Rätsel im Sand

Das verschollene Heer

Die Ägypter fürchteten die westliche Wüste als "Reich der Toten". Dennoch mussten Soldaten auf Befehl des Pharao weit in das unwirtliche Gebiet vordringen, als Schutztruppe entlang der offiziellen Karawanenwege. Mehr als 4500 Jahre lag die Geschichte jener Zeit im Dunkeln.

Dem Niemandsland sein Geheimnis zu entlocken, ist für Carlo Bergmann eine Lebensaufgabe. Voller Respekt nennen ihn die Einheimischen den "weißen Beduinen". Der Deutsche wohnt in Köln, aber seine Heimat ist die Wüste.

Abenteurer und Forscher

Auf dem Programm eines interdisziplinären Projekts der Universität Köln stand die Bestandsaufnahme von Bergmanns einzigartigen Funden. Mit umfangreicher Ausrüstung starteten die Archäologen des deutschen Heinrich-Barth-Instituts von Dachla aus in die westliche Wüste. Den genauen Verlauf der Route kannten nur wenige Eingeweihte, denn Plünderer hätten sonst den Forschern zuvor kommen können. An einem Ort mitten im Sandmeer waren die Forscher mit Carlo Bergmann verabredet.

Auf dem Weg dorthin hoffte Bergmann, Indizien für eine berühmte Expedition aufzuspüren. Seit vielen Jahren träumt der Deutsche davon, das Rätsel um das verschollene Heer des Perserkönigs Kambyses zu lösen. Um 525 vor Christus sind 50.000 seiner Soldaten in der unendlichen Weite verschwunden, sagt die Überlieferung. Carlo Bergmann besuchte einen Fundort, den er schon ein Jahr zuvor genauer untersucht hatte. Auf dem Boden verstreut lagen Scherben aus der Perserzeit, wahrscheinlich ein Krugdepot. Hat dort eine Karawane gerastet? Oder gelangten gar die Truppen des Kambyses in die abgelegene Region? Niemand weiß es.

Verheerender Sturm

Der Überlieferung nach sollen die Männer des Königs in der einsamen Gegend von einem verheerenden Sturm überrascht und vom Sand verschluckt worden sein. Das Heer zog von der Oase Kharga in nördliche Richtung nach Siwa. Der Auftrag lautete, den berühmten Orakel-Tempel des Amun zu erobern. Das Ziel aber erreichten die Soldaten nicht. Die riesige Streitmacht ist auf ihrem Weg durch die Wüste gescheitert.

Den Glutofen zu durchqueren, war zu jener Zeit nicht unmöglich. Schon 1900 Jahre zuvor zogen Händler durch das karge Land, allerdings in südwestlicher Richtung, vorbei am Abu Ballas-Berg. Erster Anlaufpunkt für die Wissenschaftler aus Köln war der Meri-Felsen, in der Antike eine wichtige Station auf der langen Karawanenstraße. Von dort aus wollte der Konvoi die Route weiter verfolgen. Die Attraktion des Ortes ist eine 4000 Jahre alte Inschrift. Darin steht: Der Vorsteher Meri sucht Oasenbewohner in der Wüste. Das ist der erste Beleg dafür, dass die alten Ägypter diesen Raum fernab des Niltals, tief in der lebensfeindlichen Wüste nutzten. Wofür, ist unbekannt. Erst vor kurzem haben Forscher die Oasen ins Visier genommen. Doch keiner hat damit gerechnet, sogar mitten im Niemandsland Dokumente aus Stein zu finden.

Kostbarkeiten aus dem Inneren Afrikas

Schon im Alten Reich gaben die Pharaonen große Expeditionen in Auftrag. Die Grabinschrift des Herchuf rühmt die abenteuerlichen Reisen des Provinzfürsten als herausragendes Ereignis. Sie berichtet von 300 mit Gold, Ebenholz, Elfenbein und anderen Kostbarkeiten beladenen Eseln. Die beschwerliche Strecke über Land war neben dem Nil die einzige Möglichkeit, an die begehrten Schätze aus dem Inneren Afrikas zu kommen, vor allem an das glänzende Edelmetall.

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