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Prinzeps und Monarch

Alleinherrschaft im Römischen Reich

Nach 13 Jahren Machtkampf mit Marc Anton war Octavius nach dem Sieg bei Actium 31 vor Christus alleiniger Herrscher des Römischen Reichs - freilich noch ohne verfassungsrechtliche Legitimation. Doch durch geschicktes politisches Taktieren und Skrupellosigkeit gegenüber seinen Gegnern gelang es ihm letztlich, unter dem Deckmantel des Prinzipats die Monarchie zu begründen.

Nach seiner Rückkehr aus Actium beanspruchte Octavius wie selbstverständlich die Führungsrolle in Rom. Nun galt es, diese Machtposition für sich und seine Anhänger nachhaltig zu sichern und zu legalisieren. Das am nächsten liegende war, die alte republikanische Ordnung - zumindest nach außen hin - wiederherzustellen, um sich der Zustimmung des Senats und des Volkes, das ihn als Friedensbringer feierte, sicher sein zu können. Dabei ging Octavius viel gerissener vor als damals Caesar, denn er verstand es, seine wahren Absichten zu verschleiern.

Politische Neuordnung

27 vor Christus gab er seine außer-ordentlichen Vollmachten an den Senat zurück und erklärte, die Republik sei wieder hergestellt. Ein geschicktes Täuschungs-manöver, wie sich herausstellte. Denn die Vollmachten wurden ihm wenig später in Gänze wieder übertragen. Er erhielt für zehn Jahre ein außerkonsularisches Imperium, das heißt die Herrschaft über die Provinzen Ägypten, Zypern, Spanien, Gallien und Syrien, die er durch Personen seines Vertrauens verwalten ließ.

Damit hatte er den Oberbefehl über das Militär, das er in eine Berufsarmee umwandelte. Im selben Jahr wurde ihm der Titel "Augustus", der Erhabene, verliehen, was seine Stellung zusätzlich stärkte. Denn dieser Ehrentitel war bis dahin den Göttern vorbehalten gewesen. Er selbst bevorzugte aber den Titel "Princeps", der Erste, um so die Nähe zu den Senatoren zu demonstrieren. Außerdem wurde er in den Jahren 31 bis 23 vor Christus jährlich zum Konsul ernannt, verfügte also auch über die Finanzhoheit.

Ausgestaltung des Prinzipats

Das Kunststück, die wichtigsten politischen Ämter ohne Umsturz der Verfassung in einer Person zu vereinigen, war gelungen, der Senat von der neuen Ordnung überzeugt. Doch waren die Regeln, nach denen der neue Staat funktionieren sollte keineswegs klar. Augustus hatte erklärt, alle Organe, das heißt Volksversammlung, Senat und Magistrat, sollten ihre Aufgaben traditionsgemäß erfüllen. Doch wie sollte diese Arbeit aussehen mit Augustus als Dauerkonsul, der noch dazu das gesamte Heer hinter sich hatte?

Ein weiterer Schritt zur Sicherung seiner Machtposition war die Verkleinerung des Senats, den Augustus von ehemals 1000 Mitgliedern zunächst auf 800 und schließlich auf 600 reduzierte. Viele seiner Anhänger fühlten sich benachteiligt, da sie nicht in dem Maße an der Macht teilhatten, wie sie es sich erhofft hatten. Diese Tatsache und einige anderen Neuerungen führten zu einer krisenähnlichen Zuspitzung. Eine Verschwörung lag in der Luft.

Augustus lenkt ein und gewinnt wieder

Der Prinzeps erkannte die Zeichen der Zeit und verzichtete im Jahre 23 vor Christus auf das Amt des Konsuls. Im Ausgleich dafür erhielt er für seine Militärprovinzen eine übergeordnete prokonsularische Gewalt, was de facto seine innenpolitische Macht noch stärkte. In Rom selbst erteilte man ihm als Ersatz für das aufgegebene Konsulat die tribunizische Gewalt auf Lebenszeit, das heißt er konnte im Senat Initiativen einbringen und Veti einlegen. Die gesamte Amtsgewalt konzentrierte sich also stärker als je zuvor in seiner Person. Ehemals mächtige Staatsorgane wie das Konsulat wurden auf bloße Routineaufgaben beschränkt.

Augustus betonte jedoch stets, dass er kein Amt bekleide, dass gegen die republikanische Tradition verstoße und stellte sich selbst gerne als Bewahrer der republikanischen Gleichheit dar. Seine außergwöhnliche Stellung fand ihre Rechtfertigung in der Fähigkeit des Prinzeps, mit den großen Problemen Roms und des gesamten Reiches scheinbar spielend fertig zu werden. Als Rom 22 vor Christus von einer Hungersnot heimgesucht wurde, versorgt er die Stadt mit Getreide. Außerdem führte er die Säkularspiele, die ludi saeculares, wieder ein. Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen und Theater sollten das Volk von seinen Nöten und Alltagssorgen ablenken und den Aufbruch in ein neues Zeitalter markieren.

Untrüglicher Machtinstinkt


Schon früh entwickelte Augustus ein Gespür für die Bedürfnisse des Volkes. Als Primus inter Pares - als Erster unter Gleichen - garantierte der Regent mit seiner Person das Wohl der Gemeinschaft. Und die Römer wünschten sich nichts sehnlicher als Frieden. Der Prinzeps verbesserte die öffentliche Sicherheit entscheidend. Um der Bandenkriminalität und der Gewalt der Nachbarschaftsvereine Herr zu werden, installierte er drei städtische Polizeikohorten. Außerdem wurde Rom in 14 Regionen eingeteilt, die durch Magistrate verwaltet und kontrolliert wurden. Die Befriedung Roms und des Reiches fand als Pax Romana Eingang in die Geschichtsbücher.

Augustus' Propaganda-Maschinerie funktionierte perfekt. Er erweiterte das Reich um neue Provinzen, vor allem im Osten. Panonia, Galatia, Judaea und Ägypten wurden im Namen des Senats eingegliedert. Seine Erfolge ließ er unter anderem durch zahlreiche Münzbildnisse mit seinem Konterfei sowie Statuen und Tempel dokumentieren. Im Jahre 12 vor Christus übernahm er nach dem Tod des ehemaligen Triumvirn Lepidus auch den Oberpontifikat und war damit zum Stellvertreter Roms bei den Göttern geworden. Die Vereinigung der höchsten Würde des Staatskultes mit der politischen Macht war perfekt.

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