Rauchsäulen über Europa

Industriestädte verändern den Kontinent nachhaltig

Die neue Wirtschaft in Europa beruht nicht mehr auf Saat und Ernte, sondern auf Bergbau und Technik. Eine Revolution, angetrieben von Dampfmaschinen. Immer schneller kommt sie ins Rollen.

Maschinen diktieren nun den Rhythmus des Lebens, die Bewegungen des Körpers, das Tempo der Produktion.

Brennstoff der Revolution

Massen von Menschen verlassen die ländlichen Gebiete, erfasst von dem Sog neuer Industriestädte rund um die Kohlebergwerke. Neue Transportsysteme verbinden weit auseinander liegende Zentren. Neue Wasserwege laufen von Küste zu Küste. Kohle ist der Brennstoff dieser Revolution. 50 Millionen Tonnen pro Jahr hüllen England Mitte des 19. Jahrhunderts in schwarze Rauchwolken und ersticken die Städte. Diese wuchern in die Breite, wachsen zusammen und verschlingen immer mehr grünes Land.



Die industrielle Revolution beginnt in England, aber in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts stehen die Rauchsäulen über ganz Europa. Hier verfeuern die Hochöfen zunächst noch Holz, vor allem rund um die Alpen. Rücksichtslos werden die noch übriggebliebenen Wälder abgeholzt. Flüsse werden zu gigantischen Förderbändern. Hunderttausende Forstarbeiter liefern Rohmaterial für Holzkohle. Aber letztlich kann nur die energiereichere fossile Kohle die Gier der Hochöfen befriedigen.

Flucht ins Grüne

Um ferne Märkte zu beliefern, braucht Europas Industrie funktionsstarke Transportmittel: riesige Stahlschiffe und ein dichtes Schienennetz. Bald verbinden Zehntausende Kilometer Eisenbahnlinien Bergwerke, Fabriken und Häfen, Städte und Nationen. Zum ersten Mal können Menschen mühelos über lange Strecken reisen. Die Bewohner rußgeschwärzter Städte flüchten ins Grüne. Mit diesen Möglichkeiten wird den Menschen bewusst, was ihnen fehlt: Saubere Luft, Weite und blauer Himmel. Und vielleicht ihre größte Entdeckung: Die Stille unberührter Wildnis.

Seit Menschen den Kontinent besiedeln, haben sie das Hochgebirge gefürchtet und gemieden. Bislang gab es hoch oben nichts zu holen, nun aber strömen Abenteurer, Maler, Dichter, Botaniker, Geologen und die ersten Fotografen zu den Gipfeln. Sie sind die Söhne und Töchter der industriellen Revolution auf der Suche nach Schätzen, die man für Geld nicht kaufen kann.

Schützenswerte Natur

Die grandioseste Entdeckung ist die weite Wildnis mitten im Herzen eines zivilisierten Kontinents. Was diese Menschen von ihren Ausflügen zurückbringen ist eine neue Botschaft: Europas wilde Natur in all ihrer Vielfalt ist kostbar und schützenswert. An der Wende zum 20. Jahrhundert kommt diese Botschaft keinen Augenblick zu früh. Städte und ihre Einwohnerzahlen explodieren, Betonlandschaften ufern aus, neue Technologien verändern Land und Klima.

Vor allen anderen Kontinenten steht Europa an der Wende: von der Ausbeutung der Natur zum Miteinander. Europas Städte werden zu Magneten für Wildtiere. Heute gibt es Wildnis überall in Europa: in den Ballungsräumen und auf altem Kulturland. An den kaum berührten Rändern des Kontinents und im Zentrum. In den Wirtschafts- und Urwäldern ebenso wie in den Bergen. In welche Zukunft sich der Kontinent entwickelt, liegt heute mehr denn je in der Hand der Europäer.

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