Protokoll des Chats mit Dr. Michael Schmauder

Fragen und Antworten zum Thema Hunnen

Im Anschluss an die Sendung "Der Hunnensturm" konnten die Zuschauer mit dem Bonner Archäologen Doktor Michael Schmauder chatten. Hier finden Sie ausgewählte Fragen und Antworten zum Thema.

Abstammung - Verwandtschaft - Geschichte


Frage: Stimmt es, dass die Türken von den Hunnen abstammen?

Michael Schmauder: Die Türken stammen nicht von den Hunnen ab. Die Turkvölker traten erst am Ende des 6. Jahrhunderts auf. Die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide Reitervölker waren.


Frage: Warum können Sie mit solcher Sicherheit sagen, dass die Türken und Hunnen nicht verwandt sind? Ich habe einige mal gelesen, dass eine Verwandtschaft vorliegt; bzw. dass sie gar gleich seien. Kann es sein, dass im hunnischen Völkergemisch auch turksprachige Stämme vorhanden gewesen sind? Attila ist bei den Türken bis heute beispielsweise ein gängiger Name.

Michael Schmauder: Gleich sind sie auf keinen Fall. Das, was die Sprachwissenschaftler über die Sprache der Hunnen aussagen, gehört sie nicht zu den Turksprachen. Also eine grundsätzliche Verwandtschaft hat es sicher nicht geben. Den Gebrauch des Namens Attila würde ich eher im Zuge der Ausbildung der Nationalstaaten (19. Jahrhundert) suchen. Allerdings bin ich da kein Experte. Der Kern der Turkvölker stammt jedenfalls aus der innerasiatischen Steppe. Die eigentlichen Hunnen formieren sich im nördlichen Kaukasusbereich zusammen mit Alanen, Goten etc.


Frage: Sind die Mongolen eigentlich die Nachfahren der Hunnen? Besteht zumindest eine Verwandtschaft zwischen beiden Völkern?

Michael Schmauder: Es gibt tatsächlich eine archäologische Verbindung zwischen Hunnen und Mongolen. Allerdings liegen immerhin 500 Jahre zwischen den Völkern. Von einer wirklichen Verwandtschaft zwischen den Völkern kann man jedoch kaum sprechen. Zum einen liegen viele Jahrhunderte zwischen den verschiedenen Völkern und zum anderen riesige räumliche Entfernungen.


Frage: Wer sind die heutigen Nachfahren der Hunnen? In welchen Völkern sind sie "aufgegangen"?

Michael Schmauder: Das mit den Nachfahren ist eine ganze schwere Sache. Wir wissen, dass es die Hunnen wohl noch bis ins 6. Jahrhundert hinein gab. Sicher sind sie in anderen Reitervölkern, wie z. B. den Bulgaren aufgegangen.


Frage: Gibt es nachweislich Nachfahren der Hunnen? Etwa die Ungarn?

Michael Schmauder: Die Ungarn haben mit den Hunnen nichts gemein. Sie gehören zu den finno-ugurischen Völkern. Sind also eher noch mit den Finnen verwandt


Frage: Wie wahrscheinlich ist eine Verwandtschaft der Hunnen mit den Skythen?

Michael Schmauder: Mit den "echten" Skythen der Zeit Herodots gibt es sicher keine unmittelbare Verwandtschaft, aber die antiken Geschichtsschreiber nehmen da keine exakte Unterscheidung vor. So wurden auch die Hunnen immer wieder als Skythen bezeichnet, weil der Begriff für Reitervölker an sich verwendet wurde.


Frage: Wieso haben einige Germanenstämme den Hunnen zur Seite gestanden, obwohl sie wohl auch ihre Völker überfallen und geplündert haben?

Michael Schmauder: Nur aus unser heutigen Sicht sind die Germanen eine Einheit. In Wirklichkeit waren sie das nie. Sie haben sich nie als solche gesehen. Deshalb gab es hier auch kein grundsätzliches Problem.


Frage: Endet die Geschichte der Hunnen mit dem Tode Attilas?

Michael Schmauder: Man kann die Geschichte der Hunnen noch etwa hundert Jahre nach seinem Ableben weiterverfolgen. Zunächst gab es sie noch in Südosteuropa und dann in den Steppenregionen der nördlichen Schwarzmeerküste.


Frage: War es der Machthunger, der den Untergang der Hunnen besiegelte? D.h.; gab es einen Zeitpunkt, zu dem sich die Hunnen möglicherweise in Frieden in Osteuropa hätten niederlassen können, oder zumindest ungestört hätten abziehen können?

Michael Schmauder: Nein, wohl kaum. Sie waren ein steppennomadisches Volk und hatten offensichtlich kein wirkliches Interesse, sich dauerhaft niederzulassen. Sicher war die Notwendigkeit des militärischen Erfolges - um die unterworfenen Völker an sich binden zu können - irgendwann ausschlaggebend für ihr Scheitern.

Kultur und Lebensweise der Hunnen


Frage: Was war typisch für die Ausstattung eines Hunnengrabes?

Michael Schmauder: Für Bestattungen reicher Hunnen waren die so genannten Totenopfer charakteristisch. Sie bestanden etwa aus Waffen und Pferdegeschirr.


Frage: Gibt es hunnische Gräberfelder, bzw. wo sind die Gräber der Hunnen?

Michael Schmauder: Hunnische Gräberfelder gibt es nicht. Tatsächlich hat die Wissenschaft keine Erkenntnisse über die Bestattungen der einfachen Bevölkerung. Eigentlich kennen wir bislang lediglich die erwähnten Totenopfer.


Frage: Gab es für die Hunnen eigentlich Götter und kann man sie einer Religion zuordnen?

Michael Schmauder: Die Hunnen hatten zweifellos Götter. Sie verehrten z.B. einen Gott des Krieges. Es gab auch hexenartige Gestalten. Genaueres kann man wiederum bei Franz Altheim, ("Geschichte der Hunnen") nachgelesen werden.


Frage: Welche Rolle spielten die Frauen im Leben der Hunnen? Gab es beispielsweise auch weibliche Krieger?

Michael Schmauder: Von weiblichen Kriegern wissen wir nichts. Die Frauen waren geachtet. Dies wird in der Schilderung des römischen Gesandten Priskos am Hofe Attilas sehr deutlich.


Frage: Wie viele Einwohner hatte ein kleines Dorf etwa?

Michael Schmauder: Die hunnischen Dörfer waren sicher eher eine Anzahl von Jurten, deren Zahl natürlich ganz stark und ganz schnell schwanken konnte.


Frage: Konnten die Hunnen Bier brauen oder Schnaps brennen? Benutzten sie andere berauschende Mittel?

Michael Schmauder: Da bin ich überfragt, aber wir wissen von ausgedehnten Trinkgelagen und zweifellos dürfte dabei vergorene Stutenmilch eine erhebliche Rolle gespielt haben, wie sie bei allen Steppenvölkern bekannt ist.


Frage: Was weiß man über die Sprache der Hunnen? Der Name "Attila" ist ja gotischer Herkunft.

Michael Schmauder: Stimmt. "Attila" ist kein hunnischer Name. Über die Sprache ist wenig bekannt . Genaueres kann man bei Franz Altheim, Geschichte der Hunnen, nachlesen


Frage: Hatten die Hunnen eigentlich eine eigene Schrift?

Michael Schmauder: Nein, die Hunnen hatten nach heutigem Forschungsstand keine eigene Schrift.


Frage: Wie war es Attila möglich, über Schriftgelehrte zu verfügen? Es musste sich doch um auswärtig Ausgebildete handeln, da die Hunnen keine Schriftkultur besaßen?

Michael Schmauder: Genau so ist es. Attila hatte Dolmetscher, Schreiber etc. aus dem Römischen Reich, die für ihn arbeiteten (in Griechisch, Latein etc.)


Frage: Sprachen die verschiedenen Völker der Hunnen untereinander Latein oder welche Verkehrssprache wurde verwendet?

Michael Schmauder: Ich glaube, dass es damals unbedingt notwendig war, zahlreiche Sprachen zu sprechen; so wie dies heute noch in Teilen Afrikas der Fall ist, wo es üblich ist, drei -fünf Sprachen zu sprechen. Anzunehmen ist aber, dass Latein eine Art Verkehrssprache war.


Frage: Meines Wissens nach verfügten die Hunnen bereits über ein sehr fortgeschrittenes Runenalphabet, das bis heute teilweise in Ungarn bzw. Transsylvanien verwendet wird. Ist das richtig?

Michael Schmauder: Nein, das Runenalphabet war bei den Goten verbreitet, die allerdings unter hunnische Herrschaft kamen.


Frage: Weiß man, ob die Hunnen neben der Kriegsführung auch auf anderen Gebieten bewandert waren, wie bspw. dem der Mathematik oder der Astronomie?

Michael Schmauder: In diesen Dingen wohl eher nicht, aber man muss sich vor Augen halten, dass sie bestens an eine Lebensweise in einem ziemlich unwirtlichen Raum angepasst waren, was sicher zahlreiche Fertigkeiten erforderte, von denen wir uns heute kaum mehr eine Vorstellung machen können.


Frage: Ist die im Film gezeigte Kleidung der Hunnen geschichtlich überliefert?

Michael Schmauder: Ammian schildert die Kleidung der Hunnen, wenn auch nur im Groben. Pludrige Hosen und ein kaftanähnliches Gewand sowie eine mützenartige Kopfbedeckung gehören dazu.


Frage: Stimmt es, dass die Hunnen in Friedenszeiten sehr freundlich und friedlich ihren Gästen gegenüber waren?

Michael Schmauder: Die Hunnen verhielten sich nicht viel anders als andere Völker. Die Frage könnte man in gleicher Weise zu den Römern stellen.


Frage: Gab es in der Vielvölkergemeinschaft der Hunnen nur die Lust an den Raubzügen als alleinige Gemeinsamkeit, oder gab es noch etwas anderes, z.B. Sprache oder Kultur? Führten die Hunnen auch untereinander Kriege?

Michael Schmauder: Das ist schwierig zu sagen. Wir wissen von den germanischen Völkern, das sie eine Ursprungsüberlieferung besaßen, die wesentlich für ihr Bestehen war. Etwas ähnliches kann auch für die Hunnen vermutet werden. Der Glaube daran war sicher, neben der charismatischen Person Attilas, wesentlich für den Zusammenhalt. Attila hatte die inneren Auseinandersetzung offensichtlich sehr gut im Griff, aber wir wissen von zahlreichen Auseinandersetzungen vor und nach seiner Zeit.

Die Kriege der Hunnen


Frage: Welche anderen Waffen hatten die Hunnen - abgesehen von Bögen und Schwertern?

Michael Schmauder: Das Lasso ist eine der Hauptwaffen der Hunnen gewesen und war im übrigen vielen Völkern bis dato völlig unbekannt.


Frage: Gibt es bildliche Darstellungen von hunnischen Kriegern?

Michael Schmauder: Das wünschen sich alle Archäologen. Leider haben wir keine Bilder!



Frage: Stimmt es, dass der westgotische König Theoderich die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern entschied?

Michael Schmauder: In jedem Fall die westgotischen Krieger, die sicherlich von allen Beteiligten die höchsten Verluste hatte. Ihr Anführer Theoderich starb ja noch auf dem Schlachtfeld.


Frage: Ist die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern archäologisch belegt?

Michael Schmauder: Nein, es gibt keine Funde dazu.


Frage: Verließen Attila nicht schon nach der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern die ersten Verbündeten?

Michael Schmauder: Attila hatte stets das Problem, dass sich Krieger ins Römische Reich absetzten. Sicher wird sich dieser Trend nach der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern verstärkt haben.


Frage: Fand außer der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern eigentlich noch ein größeres Treffen zwischen Römern und Hunnen statt? Woher kam der Mythos der Unbesiegbarkeit Attilas?

Michael Schmauder: Nein, eine vergleichbare Schlacht gab es nicht, aber noch zahlreiche militärische Konflikte. Der Mythos ist mehr eine Erfindung der Moderne als der Antike.


Frage: Mich hat während der Reportage die Betonung der neuartigen Kampfesweise überrascht. Ich war der Meinung, Bogenschützen zu Pferd (auch mit Rückwärtsschuss) hätten bereits die Skythen (oder auch die Parther?) ausgezeichnet.

Michael Schmauder: Das stimmt. Skythen und Parther haben ähnlich gekämpft, aber in dieser Perfektion - unter Verwendung des Reflexbogens - nur die Hunnen.


Frage: Kämpfte Attila auch gegen China?

Michael Schmauder: Nein, gegen China nicht; aber bis in den vorderen Kaukasus und bis ins nördliche Persien hinein erstreckte sich sein Angriffsgebiet.


Frage: Wie viele Soldaten zählte das Heer Attilas?

Michael Schmauder: Eine ganz schwere Frage; aber ich vermute, dass er sicher zwischen 50.000-70.000 Krieger mobilisieren konnte.


Frage: Sind die Hunnen mit Sack und Pack (Familien etc.) durch Europa gezogen oder waren nur die berittenen Krieger unterwegs?

Michael Schmauder: Also bei den Zügen nach Westen (Gallien) oder Süden (Italien) waren sicher nur Krieger mit einem Tross unterwegs. Sicherlich verblieben viele Frauen, Kinder und Alte in Ungarn.


Frage: Wie schützten die Hunnen die daheimgebliebenen Frauen, Kinder und Alten?

Michael Schmauder: Sicherlich verblieben ausreichend Truppen dort. Zumal die Züge nach Westen ja nicht die einzigen Aktionen der Hunnen waren. Auch im Osten gab es Kämpfe, z. B. mit den Sassaniden im heutigen Persien.


Frage: Wie wurde der Krieg der Hunnen finanziert?

Michael Schmauder: Im Wesentlichen durch das Geld, das man von den Römer erhielt.


Frage: Wie wurde die Beute von den Raubzügen unter den Hunnen aufgeteilt? Nach dem jeweiligen Rang der Kämpfer?

Michael Schmauder: Ja, mit Sicherheit. Das ganze Herrschaftsgebilde Attilas beruhte auf einer genauen Abstufung mit festgelegten Pflichten, Rechten und Ritualen.


Frage: Wie haben die Hunnen bei ihren Beutezügen den Nachschub (Pferde, Waffen, Nahrung) gesichert?

Michael Schmauder: Über diese Frage können wir nur spekulieren. Allerdings waren sie aufgrund ihrer Erfahrung in den riesigen Steppengebieten in dieser Hinsicht sicher bestens trainiert. Die logistischen Fähigkeiten zeigen deutlich, dass sie keine dumpfen Schlächter waren.


Frage: Wieso haben einige Germanenstämme den Hunnen zur Seite gestanden, obwohl sie wohl auch ihre Völker überfallen und geplündert haben?

Michael Schmauder: Nur aus unser heutigen Sicht sind "DIE" Germanen eine Einheit. In Wirklichkeit waren sie das nie. Sie haben sich nie als solche gesehen. Deshalb gab es hier auch kein grundsätzliches Problem.


Frage: Wie ist es den Hunnen nach der Niederlage gelungen nach Italien zu ziehen?

Michael Schmauder: Das Heer wurde ja nicht wirklich geschlagen. Es gab zwar Verluste, aber keine Zerschlagung. Insofern war es Attila möglich, schon nach kürzester Zeit wieder eine militärische Operation vorzunehmen.


Frage: Wurde Venedig als Zufluchtsort vor den Hunnen gebaut? Michael Schmauder: Nein, Ravenna war der gesicherte Ort.

Attila, der Hunnenkönig


Frage: Wurde Attila schon zu Lebzeiten "Etzel" genannt, oder stammt diese Bezeichnung aus dem hohen Mittelalter; aus dem Nibelungenlied?

Michael Schmauder: Die Bezeichnung "Etzel" stammt aus dem hohen Mittelalter und hängt mit der Niederschrift des Nibelungenliedes zusammen. "Etzel" und "Attila" stehen also für dieselbe Person.


Frage: Die Legende besagt ja, Attila habe 11.000 Jungfrauen in der Nähe von Köln niedergemetzelt. Wurde dies wissenschaftlich bewiesen?

Michael Schmauder: Nein. Die Sache mit den 11.000 Jungfrauen ist sicherlich eine der vielen Sagen um die Hunnen, welche der Kirche sehr gelegen kamen.


Frage: Das Resümee der ansonsten sehr guten Sendung, Attila sei der erste Herrscher gewesen, der ein Reich aufbaute, in dem viele Völker gemeinsam lebten, ist nicht richtig. Oder?

Michael Schmauder: Sie haben völlig Recht. Natürlich gab es schon vor Attila andere Vielvölkerstaaten. Der Erfolgreichste war sicher das Römische Reich.


Frage: Wie ist es Attila gelungen, verschiedene Völker unter seiner Herrschaft zusammenzuführen?

Michael Schmauder: Natürlich zum einen durch die militärische Überlegenheit der Hunnen; zum anderen dadurch, dass er es geschickt verstand, Führungspersönlichkeiten an sich zu binden (insbesondere durch üppige Geldgeschenke).


Frage: Wie war es Attila möglich, eine germanische Prinzessin zu heiraten?

Michael Schmauder: Das war kein Problem, da er ja zahlreiche germanische Könige unter seine Herrschaft gebracht hatte.


Frage: Attila ist angeblich ca. 400 n.Chr geboren worden. Stimmt das? Michael Schmauder: Ja, man nimmt an, dass Attila bei seinem Tod ungefähr 50 Jahre alt war.


Frage: Stimmt es, dass Attila an einem Blutsturz starb? Ist bekannt, wo er begraben wurde?

Michael Schmauder: Ersteres ist nicht bewiesen, aber es wird so überliefert. Er ist auf jeden Fall sehr plötzlich gestorben, so dass es durchaus sein kann, dass er einen Blutsturz hatte. Wo er begraben liegt, wüsste ich selbst gerne!


Frage: Ist die Begegnung mit Papst Leo bei Modena historisch exakt belegt? Warum hält sich bis heute die Legende vom Treffen vor den Toren Roms?

Michael Schmauder: Aus Sicht der Kirche ist ein Treffen vor Rom natürlich "publikumswirksamer" als ein Treffen bei Attilas Rückzug in Norditalien.


Frage: Hat sich Attila durch den Papst einschüchtern lassen oder war er nur auf das Geld aus?

Michael Schmauder: Attila war ja bereits auf dem Rückweg. Leo sah eine günstige Gelegenheit Geiseln freizukaufen, weil deren Verschleppung ja auch Probleme mit sich brachte. Das Geld war also eher ausschlaggebend.


Frage: Wo wird das noch unentdeckte Grab Attilas vermutet?

Michael Schmauder: Irgendwo in der ungarischen Tiefebene. Manche Forscher dachten, dass der Fund von Szeged-Nagyszeksos das Grab Attilas sei, aber dafür gibt es keinen Beleg.


Frage: Wie häufig hielt sich Attila am eigenen festen Hof auf?

Michael Schmauder: Das wissen wir nicht, aber angesichts der zahlreichen, oft Monate dauernden Kriegszüge wird er nicht häufig "zuhause" gewesen sein. Allerdings dürfte er den Großteil seines Hofes ohnehin mitgenommen haben.


Frage: Gab es irgendwelche Attentate auf Attila aus seinen eigenen Reihen? Wenn ja, wie gingen sie aus / wieso überlebte Attila; wenn nein, wie konnte Attila dies unterbinden / die Moral seiner Krieger aufrechterhalten? Michael Schmauder: Priskos, der römische Gesandte, berichtet von der Planung eines Attentats, dass allerdings aufflog. Es war sicher nicht das einzige. Zweifellos überlebte Attila, weil er eine sehr treue Anhängerschaft besaß, die auf seine Person eingeschworen war.


Frage: Gab es neben Attila noch andere große Hunnenführer in der Geschichte? Michael Schmauder: Es gab niemanden, der auch nur annähernd eine ähnliche Machtfülle erreichte. Bis zu seiner Ermordung durch Attila war sein Bruder Bleda aber ebenfalls ausgesprochen erfolgreich.


Frage: Hatte Attila für den Fall seines Todes Vorkehrungen für seine Völkergemeinschaft getroffen?

Michael Schmauder: Nein, das war das große Problem. Alle waren auf Attila eingeschworen. Als dieser starb, waren diese Bindungen hinfällig und es kam zur offenen Rebellion.


Frage: Musste seine germanische Frau mit Attila sterben und wurde mit ihm bestattet? Michael Schmauder: Davon ist nichts überliefert. Frage: Kämpfte Attila stets an vorderster Front? Michael Schmauder: Das ist anzunehmen. Bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, so heißt es, hatte er sich vorsichtshalber schon einen Scheiterhaufen aus Satteln aufschichten lassen. Er muss also mitgekämpft haben.

Verschiedenes


Frage: Wo vermutet man die hölzerne Residenz Attilas? Oder haben Archäologen Überbleibsel dieser Stadt bereits entdecken können?

Michael Schmauder: Attilas Residenz befand sich wahrscheinlich in Südungarn; irgendwo zwischen Donau und Theiß. Genauere Hinweise gibt es leider bislang keine.


Frage: Gibt es hunnische Gräberfelder, bzw. wo sind die Gräber der Hunnen?

Michael Schmauder: Hunnische Gräberfelder gibt es nicht. Tatsächlich hat die Wissenschaft keine Erkenntnisse über die Bestattungen der einfachen Bevölkerung. Eigentlich kennen wir bislang lediglich die so genannten Totenopfer für vermögende Hunnen. Sie bestanden meist aus Waffen und Pferdegeschirren.


Frage: Wo liegen die wichtigsten Fundstücke für hunnische Relikte? Wo kann man sich diese Funde anschauen? Michael Schmauder: Die wichtigsten Fundstellen liegen fast ausnahmslos in Ungarn. Dementsprechend gibt es viele Dinge im Ungarischen Nationalmuseum, in Szeged, Györ und Pecs zu sehen. Da Ungarn nicht allzu groß ist, kann man sich diese Dinge bei einem Kurzurlaub wunderbar ansehen.


Frage: Wie viele dieser Schwertamulette wurden gefunden ?

Michael Schmauder: Von den Schwertperlen gibt es mittlerweile mehrere hundert Stück.


Frage: Wie viele Mitglieder zählte das Volk der Hunnen?

Michael Schmauder: Das ist eine sehr schwere Frage. Schätzungen von Bevölkerungszahlen in der Antike und gerade bei den barbarischen Völkern sind ausgesprochen schwierig. Man kann aber davon ausgehen, dass die Hunnen insgesamt (mit allen, die sich um ihren "Kern" gruppierten) mehrere hunderttausend Personen umfasst haben dürften.


Frage: Warum sagte man in der Sendung, dass sich die Hunnen nach Ungarn zurückzogen ?

Michael Schmauder: Weil zu dieser Zeit der Machtschwerpunkt der Hunnen in Ungarn lag.


Frage: Wie gut ist der Zusammenhang zwischen der "Vernichtung" der Burgunder durch Hunnen unter Aetius und dem Nibelungenlied erforscht?

Michael Schmauder: Dieser Zusammenhang ist gerade in den letzen Jahren sehr gut erforscht worden. Zu nennen ist hier vor allem Ian Wood, der sich damit intensiv beschäftigt hat.


Frage: Was wurde aus Aetius?

Michael Schmauder: Aetius endete wie viele verdiente römische Feldherren, wenn sie mächtig wurden. Sie fielen in Ungnade oder wurden ermordet.


Frage: Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Nibelungen und Attila? Basiert dieser nur auf Sagen oder gibt es einen geschichtlichen Hintergrund? Welche archäologischen Beweise gibt es für den Wahrheitsgehalt der Nibelungensage?

Michael Schmauder: Es besteht ein enger Zusammenhang. Die geschichtlichen Abläufe der Mitte des 5. Jahrhunderts dienen als direkte Grundlage für das Nibelungenlied.


Frage: Mit welchen Völkern unterhielten die Hunnen ausgeprägtere Handelsbeziehungen? Michael Schmauder: Handelsbeziehungen lagen eher weniger im Interesse der Hunnen, aber wir wissen, dass Attila offenen Zugang zu den Märkten entlang der Donaugrenze des Römischen Reiches forderte.


Frage: Stimmt es, dass Hunnen mandelförmige Augen hatten? Michael Schmauder: Nein, "die Hunnen" als ein biologisches Volk hat es nie geben und somit gibt auch keine typischen körperlichen Merkmale.


Frage: Wie richtig oder falsch ist folgende Aussage: Die Besiedlung/Landnahme durch germanische Stämme nach Osten wurde durch den Hunneneinbruch im Jahre 375 gestoppt und löste die Völkerwanderung nach Westen, also ins römisch besetzte Germanien aus, was schlussendlich auch mitverantwortlich für den Niedergang des Römischen Reiches war. Michael Schmauder: Ein Stopp der Landnahme fand nicht statt. Die Räume waren schon länger durch Germanen besiedelt, die ihr Siedlungsgebiet nicht mehr weiter nach Osten ausdehnten. Es kommt aber dort durch den Hunneneinfall zum fast völligen Erlöschen der germanischen Besiedlung (außer auf der Krim). Zweifellos wurde durch den Vorstoß die Völkerwanderung ausgelöst mit all ihren Folgen. Allerdings hatte keines der germanischen Völker ein Interesse am Niedergang des Römischen Reiches.


Frage: Wer war "Galla Placidia"? Michael Schmauder: "Galla Placidia" war die Tochter Theodosius I.


Frage: Könnten Sie mir ein Buch über die Hunnen empfehlen? Eines, das nicht zu lang ist und auch Abbildungen enthält?

Michael Schmauder: Es gibt ein sehr gutes Buch von Walter Pohl zur Völkerwanderung. Es enthält auch eine ausführliche Darstellung des Hunnenvolkes. Ich selbst habe ein Buch geschrieben, das in der Reihe "Was - ist - was?" erschienen ist.

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