Reise in die Wirklichkeit

Forschung als Lebensform

Georg Forster ist 17 Jahre alt als eine Weltreise mit dem Entdecker James Cook für ihn zur Schule des Lebens wird. Zurück im durch Kleinstaaterei beengten Deutschen Reich erscheint er Zeitgenossen als strahlende Verkörperung aufgeklärten Denkens und Forschens. In Mainz steht er am Scheideweg, für ihn führt kein Weg zurück.

Georg Forster als Mainzer Revolutionär (Spielszene)
Georg Forster als Mainzer Revolutionär (Spielszene) Quelle: ZDF

Am 26. November 1754 wird Georg Forster in Nassenhuben bei Danzig als Sohn des örtlichen Pastors geboren. Der Vater, Johann Reinhold Forster, überträgt früh die eigene Leidenschaft für Sprachen und Naturwissenschaften auf seinen Sohn. Gemeinsam erkunden beide 1765, im Dienst der russischen Zarin, Katharina II, die Steppenregion am Unterlauf der Wolga, um die Ansiedlungsbedingungen für deutsche Siedler dort zu verbessern. Nach Beendigung der Arbeit übersiedeln Vater und Sohn nach England, die Vorfahren der Forsters stammen aus Schottland. Georgs Mutter und seine Geschwister bleiben zurück in Preußen.

Von England aus in die Welt

Während sein Vater als Lehrer an einem College Anstellung findet, geht Georg Forster bei einem Textilkaufmann in die Lehre. Dem Umzug nach London folgt die Berufung von Vater und Sohn in das wissenschaftliche Begleiterteam, das den Entdecker James Cook auf seiner zweiten Weltumseglung begleiten soll. Am 13. Juli 1772 brechen der 17 jährige Georg Forster und sein Vater mit James Cook auf, zu einer drei Jahre dauernden Reise um die Welt. Ihr Auftrag: Die Suche nach der sagenhaften "terra australis incognita", einem großen, fruchtbaren Land am Südpol. Am 18.1.1773 überquert ihr Schiff als erstes in der Geschichte der Seefahrt den südlichen Polarkreis.

Die Expedition erreicht Neuseeland. Die Begegnung mit der Kultur der Maori beeindruckt Georg Forster tief. Weitere Stationen sind die Osterinseln, die neuen Hebriden, Neukaledonien, Kap Hoorn und Süd Georgien. Die südlichste erreichte Position ist nur 70 Meilen vom antarktischen Festland entfernt. Auf Tahiti und der Vulkaninsel Tanna taucht der junge Forscher ein in die Welt der Insulaner. Er gelangt zu der Erkenntnis, dass Menschen jeglicher Gesellschaftsformen im Prinzip gleich sind. Und dass einem Paradies von seinen Entdeckern die größten Gefahren drohen. Zurück in England wird Georg Forster Mitglied der "Royal Society" in London und veröffentlicht seine Reisebeschreibung: "Reise um die Welt".

Ein deutscher Professor

1778 übernimmt Georg Forster eine Professur in Kassel. In Berlin erscheint der erste Band seiner "Reise um die Welt" in deutscher Ausgabe. Er reist viel, schreibt und knüpft Verbindungen zu Schriftstellern und Denkern seiner Zeit, die wie er den Gedanken der Aufklärung nahe stehen. Freiheitliche Ideen aus Frankreich und Nordamerika sind in den gebildeten Kreisen Europas angesagt. 1780 erscheint auch der zweite Band der "Reise um die Welt". 1783 geht er als Professor nach Wilna, das damals zu Polen gehört. In Göttingen heiratet er 1785 Therese Heyne, die Tochter des berühmten Altphilologen Christian Gottlob Heyne. Auf der Rückreise nach Wilna steht ein Besuch bei Goethe in Weimar auf dem Programm.

Die Lebens und Arbeitsbedingungen in Wilna erweisen sich als hart. Georg Forster kündigt seine Stellung als die Zarin ihm die Leitung einer russische Expedition in die Südsee anträgt. Doch die ehrgeizigen Pläne scheitern 1787 am Ausbruch des "II. Russisch -Türkischen Krieges". Forster kehrt mit seiner Familie nach Deutschland zurück und wird 1788 Bibliothekar in Mainz. In der Professorenschaft der dortigen Universität hat die in allen deutschen Ländern verbreitete Bewegung der "Deutschen Jakobiner" viele Anhänger. Georg Forster veröffentlicht viel. Eine "Geschichte der englischen Literatur 1788 - 1791" und vor allem Berichte über seiner ausgedehnten Reisen mit Alexander von Humboldt an den Niederrhein sowie nach England und Frankreich.

Mainz wird zum Prüfstein

1792 besetzen französische Truppen Mainz. Georg Forster muss sich entscheiden: Seinen Idealen nach zu handeln, oder zurück zu weichen. Er tritt dem örtlichen Jakobinerclub bei und wird Vizepräsident der Verwaltung. Er verfasst Reden und politische Schriften zur Zeitgeschichte. 1793 gehört er zu den Gründungsvätern der Mainzer Republik. Als Abgeordneter im Rheinisch -Deutschen Nationalkonvent wird Georg Forster nach Paris delegiert, um den Anschluss von Mainz an Frankreich zu betreiben. Als preußische Truppen Mainz zurück erobern gilt Forster als Vaterlandsverräter und fällt unter Reichsacht. Er bleibt in Paris, arbeitet unermüdlich, verfasst Schriften zur Revolution in Mainz und über seine Beobachtungen zur Lage in Paris.

Am 10. Januar 1794 stirbt Georg Forster. Kurz darauf erscheint seine Abhandlung: "Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit." Viele Freunde haben sich von ihm abgewandt. Die meisten aufgeklärten Denker in den deutschen Ländern hatten sich begeistert zu den Idealen der französischen Revolution bekannt. Georg Forster gehört den Wenigen, die aufgerufen waren ihre Überzeugung durch konkretes politisches Handeln zu beweisen. Caroline Schelling, die Freundin aus Mainzer Tagen urteilt schon früh über den Mann, den sie geliebt und bewundert hatte: "Dieses Mannes unglückliche Empfänglichkeit und ihr ungroßmütiger Eigennutz verdammen ihn zu ewiger Qual - Guter Forster, geh und klag die Götter an."

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