Raubbau am Kilimandscharo

Einzigartiges Ökosystem

Im heutigen Tansania im Grenzgebiet zu Kenia liegt der wundersame Kilimandscharo. Die Naturschätze des 5895 Meter hohen Vulkans sind bedroht. Dagegen kämpfen der Bayreuther Biologe Andreas Hemp und Christian Lambrechts von den Vereinten Nationen.

Weit über den Wolken sichten die Forscher den Gipfel des höchsten freistehenden Berges der Welt. Ein grandioser Anblick, doch so anders als auf den "Schnee am Kilimandscharo"-Postkarten: kahl, trocken, braun. Neben dem Wald sind besonders die Gletscher gefährdet. Bei minus 15 Grad ideale Sichtbedingungen: kein Schnee verdeckt das immer mehr zurückweichende ewige Eis. Mit Digitalkamera und GPS wird jeder noch vorhandene Meter aufgenommen.

Alarmierendes Datenpaket

Die Computerauswertung erfolgt in Hemps Forschungsstation in Old Moshi am Fuße des Berges. GPS-Flugdaten, Digitalphotos und Notizen ergeben ein alarmierendes Datenpaket: 7000 frisch gefällte Bäume wurden während einer Befliegungskampagne entdeckt. Der Raubbau muss sofort gestoppt werden, wenn man den Wald und seine Funktion als Wasserspeicher für die Zukunft bewahren will. Auf den Satellitenbildern sind die Gefahren für das einzigartige Ökosystem zu erkennen. Besonders deutlich wird das bei der vergleichenden Auswertung der Gletscherbilder. Der Belgier Christian Lambrechts beobachtet dort einen dramatischen Rückgang des "ewigen" Eises: die neueste Bewertung des Zahlenmaterials zeigt, dass die Gletscherkappe extrem linear schrumpft. Man kann davon ausgehen, dass im Jahr 2020 kein Eis mehr auf dem Kilimandscharo sein wird.

In den 20er Jahren nahm ein wagemutiger Schweizer Pilot mit einer dreimotorigen Fokker beinahe die gleiche Flugroute wie gut 80 Jahre später Hemp und Lambrechts. Ein Dokument von schlagender Beweiskraft: damals lag viel mehr Schnee am Kilimandscharo, die Gletscher waren deutlich größer. In weniger als 100 Jahren haben sie 80 Prozent ihrer Fläche verloren. Und allein in den letzten 35 Jahren 17 Meter an Dicke. Die weltweite Klimaveränderung sorgt dafür, dass man in Zukunft nur noch in Filmen den legendären "Schnee am Kilimandscharo" bestaunen kann.

Deutliche Veränderungen

Die Expedition ist ein einzigartiges Forschungsobjekt mit über zehn verschiedenen Vegetationsstufen im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das erste Ziel ist das Msarangatal. In einer Höhe von 1600 Metern wollen sie untersuchen, was von den ursprünglichen Schluchtwäldern noch übrig ist. An jedem Einsatzort macht der Biologe Inventur und prüft ob die Natur noch intakt ist und ob sie wirklich so artenarm ist, wie bisher in der Fachliteratur dargestellt. Kartierungen und Vegetationsuntersuchungen dienen ihm als Grundlage zur Beurteilung des Ökosystems Kilimandscharo. Der Vergleich der jetzigen Pflanzenwelt mit älteren Satellitenbildern zeigt deutlich Veränderungen. Der Wald wird zurückgedrängt.

Die nächste Station ist ein Wassserfall am Talabschluss. Für den Pflanzenphysiologen Andreas Hemp ist die immerfeuchte Flora eine Versuchsanodnung zum Verhältnis von Wasser, Wald und Mensch. Ein Paradies, doch die Menschen rücken immer näher. Vor hundert Jahren zählte man 60.000 Einwohner rund um den Berg. Heute lebt über eine Million an den Hängen des Kilimandscharo. Die Menschen sind auf sein Wasser angewiesen.

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