Pyramidenfeld und Prachtpalast

Weitere Indizien für den göttlichen Status der Amanishakheto

Wie einflussreich die schwarzen Königinnen waren, zeigt das grandiose Pyramidenfeld vier Kilometer östlich von Meroe. Dort ließen sich über Generationen kuschitische Herrscherfamilien bestatten. Ein heiliger Ort, traten doch von dort aus die Gottkönige ihre Reise in die jenseitige Welt an. Ein Totenkult nach dem Vorbild der Pharaonen.

Pyramidenfeld im Sonnenuntergang Quelle: ZDF

Auf zwei langgestreckten Hügeln erheben sich die Überreste der Grabmäler von Königen, Königinnen und Königsmüttern. Vor zwei Jahrtausenden standen auf dem riesigen Areal fast so viele Pyramiden wie in ganz Ägypten. Die Forscher vermuten, dass die Bauwerke einst in leuchtenden Farben strahlten. Die größte Anlage wies 64 Stufen auf und ragte ursprünglich stolze 28 Meter in die Höhe. Königin Amanishakheto gab die Ruhestätte in Auftrag.

Computer-Rekonstruktion Grabmäler Quelle: ZDF

Furcht einflößende Posen

Die Reliefs am Eingang zeigen die Herrscherin in übermenschlicher Größe und Furcht einflößenden Posen. Einmal führt sie niedergeworfene Feinde als Gefangene mit sich, die sie kaltblütig mit dem Speer durchbohrt. Das zweite Bild stellt sie zusätzlich als Bogenschütze dar: die Bewaffnung eines Pharao. Auffallend die langen, krallenartigen Fingernägel, die ägyptische Doppelfederkrone und die Widderhörner, das göttliche Zeichen des Amun.

Wandmalerei Herrscherin mit Bogen Quelle: ZDF

Der sudanesische Archäologe Dr. Khidir befasst sich mit der Datierung der Regierungszeiten kuschitischer Königsdynastien. Die Datierung der meisten Könige und Königinnen ist eine Schätzung. Für Amanishakheto grenzt die Datierung ziemlich dicht an das Jahr des Friedensvertrages von Oktavian. Es könnte gut sein, dass sie die Königin war, die den Vertrag schloss. Zwar hinterließ Amanishakheto Inschriften, aber die Sprache der Kandaken ist noch nicht entschlüsselt.

Beleg für Unsterblichkeit

Stele aus Naga mit Amanishakheto und lokale Göttin Quelle: ZDF

Lesen können die Experten auch, dass die Königin zwei Titel trug: Den der Kandake, der Königsmutter und den Titel des Qore, der das heilige Amt des männlichen Herrschers bezeichnete. Bislang weiß niemand, ob die Frau als gekrönte Gottkönigin oder lediglich als Statthalterin des Throninhabers amtierte. Auf einer Stele aus Naga steht Amanishakheto neben einer lokalen Göttin. Die Himmlische berührt sie am Ellbogen und haucht ihr den Atem ein, sie sehen sich an. Nur der Herrscher oder eben die Herrscherin sind legitimiert auf gemeinsamer Augenhöhe mit den Göttern in Kontankt zu treten. Ein Beleg, dass Amanishakheto zu den Unsterblichen gehörte.

In der Wüste bei Wad Banaga kamen weitere Spuren der großen Königin ans Tageslicht. Unweit der spärlichen Überreste eines Isis-Tempels holten die Archäologen einen weitläufigen, besser erhaltenen riesigen Gebäudekomplex aus dem nubischen Sand. Säulen, farbige Verputzreste, die Vielzahl der Räume, vor allem aber die Namenskartusche der Königin legen den Schluss nahe, dass es sich um einen Palast der Amanishakheto handelt. Das Bauwerk entstand womöglich in der Zeit, als die junge Kleopatra in Ägypten den Thron bestieg. Vielleicht hielt sich auch die Ptolemäerin in der Residenz auf, wenn sie das Südland besuchte. Obwohl die Grabungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, lässt sich die Anlage schon weitgehend rekonstruieren. Das prächtige Gebäude mit zwei Geschossen bot ausreichend Platz für den gesamten Hofstaat.

Rekonstruktion Gebäude bei Wad Banaga Quelle: ZDF

Dependance fernab von Meroe?

Anlass zur Diskussion geben die Mauerreste eines riesigen, kreisrunden Baus, zu dem eine Rampe führt - womöglich ein Getreidesilo. Wofür brauchte die Königin so viel Vorrat, fernab ihrer Residenz Meroe? Vielleicht ließ sie die Anlage als Dependance bauen, um mit ihrem Hofstaat längere Zeit nahe des heiligen Ortes Naga oder zu besonderen Feierlichkeiten im Isis-Tempel zu verweilen.

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