Preiswerte Medizin

Der Kräuterbasar von Nagaur

Radjastan, im Nordwesten Indiens. Im alten Fort der Provinzstadt Nagaur ist der Vaidya mit einem Wissenschaftler aus Deutschland verabredet. Hermann Ammon, Professor an der Universität Tübingen, ist einer der renomiertesten Pharmakologen der Bundesrepublik.

Als Forschungsreisender im Auftrag des Gesundheitsministeriums hat er Ayurveda studiert, lange bevor der exotische Name Einzug auf Schönheitsfarmen und in Wellnessbereichen hielt. Ammon interessiert das pharmakologische Potenzial der altindischen Medizin: Wie funktionieren die ayurvedischen Medikamente? Welche Wirkstoffe enthalten sie? Und welche Pflanzen produzieren diese Wirkstoffe?

Apotheke des Vertrauens

Der Kräuterbasar von Nagaur sei die beste Adresse für Heilpflanzen in ganz Rajastan, behauptet der alte Vaidya stolz und führt den Professor aus Deutschland in die Apotheke seines Vertrauens. Der unscheinbare Laden verbirgt sein reichhaltiges Sortiment tief im Innern. Getrocknete Blätter, Wurzeln, Früchte, Baumrinden, Harze. Sieht so eine medizinische Schatzkammer aus?


Der Vaidya erklärt die Vorzüge der einzelnen Pflanzen. Professor Ammon hat Schwierigkeiten, diese genau zu bestimmen. Die Namen sind von Region zu Region verschieden. Doch eine Wurzel kennt auch der Tübinger Pharmakologe: Schlangenwurz. Die Inder verwenden sie seit 2000 Jahren als Droge gegen den Wahnsinn.

Weiteres Wundermittel

In einer unscheibaren Blechdose soll sich ein weiteres Wundermittel verbergen: das Harz von Boswelia serrata, dem indischen Weihrauchbaum. Der Vaidya erzählt, dass mit "Guggulu", seinem Harz, früher die Syphilis behandelt wurde, die von den Portugiesen nach Indien eingeschleppt wurde. Es helfe aber auch bei Husten, Asthma, Athritis und Gicht. Professor Ammon lässt sich verschiedene Proben einpacken. Im Labor in Tübingen soll analysiert werden, was wirklich in ihnen steckt.


In Jodhpur, der blauen Stadt, residiert Maharadscha Gaj Singh II. Der Vaidya hat hier seine Arztpraxis in einem Arme-Leute-Viertel. Ayurveda steht in Indien nämlich immer auch für preiswerte Medizin. Die Diagnosemethoden sind einfach: ein Blick in die Augen, auf die Zunge, die Haut, Pulsfühlen. Wer das perfekt beherrscht, kann auf Geräte verzichten. Auf Rezept gibt es dann natürlich keine westlichen, sprich teuren Präparate.

"Patientengespräch" ohne Rechnung

Gleich neben dem Behandlungszimmer ist eine einfache Apotheke, die die ayurvedische Arznei in gewünschter Konzentration und Menge zusammenstellt. Jeder bekommt nur soviel Medizin, wie er wirklich braucht. Auch das spart Geld. Die Wartezeit verkürzt der alte Vaidya mit einem kleinen Schwatz. Ein "Patientengespräch" ohne gleich folgende Rechnung.




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