Rätselhafte Knochen

Tauchfahrt in die Vergangenheit - Die Korsaren von Saint-Malo

Um das Schiff zu identifizieren, recherchieren Veyrat und L'Hour in den Archiven. Nach einer Weile stoßen sie auf einen geeigneten Kandidaten: die »Jean Baptiste, cydevant la Faluére«, eine Fregatte, die während ihrer langen Dienstzeit auch zu Expeditionen in Mexiko und Indien war.

Suche nach neuen Hinweisen

Die Jean-Baptiste ist auf dem Rückweg von Neufundland im November 1713 vor Saint-Malo gesunken. Unter den gegebenen Umständen das wahrscheinlichste Schiff, auch wenn die Fundstücke, die auf etwa 1740 datiert wurden, nicht dazu passen. Um ihre Hypothese zu untermauern, suchen Elisabeth Veyrat und Michel L'Hour bei der nächsten Grabungsetappe nach neuen Hinweisen. Sie hoffen, bei der systematischen Freilegung des Wracks endlich ein eindeutiges Indiz zu finden. Eine Datumsangabe oder eine Inschrift. Doch sie finden etwas ganz anderes.

Überbleibsel eines Jungtieres

An einer Stelle, an der inzwischen die Kombüse vermutet wird, liegen mehrere kleine Knochen im Sand. Schon oft haben die Wissenschaftler in Wracks Skelett-Teile gefunden, von Ratten, Schweinen und Hühnern. Meist die Überreste von Mahlzeiten oder von Tieren, die Matrosen heimlich mit an Bord gebracht hatten. Doch diesmal sehen die Knochen anders aus, sie lassen sich nicht auf Anhieb zuordnen. Die beiden Expeditionsleiter schicken die Knochen umgehend ins Naturkundliche Museum nach Paris. Das erste Teil scheint die rechte Seite einer Hüfte zu sein. Offenbar von einem kleinen und nicht besonders alten Tier. Ein seltsamer Knochen, vermutlich aus dem Skelett eines kleinen Fleischfressers. Zur Analyse liegen außerdem drei Schädelfragmente, eine Rippe und ein kleiner Wirbel vor. Die wenigen Knochenstücke bringen die Experten zu der sicheren Erkenntnis, dass sie die Überbleibsel eines Jungtieres vor sich haben.

Halt in Nordafrika oder Gibraltar?

Da es sich wahrscheinlich um ein Tier handelt, das aufrecht ging, vermuten die Forscher einen jungen Affen. Ein Berberaffe scheint ihnen die vielversprechendste Möglichkeit zu sein. Um Gewissheit zu erlangen, vergleichen die Zoologen die Knochen vom Meeresboden mit dem Referenzskelett des Museums. Berberaffen leben hauptsächlich auf der Halbinsel von Gibraltar. Ein Ort, der nicht auf der letzten Route der Jean-Baptiste lag. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, den seltsamen Fund zu erklären: Entweder wurde der Affe an Bord geboren, aber dann hätten die Taucher Überreste seiner Mutter finden müssen. Ein zweites unidentifizierbares Skelett existiert nicht. Oder das Schiff hatte auf seiner letzten Fahrt in Nordafrika oder Gibraltar Halt gemacht.

Zwei Schiffswracks

Erst die stark voneinander abweichenden Datierungen der geborgenen Objekte und nun ein weiterer chronologischer Widerspruch. Michel L'Hour und Elisabeth Veyrat überprüfen daher eine Hypothese, die sie schon seit einer Weile beschäftigt. Vielleicht liegen im Schlammboden vor dem Riff von Natiére nicht eines, sondern zwei Wracks aus unterschiedlichen Epochen. Hierfür werden an 20 verschiedenen Stellen für eine dendrochronologische Analyse Holzproben entnommen. Mit dem Verfahren lassen sich die Jahresringe eines Baumes analysieren. Während des Wachstums bildet sich jedes Jahr ein neuer Ring. Die Dendrochronologie ermöglicht eine Datierung auf das Jahr genau. Das Ergebnis beweist, dass es zwei Wracks sind: zwischen dem Fällen des Holzes für die beiden Schiffe liegen beinahe 60 Jahre. Das erste, im östlichen Teil der Fundstelle, stammt aus dem Jahr 1678. Das im westlichen von 1736. Bei der weiteren Untersuchung des Ausgrabungsortes stoßen die Archäologen außerdem auf Kanonengürtel, jeweils südlich neben den freigelegten Wrackteilen.

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