Provinzattraktion in Frankreich

Erstes dokumentiertes Erscheinen des Turiner Grabtuches

Im Jahr 1307 wird in Frankreich den Templern wegen Ketzerei der Prozess gemacht. In einer Massenexekution werden sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Unter ihnen auch der ranghohe Templer Geoffrey de Charny.

50 Jahre später ist es ein Ritter gleichen Namens, der in Frankreich als erster beurkundeter Besitzer des heutigen Turiner Grabtuchs bekannt wird. Ein Zufall?

Dokumentierte Geschichte beginnt

Wie er zu dem Leinen mit dem Jesusbild kam, ist ungeklärt. Auch lässt sich eine verwandtschaftliche Beziehung zu dem gleichnamigen Templer nicht nachweisen. De Charny selbst hüllt sich in Schweigen. Mit ihm aber beginnt im Mittelalter die dokumentierte Geschichte des Turiner Grabtuchs - als Provinzattraktion in dem unscheinbaren Dorf Lirey in Frankreich.


Die Identität mit dem in Edessa, Konstantinopel und Athen historisch verbürgten Jesustuch kann sein Besitzer nicht nachweisen. Dennoch lässt de Charny in einer kleinen Kirche seiner Heimat das Tuch als das Grabtuch Christi ausstellen. Es entwickelt sich zum einträglichen Geschäft mit dem Glauben. Pilgermedaillen werden geprägt, Wundertaten behauptet.

Täuschung der Gläubigen



Die eigenmächtige Deklaration des Stoffes als Grabtuch Christi und der Publikumsandrang alarmieren bald die kirchlichen Behörden. Es kommt zum Eklat. Nach eingehender Beratung der Theologen wird das Grabtuch zur Fälschung erklärt. Das Spektakel von Lirey sei eine Täuschung der Gläubigen. Die weitere Zurschaustellung des Leinens wird verboten.

Kaum aufgetaucht, ist das Tuch von mysteriöser Herkunft zum Politikum geworden. Es kommt unter Verschluss. Als es 35 Jahre später trotz des Verbots erneut ausgestellt wird, soll ein bischöflicher Appell an den Papst endgültig für ein Machtwort sorgen. Der Brief an Papst Clemens VII. ist bis heute ein zentrales Dokument in der Geschichte des Turiner Grabtuchs. Wieder ist von Fälschung die Rede.

"Mit Schlauheit gemalt"



Bischöflicher Appell an den Papst: "Die Sache, Heiliger Vater, verhält sich so. Der Dekan von Lirey hat, von Habsucht verzehrt, ein mit Schlauheit gemaltes Grabtuch angeschafft, wobei er mit Vorsatz fälschlich erklärt und vorgibt, dies sei das wahre und echte Grabtuch unseres Heilands Jesus Christus. Theologen haben glaubhaft versichert, das Tuch könne überhaupt nicht authentisch sein, denn in den Evangelien wird ein solches Abdruckbild gar nicht erwähnt. Das Tuch ist Menschenwerk und nicht wundersam entstanden. So möchte ich Sie, Heiligster Vater, bitten, Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Skandal und Aberglauben und Wahn ein Ende zu bereiten."

Die Haltung Papst Clemens VII. ist eindeutig. Das Tuch ist keine Reliquie. Dennoch gestattet er seine Ausstellung, solange es nicht als das Grabtuch Christi präsentiert wird.

Das Turiner Grabtuch beginnt seinen Weg unter offiziellem Vorbehalt. Es scheint ein Fall für die im Mittelalter übervollen Devotionalienkammern zu sein. Zu keiner Zeit ist es von kirchlicher Seite in den Status einer Reliquie erhoben worden.

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