Projekt "Galeasse"

Kriegs- und Handelsmacht Venedig

1570 - ein Jahr vor dem großen Showdown auf See - spitzte sich die Lage zu. Mit 360 Galeeren und 50.000 Mann überfielen die Türken Zypern, den Außenposten Venedigs im östlichen Mittelmeer.

Famagosta konnte der Belagerung zunächst standhalten. Gegen die dicken Mauern der gut gesicherten Hafenfestung rannten die Soldaten des Sultans monatelang vergeblich an. Erst als Verpflegung und Munition zur Neige gingen - die Kanonen allmählich verstummten - hisste der Stadtkommandant schließlich die weiße Flagge. Die Eroberer jedoch schnitten ihm Ohren und Nase ab und häuteten den Unglücklichen bei lebendigem Leib. Famagosta fiel.

Politisches Bündnis

Die Kirchenoberen in Rom waren entsetzt über den Angriff auf Zypern und arbeiteten fieberhaft an einer wirksamen Strategie. Gesandte des Vatikans waren Dauergäste in Madrid und Venedig. Diplomaten und Kardinäle feilten an einem politischen Bündnis. Denn Papst Pius V. glaubte, nur eine militärische Allianz könne den Vormarsch der Muslime stoppen. Seine Ankündigung "Ich erhebe die Waffe gegen die Türken" waren mehr als nur leere Worte. In die Tat hatte er sie bereits in einer ersten Aktion umgesetzt.

Den Auftrag des Heiligen Vaters erhielt der Spross einer einflussreichen römischen Familie. Ein brillanter Kopf - mit einer glänzenden Karriere: Admiral Marcantonio Colonna. Mit 16 Galeeren hatte er auf Zypern den Kampf gegen die Türken unterstützt. Seinen neuen Befehl erhielt Colonna am 25. Mai 1571 in der Peterskirche. Im Namen der "Heiligen Liga" sollte er mit der europäischen Armada gegen die osmanische Flotte ziehen. Unter dem Banner des Kreuzes: Rom, Madrid und Venedig. Die gewieften Taktiker in der Lagunenstadt aber verließen sich nicht nur auf die Hilfe Gottes. Im streng abgeschirmten Arsenal trieben sie das Projekt "Galeasse" zielstrebig voran. Fast 5.000 Schiffbauer, Kanonengießer und Segelmacher schufteten ununterbrochen in der größten maritimen Waffenschmiede Europas. Coup der Konstruktion - die Rundum-Bewaffnung.

Schwimmende Kampfmaschinen

Die Verantwortlichen des geheimen Unternehmens hatten gute Arbeit geleistet. Die Handelsrepublik Venedig stellte das größte Kontingent für die Flotte der "Heiligen Liga": 106 Galeeren sowie diverse Versorgungs- und Transportschiffe. Größter Stolz der Erfinder - sechs hochbordige Galeassen.


Die schwimmenden Kampfmaschinen waren ein Meilenstein in der Geschichte des Schiffsbaus. Nur die besten Schiffe und die Elite der Kapitäne schickten die Verbündeten des Papstes auf den Weg - den Türken entgegen. Aus Barcelona, Rom und Venedig fuhren die Kriegsgaleeren im Eiltempo zur Straße von Messina. Die Meerenge zwischen Sizilien und dem italienischen Festland - in kurzer Zeit ein gigantischer Flottenstützpunkt.

Auf Erfolgskurs

Die "Real", das Flaggschiff der imposanten Armada, traf am 24. August 1571 ein. Die prächtige Galeere stand unter dem Befehl eines prominenten Adligen: dem Sohn von Kaiser Karl V. Don Juan d'Austria hatte das Oberkommando über die gesamte Flotte. Mit 26 Jahren war Juan d'Austria bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere.


Der militärische Erfolg gegen die Mauren hatte ihm höchsten Ruhm eingebracht. Nun sollte er 280 Schiffe in die Schlacht um Europa führen. Seine Erinnerung an jene Schicksalstage offenbarte er später in einem Brief. "Sie gingen alle mit größtem Verlangen zu kämpfen. Obwohl man glaubte, dass die feindliche Flotte viel größer war als die unsere. Die Feinde waren gewöhnt, dauernd zu siegen und schätzten unsere Kraft gering aufgrund der Erfolge, die sie in der Vergangenheit erzielt hatten."

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