Reise ins mittlere Sibirien

Zwei deutsche Forscher als Teil der Expedition

Das Akademie-Aufgebot der Großen Nordischen Expedition lag hauptsächlich in den Händen zweier Deutscher: Johann Georg Gmelin und Gerhard Friedrich Müller. Begleitet wurden sie auf der zehn Jahre dauernden Reise durch den achten Kontinent von einem russischen Dolmetscher, der gleichzeitig Notizen von der Expedition anfertigte.

Gmelin und Müller haben wohl kaum geahnt, worauf sie sich eingelassen hatten. Voller Forscherdrang waren sie nach Sibirien gereist und wurden doch auf Schritt und Tritt behindert und beobachtet.

Wöchentliche Rapporte

Ihre wöchentlichen Rapporte erreichten die russische Hauptstadt erst in der korrigierten Fassung ihres Dolmetschers, die von den Beteiligten nur zähneknirschend unterschrieben wurde. Was sonst noch hinzu gefügt wurde, wussten sie glücklicherweise nicht.



Gerhard Friedrich Müller, 1705 in Westfalen geboren, studierte an der Universität Leipzig Literatur und Geschichte. 1725 ging er nach St. Petersburg und war dort an der Akademie als Geschichts- und Lateinlehrer tätig. 1730 wurde er zum Professor ernannt. Im Auftrag der Akademie bereiste er Holland und England. Nach seiner Rückkehr entzweite er sich mit dem Direktor der Akademie und übernahm liebend gern die Leitung der historischen und ethnographischen Arbeitsgruppe der Expedition.

Müller zur Seite stand der Württemberger Johann Georg Gmelin, 1709 geboren und bereits mit 13 Jahren Student an der Universität Tübingen. Mit Auszeichnung beendete er das Studium der Medizin und der Naturwissenschaften. Nach seiner Promotion versuchte er sein Glück in St. Petersburg, wo er als Assistenzprofessor für Naturwissenschaften an die Akademie berufen wurde. Erst 22 Jahre alt, erhielt er den Professorentitel für Chemie und Naturgeschichte. 1732 berwarb er sich für die Teilnahme an der Großen Nordischen Expedition.

Konkrete Aufgaben

Gmelin und Müller, die unabhängig von Berings Männern reisten, hatten auf ihrer Reise ins mittlere Sibirien genügend Gelegenheit, die Schönheiten Sibiriens zu bewundern. Jeder hatte konkrete Aufgaben. Gmelin kümmerte sich um die Flora. Müller um alle geographischen und historischen Besonderheiten. Ganz im Sinne Peters des Großen durften sie vor Ort allerlei Sehens- und Bedenkenswertes kaufen oder eintauschen.

Gmelin und Müller reisten mit ihrer mehrköpfigen, auch militärischen Begleitung auf frühen Kosakenwegen. Sie übernachteten in winzigen Ansiedlungen, ohne jeglichen Komfort. Das Reisen war ebenfalls sehr unkomfortabel, denn an ausgebaute Straßen war damals noch nicht zu denken. Erst nach ihrer Rückkehr begann man mit dem Bau der Sibirischen Poststraße. Eigentlich hätten die beiden Deutschen bis nach Kamtschatka reisen sollen, doch das konnten sie verhindern. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort wurde die Gegend um den Baikalsee. Der Naturforscher Gmelin bekannte, dass er sich erst hier wie in Sibirien gefühlt habe. Probleme bereiteten den beiden Reisenden vor allem die Unterkünfte, nur selten stand ihnen eine eigene Hütte zur Verfügung.

Einmaliges Werk

Bereits während der Reise nutzte Gmelin die eisigen Wintermonate, um an seiner umfangreichen "Flora Sibirica" zu arbeiten. In den Sommermonaten hatte er zahlreiche Notizen gesammelt, die er nun auswertete. Zu seiner Begleitung gehörten auch zwei Maler, die versuchten, in den rußigen Holzstuben, die sie bewohnten, die Farben der sibirischen Pflanzen so naturgetreu wie möglich zu mischen. Ein schwieriges Unterfangen, das den ganzen Ehrgeiz der Illustratoren herausforderte. Und doch entstand ein einmaliges Werk von unschätzbarem Wert, ein Meilenstein für die Erforschung des achten Kontinents.



Gerhard Friedrich Müller aber trug ein sibirisches Wörterbuch zusammen und notierte akribisch alle Ausgaben, die sie unterwegs hatten. Er erkundete die Ufer des Baikalsees, fand heiße Quellen und fertigte eine sehr genaue Karte der "Perle Sibiriens" an. Auch den Flusslauf des Irtysch zeichnete er so präzise, dass er noch Generationen nach ihm Orientierung bot.

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