Rätselhafter Fremder

Suche nach babylonischem König in Tayma

Seit über zwei Jahrtausenden erzählen sich die Araber eine faszinierende Legende: Die Geschichte von dem mysteriösen Mann aus der Fremde. Ein babylonischer König soll sich mit seinem Gefolge auf den langen Weg durch die Wüste gemacht haben - in das kleine Oasenstädtchen Tayma. Doch was will der Herrscher aus dem Zweistromland fast 1000 Kilometer entfernt?

Babylonischer König in der Wüste Quelle: ZDF

Unbekannte Wüstenwelt

Das unermesslich reiche Babylon ist das politische Machtzentrum des alten Orients. Unter König Nebukadnezar gewinnt die Metropole an Glanz. Er lässt das berühmte Stadttor zu Ehren der Göttin Ischtar errichten, das im Vorderasiatischen Museum in Berlin zu bewundern ist. Was könnte einen babylonischen Herrscher bewegen, seine prunkvolle Residenz zu verlassen - und in eine Wüstenoase im Nichts zu ziehen?


Schon früh faszinierte die Region europäische Entdeckungsreisende. Gegen Ende des 19. Jahrhundert wagt sich der schwäbische Orientforscher Julius Euting in die unbekannte Wüstenwelt der arabischen Halbinsel. 1883 bricht er mit seinem elsässischen Kollegen Charles Huber zu einer zehnmonatigen Expedition auf: Fast 2.500 Kilometer führt ihre Route, vom Mittelmeer durch Nordwest-Arabien bis nach Oberägypten.

Julius Euting Quelle: ZDF

In seinem Tagebuch hält Euting die Eindrücke von der Oasensiedlung Tayma fest - in Texten und Zeichnungen. Ein zentrales Bauwerk fällt ihm besonders ins Auge: Eine riesige Brunnenanlage. Das Wasservorkommen liefert einen ersten Anhaltspunkt für den Wahrheitsgehalt der Legende: Euting und Huber beschrieben Tayma als eine wichtige Station entlang der Weihrauchstraße, einer der ältesten Handelsrouten der Welt. Die Kamel-Karawanen brachten Gewürze, Seide, vor allem aber den begehrten Weihrauch zu den Märkten am Mittelmeer. Das Harz des Weihrauchbaumes diente vielen antiken Kulturen als Duftstoff für religiöse Zeremonien - und als medizinisches Heilmittel. Allein das Römische Reich orderte zeitweilig mehr als 1000 Tonnen des exotischen Rohstoffes jährlich.

Tagebuch Brunnenzeichnung Quelle: ZDF

Wilde Spekulationen

Bereits Jahre zuvor hatte Charles Huber die Region alleine bereist - und dabei in der Nähe von Tayma eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht. Ein Fund, der zu wilden Spekulationen führen und später auf verschlungenen diplomatischen Wegen im Pariser Louvre landen wird. In den Ruinen einer verlassenen Siedlung stößt der Forscher im Jahr 1879 auf einen zerbrochenen Gedenkstein.

Verwitterte aramäische Schrift Quelle: ZDF

Die defekte Stele aus einem Türrahmen berichtet von der Anwesenheit eines mächtigen Staatsmannes. Sein Name ist nicht mehr zu entziffern. Der Text bezieht sich zwar auf eine spätere Periode, doch die verwitterte aramäische Schrift und die seitliche Abbildung einer stehenden Herrscherfigur folgen Prinzipien, die aus dem Zweistromland bekannt sind. Der Fund beweist, dass diese Region schon in babylonischer Zeit im Blickpunkt politischer Interessen stand. 1884 wird Huber von Einheimischen ermordet. Mit der Stele hinterlässt er das erste Indiz auf den rätselhaften Fremden.

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