Rätsel der Superlative

Die Cheopspyramide und der Große Sphinx von Gizeh

Sie sind das letzte verbliebene Weltwunder der Antike: die Pyramiden von Gizeh, die in der Zeit des Alten Reiches geschaffen wurden. Die größte von ihnen, das Grabmal des Cheops, war mit 146 Metern jahrtausendelang das höchste Gebäude der Welt. Noch rätseln die Archäologen, welcher Technik sich die alten Ägypter bedienten, um das gewaltige Bauwerk zu errichten.

Pyramdien von Gizeh Quelle: ZDF/Uta von Borries

Ein Knochenjob: Zehntausende von Arbeitern mussten über zwanzig Jahre lang geschuftet haben, bis die Pyramide zu Ehren des Pharaos Cheops vollendet war. Bis zu fünfzig Tonnen schwere Granitblöcke wurden dazu Hunderte von Kilometern flussabwärts verschifft.

Im Dienst des Pharaos

Als Baustoff für die Cheopspyramide setzte man nicht nur auf Kalkstein aus der Nähe des Plateaus von Gizeh, sondern holte auch kostbaren Granit per Lastkahn aus den rund tausend Kilometer nilaufwärts gelegenen Steinbrüchen bei Assuan. Wie es den Architekten und Arbeitern vor 4500 Jahren gelang, aus diesen tonnenschweren Steinquadern Lage um Lage in perfekter Geometrie aufzuschichten, bleibt bis heute ein Mysterium.

Lange waren Forscher überzeugt, dass ein solches Projekt nur mit unzähligen Sklaven zu realisieren war. Jüngere Ausgrabungen zeigen jedoch ein völlig anderes Bild: Man fand in einer alten Bauarbeitersiedlung in der Nähe von Gizeh kleine Kalksteinscherben. Sie liefern interessante Hinweise auf das Leben der einstigen Bewohner. Es handelte sich um gebildete und hochspezialisierte Fachleute, die freiwillig und mit Stolz für ihren Pharao arbeiteten.

Theorien zur Bautechnik

Vom nahen Steinbruch und vom Flusshafen wurden die Steinblöcke wahrscheinlich auf Holzschlitten mit vereinten Kräften zur Baustelle gezogen. Aber wie schafften es die Arbeiter, mehrere Millionen der schweren Steine aufeinanderzuschichten? Kurz vor Vollendung der Cheopspyramide mussten sie dazu mehr als 140 Meter Höhe überwinden. Eine populäre Theorie geht vom Transport der Steinquader über eine lange Rampe aus. Doch bei näherer Betrachtung erscheint dies recht unwahrscheinlich. Legt man nämlich eine gerade noch zu bewältigende Steigung von fünf Prozent zugrunde, hätte die Außenrampe bis zur Spitze drei Kilometer lang sein müssen, wozu man zwei- bis dreimal so viel Material verbraucht hätte wie für die Pyramide selbst.

Manche Experten schlagen daher eine Variante vor: die Kombination aus einer kleinen Außenrampe, auf der man die Sockelsteine bis in circa vierzig Meter Bauhöhe transportierte, und einer Innenrampe für die restliche Höhe. Der innen liegende Tunnel soll kontinuierlich mitgewachsen sein und sich spiralförmig bis zur Spitze gezogen haben. Denkbar ist auch, dass die Menschen Seilaufzüge mit einer Umlenk-Rolle und Gegengewichten einsetzten, um Material direkt entlang der Außenseiten der Pyramide hinaufzuschaffen.

Immer noch bleiben Fragen

Eines der größten Rätsel steckt im Grabkammergewölbe im Inneren der Cheopspyramide. Es ist mit fünfzig Tonnen schweren Deckenplatten belegt. Wie kamen diese an ihren Platz? Es sind Monolithen aus poliertem Rosengranit, die mit höchster Präzision verarbeitet und eingepasst wurden. Die über dem Granitgewölbe liegenden Kammern dienen dazu, den auf der Konstruktion lastenden Druck des Pyramidenmassivs abzufangen.

Sphinx, zwei Pyramiden Quelle: Terranoa

Auf dem Plateau von Gizeh steht seit Tausenden von Jahren eine weitere monumentale Erinnerung an das Alte Reich: der Große Sphinx, ein liegender Löwe mit Menschenkopf. Um die geheimnisvolle, 74 Meter lange Kolossalstatue, die aus dem Felsen gehauen wurde, ranken sich noch immer Legenden. Ist der Sphinx das Abbild des Cheops oder eines anderen Pharaos? War er der Wächter der Toten oder stellt er eine Inkarnation des Sonnengottes dar? Woher hat er seine besondere Gestalt?

Der größte Künstler: die Natur

Einige Forscher vermuten, dass der Stein nicht allein von Menschenhand geformt wurde, sondern auch von Kräften, die die Weiße Wüste in Ägypten schufen. Über Jahrmillionen meißelten Sandstürme hier aus dem weichen Kalksandstein eigentümliche Skulpturen. Ihre Entstehungsgeschichte reicht weit zurück.

Weiße Wüste Totale Quelle: ZDF/Oliver Rötz

Vor 100 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, war dieser Teil des afrikanischen Kontinents vom Ozean bedeckt. Nachdem das Wasser abgeflossen war, erodierten die Kalkfelsen unter dem ewigen Sandstrahl der Wüste zu bizarren Gebilden. So könnte auch der Sphinx von Gizeh durch Verwitterung seine markante Form erhalten haben. Wasser, Eis und Temperaturänderungen nagten an dem imposanten Kalkstein. Stetige Sandwinde schmirgelten an der fantastischen Skulptur.

Frühe Restauratoren

Ließen sich die Ägypter von der Gestalt eines liegenden Löwen inspirieren und vollendeten sie mit ihren Händen das Werk des Windes? Anhand von Farbresten, die noch an der einst bunt bemalten Figur hafteten, rekonstruierten Forscher das 4500 Jahre alte Kunstwerk. Doch schon zu Zeiten des Neuen Reiches war der Sphinx wieder unter Wüstensand begraben. Thutmosis IV, damals Sohn des Pharao, soll um 1400 v. Chr. als Erster den verschütteten Löwenkörper wieder vom Sand befreit haben. Er ließ ihn restaurieren, neu bemalen und stellte ihm eine steinerne Tafel, die berühmte Traumstele, zwischen die mächtigen Pranken. Immer noch sind die Zeugen der Vergangenheit der Erosion durch den Wüstenwind schutzlos ausgeliefert.

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