Rätsel um Königinnenkammer

Seelenschächte oder Verwahrungsort?

Das Grab der Königin wurde 1925 von Georg Reisner nahe der Cheops-Pyramide entdeckt. Das Mysteriöse: Der Sarkophag war leer, alle fantastischen Grabbeigaben jedoch unberührt. Könnte die Mumie auf Befehl ihres Sohnes Cheops nicht in die große Pyramide umgebettet worden sein?

Ein weiteres Rätsel betrifft die Königinnenkammer. Wofür war sie gedacht? Die Herrscherin wurde hier nie beigesetzt. Auch in der Königskammer fand man keine Mumie, nur einen leeren Sarkophag ohne Deckel. Er war in seinen Maßen so groß, dass er gar nicht durch die viel kleineren Gänge passte. Ein Transport des Sarges aber gehörte zur rituellen Bestattung. War also die Königskammer als Grabraum angelegt?

Blockierung auf der gleichen Höhe

Mit dem Rover riskiert man erneut eine spannende Unternehmung. Ziel ist der Nordschacht der Königinnenkammer. Bereiche, die noch keiner gesehen hat. Der Aufstieg verläuft nicht geradlinig, sondern windet sich um die große Galerie. Exakt auf der gleichen Höhe wie auf der Südseite erscheint eine Blockierung: genau wie beim südlichen Pendant mit stiftartigen Kupferobjekten. Was hat diese Symmetrie zu bedeuten? Meist wird ein solches Rätsel erst einmal schnell bautechnisch erklärt. Um das Kammersystem fertig zu stellen, habe man eventuell Lüftungsschächte gebraucht.

Die Blockiersteine befinden sich ungefähr 60 Meter über dem Basisniveau. Horizontal betrachtet, befinden sich die Schachtenden der Königinnenkammer auf Höhe der letzten Ebene über der Grabkammer des Königs. Man verschloss sie zu dem Zeitpunkt, als die Bauarbeiter dabei waren, die Arbeiten am Kammersystem zu beenden. Das klingt plausibel, erklärt aber vieles nicht - wie zum Beispiel die zweite Tür. Die Ägyptologen nehmen weiterhin an, dass die Schächte der Himmelfahrt des Pharaos dienen. Der Südliche weist zu den Planeten, die ihn in seiner Nachtbarke begleiten, der Nördliche zu den Zirkumpolarsternen, wo der König die Tagesbarke besteigt.

Tiefer Glaube als tragende Kraft

Die Entdeckungen des letzten Jahrzehnts lassen die Geschichte des Weltwunders in einem neuen Licht erscheinen. Entstanden ist ein lebendiges Bild der untergegangenen Welt der Pyramidenbauer. Tragende Kraft war tiefster Glaube, die Vision von Unsterblichkeit. Wer Jahrzehnte hier arbeitete, lebte nicht nur von der geistigen Geborgenheit in der Nähe zum Gottkönig. Wer sich in den Dienst des Pharao stellte, bekam alles. Hier wurden keine Sklavenrationen verteilt, sondern olympische Athleten üppig verköstigt. Der größte Lohn aber war, in nie gekannter Gemeinschaft ein solches Meisterwerk zu schaffen.

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