. Auch für das Mittelmeer herrscht auf der Klimakarte Alarmstufe rot. Es wird immer heißer werden. Vor allem Spanien, Italien und Griechenland erhoffen sich Aussagen darüber, auf welche Wettersituationen sie sich einstellen müssen.

Computermodell Aufheizung der Erde Quelle: ZDF

Die Kraft, die in den Hurrikans steckt, wird sich vervielfachen. Bis vor kurzem war das ausschließlich ein Problem der Küsten Nord- und Mittelamerikas. Wie sieht die Zukunft für die Menschen am Mittelmeer aus? Der jüngste Bericht des Weltklimarates widerspricht der Vermutung, dass die Klimaerwärmung dort Wirbel mit Hurrikan-Stärke erzeugen könnte. Doch die Aussagen des Weltklimarates basieren auf der Simulation mit einem sehr groben Raster. Wird das Klimamodell REMO die Aussagen des Weltklimarates trotzdem bestätigen?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet