Ramses Superstar

Geheimnis gelöst, letzte Garantie fehlt aber

Noch immer weiß niemand genau, ob die Mumie tatsächlich der verschollene Pharao ist. Der 3.000 Jahre alte Mann muss sich weitere Untersuchungen gefallen lassen. Eine Computertomographie gewährt den Forschern einen dreidimensionalen Einblick in das Innere des Körpers. Die Sensation ist (nahezu) perfekt!

Das Gehirn wurde mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Nase entfernt - wie im Neuen Reich üblich. Der Schädel ist zum Großteil mit Baumharz gefüllt - in jener Zeit eine seltene Ware im Land am Nil und sehr teuer. Man kann davon ausgehen, dass es eher bei Königen als bei gewöhnlichen Toten verwendet wurde.

Kostbarer Rohstoff

Als nächstes inspizieren die Wissenschaftler den Brustkorb und entdecken dort weitere Mengen des kostbaren Rohstoffes. Deutlich sind mehrere rundliche Fremdkörper zu erkennen. Die röhrenartigen Gebilde hat der deutsche Radiologe Wolfgang Pahl 15 Jahre zuvor als Organpakete gedeutet. Das CT aber macht weitaus präzisere Bilder. Dennoch kommen auch die amerikanischen Kollegen zunächst zum gleichen Schluss wie der deutsche Mediziner Wolfgang Pahl.

Die 3D-Animation räumt zumindest für die Experten letzte Zweifel aus, sie sind davon überzeugt, dass die Mumie Ramses I. ist. Doch bevor das Ergebnis amtlich wird, will Ägyptens oberster Antikenverwalter Zahi Hawass den König mit eigenen Augen sehen. Sein Urteil entscheidet, ob Pharao oder nicht. Der routinierte Archäologe kennt seine Verantwortung. Für sein Land ein Moment von historischer Bedeutung


Die letzte Garantie fehlt

Nach fast 40 Jahren ist das Geheimnis um den alten Ägypter endlich gelöst. Der Tote darf nun offiziell den Titel "Pharao Ramses I." führen, obwohl die letzte Garantie fehlt. Zum ersten Mal auf der langen Odyssee findet die Mumie die Beachtung, die ihr gebührt. 150 Jahre lang lag sie unsachgemäß aufbewahrt und unerkannt im Museum an den Niagara-Fällen, jetzt ist sie ein Superstar. Im Oktober 2003 kommt Ramses auf dem Flug nach Ägypten dem Himmel nah - so wie es ihm die Worte aus den Jenseitsbüchern angekündigt haben: "Ich bin auferstanden aus meinem Grab. Ich fliege, ich steige auf wie ein Falke. Die Götter haben meinen Namen gehört."

Die glückliche Heimkehr des einst verkauften Pharao wird zum Medienereignis und gleicht der Ankunft eines neuzeitlichen Popstars. Doch noch wird die kostbare Fracht aus den USA vor allzu neugierigen Blicken geschützt. Der offizielle Empfang im Ägyptischen Museum trägt Züge eines Staatsaktes. Das traditionsreiche Haus nimmt das Geschenk von den amerikanischen Kollegen gerne an.

Bescheidener Platz

Ramses I. wurde etwa 60 Jahre alt. Wie die Untersuchungen in Atlanta ergeben haben, litt er zuletzt an Arthritis und einer schweren Ohr-Infektion - die möglicherweise auch zum Tod führte. Der 1,65 große Mann, der vom Soldaten zum Beamten und schließlich zum Pharao aufstieg, nimmt in der Geschichte einen eher bescheidenen Platz ein. Doch immerhin hat der erste Ramesside den Amun-Glauben weiter gefestigt. Er stabilisiert das Land und übergibt seinem Erben, dem erstgeborenen Sohn, einen geordneten Regierungsapparat mit loyalen Beamten. Sethos I. dehnt die Grenzen Ägyptens bis nach Syrien aus, unterwirft die Nubier und Hethiter.

Noch mächtiger und bedeutender aber wird sein Sohn: Der ruhmreiche Ramses II. ist ein Pharao, der alle Rekorde bricht und eine der strahlendsten Figuren des Altertums. Kaum jemand regierte so lange wie er. In den 66 Jahren seiner Herrschaft überzieht der König das gesamte Land mit kolossalen Bauwerken. Seine Denkmäler aus Stein machen ihn weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Der Felsentempel von Abu Simbel ist eine einzigartige Demonstration seiner gottgleichen Stellung. Auch der geliebten Gemahlin Nefertari widmet er ein prachtvolles Monument. Nicht umsonst nannte ihn die Welt später "den Großen".

Ewige Ruhe

Im Sinne seines Großvaters führte Ramses II. das Reich zu neuer Blüte und machte sich als - wenn auch nicht immer siegreicher - Kriegsherr einen Namen. In der Schlacht von Kadesch kämpft er gegen die Hethiter und schließt den ersten Friedensvertrag der Menschheitsgeschichte. Ramses I. hingegen wird erst Jahrtausende nach seinem Tod prominent - durch seinen ungewollten Ausflug in die Neue Welt. Bestattet, verkauft, verschollen und wieder heimgekehrt an den Nil - das ungewöhnliche Schicksal eines Pharao. Im Museum von Luxor soll er nun die ewige Ruhe finden, gegenüber dem Tal der Könige - fast in Sichtweite zu seinem einstigen Grab.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet