Reicher Roter Kontinent

Australien erlebt einen neuen Goldboom

Mit geologischen Kenntnissen lassen sich in Australien viele Zeichen der Vergangenheit erkennen. Manche Böden haben sich seit vielen Millionen Jahren nicht verändert. Hier schlummern Reichtümer aus der Urzeit, die heute begehrter sind denn je.

Kleiner Goldnugget in der Hand eines Hobby-Goldwäschers
Kleiner Goldnugget in der Hand eines Hobby-Goldwäschers Quelle: dpa

Die australische Landmasse ist eine der ältesten der Erde. Durch ihre Lage in einer geologischen Ruhezone, inmitten einer Kontinentalplatte, gut geschützt vor den Unruhen durch Vulkanausbrüche und Erdbeben an den Plattengrenzen, konnten die Böden Australiens teilweise über Milliarden Jahre hinweg uralte Schätze bewahren. In relativ leicht zugänglichen Lagerstätten findet man Eisen, Zink und viele andere wertvolle Rohstoffe - auch den seit Menschengedenken begehrtesten: Gold.

Lohnender Goldabbau

Bei der Förderung des gelben Metalls liegt Australien derzeit weltweit an dritter Stelle, nach Südafrika und den USA. Um Lagerstätten neu zu erschließen, wird nach den Bereichen gesucht, in denen sich das Gold stark angereichert hat. Wo man Golderz vermutet, werden zunächst Probebohrungen durchgeführt. Die Gesteinsproben werden von Geologen ausgewertet. Das Ergebnis bildet die Grundlage für den Abbau des Erzes. Eisenoxide - erkennbar an der rötlichen Farbe - und Quarz in einer bestimmten Kombination sind gute Indikatoren für den möglichen Goldgehalt eines Gesteins.

Aber wie gelangte das Gold Australiens überhaupt in die Reichweite des Menschen? Schwere Elemente wie Zink, Blei und Gold sanken nach der Entstehung der Erde hinab in den Erdkern. Vor ein bis drei Milliarden Jahren stieg Magma aus dem heißen Erdinneren empor und löste das Gold zusammen mit Quarz und anderen Mineralen aus dem Gestein. Diese kleideten die Spalten aus. Durch diese Adern stieg das Gold nach oben.

Goldtagebau in Georgetown, Australien
Goldtagebau in Georgetown, Australien Quelle: ZDF

Australien im Goldfieber

Die Förderung ist arbeits- und energieaufwendig: Um wenige Gramm Gold zu gewinnen, muss tonnenweise Gestein abgebaut, zertrümmert und vorsortiert werden. Aber der Aufwand lohnt sich. Pro Jahr werden in Australien rund 260 Tonnen Gold abgebaut, nur China fördert mehr. Der hohe Goldpreis führt dazu, dass im ganzen Land etliche neue Minen enstehen. Derzeit notiert die Feinunze Gold - etwa 31 Gramm - an den Börsen bei rund 1.700 US-Dollar. Das ist doppelt so viel wie vor vier Jahren.

Bevor man Australiens Vorkommen entdeckte, grassierte schon im Westen der USA ein Goldrausch. Goldsucher aus aller Welt strömten Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kalifornien, um ihr Glück zu versuchen - auch der Australier Edward Hargraves. Er fand selbst zwar kein Edelmetall, aber er machte eine Beobachtung, die Australien verändern sollte. Ihm fiel auf, dass die Gold-Gebiete in Kalifornien seiner Heimat im Osten Australiens sehr ähnlich sehen. Sofort reiste er zurück, um in Australien nach ähnlichen Gebirgsformationen zu suchen. Ein vielversprechendes Indiz, das er aus Kalifornien kannte, waren quarzhaltige Gesteine. Er fand Quarz - und schließlich auch Gold. Als die Zeitungen immer mehr Meldungen von Funden veröffentlichten, strömten die Menschen von überallher nach Australien. Aus der Sträflingskolonie wurde ein attraktives Einwandererland. In nur fünfzig Jahren verzehnfachte sich die Zahl der Einwohner.

Vom Helfer zur Plage

Mit an Bord der Einwandererschiffe waren Kamele. Als Lasttiere halfen sie dabei, auch Gebiete im Outback zu erschließen und den gigantischen Warenstrom zu bewältigen. Nach getaner Arbeit entließen die Goldgräber die Kamele in die Freiheit. An die Folgen dachte man damals nicht: Heute leben mehr als eine Million wilde Kamele in Australien, und ihre Zahl steigt stetig, sodass sie inzwischen zu einer regelrechten Plage geworden sind. Das Problem: Die Kamele fressen zu viel und schädigen dadurch die ohnehin schon karge Vegetation.

eine Herde wilder Kamele im australischen Outback
Eine Herde wilder Kamele im Outback Quelle: dpa

Deshalb versuchen die Australier eine weitere Ausbreitung der Tiere zu verhindern. Sie fangen ihre früheren Helfer in der Wüste ein und sammeln sie in Farmen. Hier entscheidet sich das Schicksal der Kamele. Ab und zu lässt die Regierung Tiere erschießen, Fabrikanten verarbeiten ihr Fleisch zu Wurst oder Burgern. Das kurioseste Geschäft war vor einigen Jahren, Kamele an Saudi-Arabien zu verkaufen. Doch eine dauerhafte Lösung ist noch nicht in Sicht.

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