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Rätselhafte Luxusgruft

Das Geheimnis eines ungewöhnlichen Fundes

Durch Zufall stoßen Archäologen bei Grabungsarbeiten in der alt-ägyptischen Totenstadt Sakkara auf eine geräumige, üppig ausgestattete Gruft. Der Name des Bestatteten ist schnell entziffert: Netjeruemes. Doch seine Funktion zu Lebzeiten bleibt zunächst unbekannt. Die Neugier der Forscher erwacht. Schwierige Ermittlungen beginnen.

Alain Zivie hat den Namen "Netjeruemes" nie zuvor gehört. Er bedeutet: "Der Mann, der von den zwei Göttern geboren ist". Zivie erkennt aus den Hieroglyphen, dass mit den beiden Gottheiten Horus und Seth gemeint sind. Und die Inschriften verraten noch mehr: Netjeruemes konnte schreiben und lesen. Er war gebildet und offenbar sehr wohlhabend. Er muss also eine hohe Position innegehabt haben.

Der Arbeitgeber

Beim Freischaufeln eines Teils der Grabanlage taucht aus dem unterirdischen Dunkel eine kleine Statue auf. Sie stellt einen der größten Regenten der ägyptischen Geschichte dar: Ramses II. Der Herrscher aus der 19. Dynastie saß 66 Jahre auf dem Pharaonen-Thron. Mehr als 90 Kinder soll er gezeugt haben. Seine Leistungen als Bauherr von Luxor, Abu Simbel und anderen Stätten sind legendär. Die Fundsituation deutet darauf hin, dass dieser Titan unter den Königen der Arbeitgeber von Netjeruemes war.

Die Forscher fördern auch einen lebensgroßen steinernen Kuhkopf ans Licht - das Symbol für die Göttin Hathor, die Hüterin der Toten. Der Pharao geleitet den Toten gemeinsam mit Hathor ins Jenseits. Die Vermutung drängt sich auf, der Herrscher habe ein außergewöhnlich enges Verhältnis zu Netjeruemes gehabt, könnte vielleicht sogar in seiner Schuld gestanden haben. Zivie geht der Frage nach.

Der Konflikt

Um dem Geheimnis von Netjeruemes auf die Spur zu kommen, reist Zivie nach Theben. Er hofft, in der ehemaligen Hauptstadt des Pharaonenreiches Hinweise auf die Rolle des rätselhaften Toten im Reich von Ramses II. zu finden. Auf einer der zahlreichen Wand-Inschriften entdeckt der Franzose den Namen. Es handelt sich um einen langen Bericht über den Krieg der Ägypter gegen die Hethiter.

Er hatte mit einem Attentat begonnen. Nach dem Tod Tutanchamuns 1327 v. Chr. wollte seine Witwe einen Sohn des hethitischen Herrschers heiraten. Doch der Prinz wurde bei seiner Ankunft am Nil ermordet. Sein Vater erklärte Ägypten den Krieg. Sethos I. bestieg den Pharaonen-Thron und focht wie sein Sohn und Nachfolger Ramses II. manches Scharmützel mit den anatolischen Feinden aus.

Der Auftrag

Der Konflikt zwischen den beiden Großreichen schwelte jahrzehntelang. Eines Tages führte Ramses II. 20.000 Soldaten Richtung Kadesch. Zwei hethitische Spione lockten den unvorsichtigen Pharao in einen Hinterhalt. Nur dank eines Entsatzheeres konnte der Ägypter der Gefangennahme entgehen. Um Haaresbreite in der Heimat entkommen, münzte Ramses sein Missgeschick in einen grandiosen Sieg um.

Doch in Wahrheit war eine Pattsituation entstanden. Nach einiger Zeit kamen Friedensgespräche in Gang. Mit der Verhandlungsführung war auf ägyptischer Seite offenbar Netjeruemes beauftragt. Der Friedensvertrag wurde in babylonischer und ägyptischer Sprache auf Silbertafeln geschrieben und beiden Staatsführern feierlich überreicht. In dem Dokument geloben Ramses II. und Hattusili III. Freundschaft und gegenseitigen Beistand. Für sein diplomatisches Geschick wurde Netjeruemes vom Pharao fürstlich belohnt, u.a. mit einem luxuriösen Grabmal.

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