Prinz oder Betrüger?

Genalyse bringt neue Erkenntnisse

Die Ermordung Kaspar Hausers lassen die Spekulationen um seine rätselhaft Herkunft nicht verstummen. Seine Geschichte wird zur Legende, die Legende zum Mythos. DNA-Untersuchungen sollen die Wahrheit ans Licht bringen.

Kaspars Kleidung wurde damals polizeilich beschlagnahmt und ist inzwischen ein Ausstellungsstück. Der 170 Jahre alte Blutfleck an der Unterhose birgt, wie man heute weiß, wichtige Erbinformation, die DNA. 1996 wird im Auftrag des Magazins "Der Spiegel" Stoff aus der Unterhose Kaspar Hausers herausgeschnitten und in zwei Gen-Labors untersucht. Durch den Vergleich der DNA-Strukturen kann eine bestehende Verwandtschaft noch über Generationen hinweg nachgewiesen werden. Dazu wird Blut von den direkten Nachkommen des Hauses Baden mit dem der Unterhose verglichen. Besteht diese Blutsverwandtschaft, dann ist Kaspar der Prinz von Baden.

Neue Untersuchungen


Am 25. November 1996 starb der Mythos Kaspar Hauser als Spiegel-Titelgeschichte "Der entzauberte Prinz". Das Haus Baden war rehabilitiert. Doch der Spiegel-Beweis fußt auf einem einzigen Indiz: dem Blutfleck auf der Unterhose. An seiner Echtheit allein hängt die historische Wahrheit. Fünf Jahre nach dem Spiegelurteil über Kaspar Hauser, wird eine neue Untersuchung eingeleitet. Die wissenschaftlichen Methoden der DNA-Untersuchung haben sich inzwischen immens weiterentwickelt. Auch Schweiß und Haare liefern Erbinformation, die man heute erst entschlüsseln kann. Der Blutfleck auf der Unterhose kann so durch Parallelproben ergänzt und verglichen werden.

Aus unterschiedlichen Quellen werden insgesamt sechs Proben entnommen: Hut und Hose Kaspar Hausers und von seinen Haarlocken, zum Teil aus dem privaten Nachlass des Ansbacher Gerichtspräsidenten Feuerbach. Die Analyse dauert lang, die Ergebnisse werden im Labor sicherheitshalber mehrfach geprüft. Der genetische Code ist in allen sechs Proben der selbe. Nach 170 Jahren hat der in Nürnberg aufgetauchte und in Ansbach ermordete Junge zum ersten Mal seine genetische Identität preisgegeben. Wie verhält sich das Ergebnis zu dem des Nachrichtenmagazins? Wenn man den genetischen Code, der Kaspar Hauser zugeordnet wurde mit dem genetischen Code vergleicht, der aus den Blutflecken der Unterhose gewonnen wurde, sieht man gravierende Unterschiede an insgesamt sechs Positionen. Diese Blutflecken können also nicht von Kaspar Hauser herrühren. Die Folgerung des "Spiegel" ist damit widerlegt.

Ausschluss unverantwortlich

War Kaspar also doch der Sohn Stephanie de Beauharnais und Erbprinz von Baden? Eine erneute DNA-Probe am "lebenden Objekt" soll Aufschluss geben. Astrid von Medinger ist in direkter Erbfolge mit Stephanie de Beauharnais verwandt. Wenn man den DNA-Code von Frau Medinger mit dem Kaspar Hauser zugeordneten Code vergleicht, finden sich in allen wesentlichen Positionen bis auf eine einzige Position Übereinstimmung. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es unverantwortlich einen Ausschluss zu formulieren, so dass immer noch die Möglichkeit besteht, dass Kaspar Hauser ein biologischer Verwandter zum Hause Baden ist.


Wer immer er wirklich war. Kaspar Hauser, genannt der Prinz von Baden, wurde ermordet. Nach den Gerüchten damals gab es für die Hochbergs genügend Gründe für einen Mord. Das Findelkind erschütterte zu Lebzeiten ein Fürstentum bis in die Grundmauern. Sein Schicksal hat Generationen nach ihm gerührt und hätte der Geschichte vielleicht eine ganz andere Richtung gegeben - als Prinz von Baden. Auf dem Friedhof von Ansbach hat Kaspar Hauser seine letzte Ruhe gefunden, im Alter von 21 Jahren.

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