Rekonstruktion des Grabschatzes

Besuch beim Restaurateur Tichamirov

Der Restaurateur Tichamirov fertigte bei den Grabungen von den schönsten Stücken plastische Formen an. Es sind die einzigen dokumentarischen Beweisstücke für den Goldschatz von Baktrien.

Tichamirov, der in Moskau lebt, ist Goldschmied und Meister seines Fachs. Die alten Formen aus Vinyl, einem plastischen Material, aus dem Schallplatten gepresst wurden, sind inzwischen ausgetrocknet und zerbrochen.

Leere Kassen

Fotos sind die einzige Orientierungshilfe bei dem Puzzle. Fast drei Jahre lang ordnete Tichomirow die Teile immer wieder neu an, ergänzte Fehlendes und fügte die Bruchstücke schließlich mit Spezialkleber aus einem zahntechnischen Labor wieder zusammen. Doch alle Mühe schien vergeblich. Die Museen im postkommunistischen Russland zeigten kein Interesse. Der Grund: leere Kassen. Sarianidi und Tichomirov können aus eigener Tasche nicht einmal das Geld für Abgüsse aus Kupfer zusammenkratzen.

Erst Jahre später kam die Gelegenheit, einen Teil das Goldschatzes wiederauferstehen zu lassen. Im Rahmen der Filmarbeiten für diese Dokumentation stellte das ZDF Mittel zur Verfügung - die Arbeit konnte beginnen. Zunächst einmal mussten die alten, brüchig gewordenen Formen wieder zusammen gesetzt werden. Eine mühevolle Puzzlearbeit. In seinem Labor begann Tichamirov mit dem Grabschmuck von Tillya-tepe. Die geflügelte "baktrische Aphrodite" gilt als Inbegriff gräko-baktrischer Goldkunst. Das Original war - wie auch die anderen Fundstücke - in den Wirren des Afghanistankrieges verschwunden. Dank der Negativform konnte die "baktrische Aphrodite" nun nachgegossen werden.

Das Verfahren

Die Galvanisierwanne wird bis zum Rand mit einer türkisblauen Flüssigkeit gefüllt: Kupfersulfat, fein zerstoßen und in Wasser aufgelöst. Zwei Messingstäbe ragen tief in die Wanne hinein. An dem einen, der Anode, hängt phosphathaltiges Kupfer, am anderen, der Kathode, die geflügelte Göttin. Zunächst als hässliche gekittete Negativform.


Das Verfahren der Elektrolyse beruht auf Ionenwanderung. Sobald die Wanne unter Strom steht, wirkt die Anode als Pluspol. Die negativ geladenen Phosphatteilchen bleiben daran haften. Die positiv geladenen Kupfer-Ionen diffundieren durch die Kupfersulfatlösung, die als Leiter fungiert, zum Minuspol - der Kathode mit dem Abdruck der Göttin. Die Formmasse selbst hat keine eigene elektrische Ladung. Daher hat Tichomirow zuvor mit einem Haarpinsel eine leitfähige Schicht auf ihre Oberfläche aufgetragen. Sie besteht aus Bronzestaub, dem Klebstoffpartikel beigemischt wurden, um die Haftfähigkeit zu vergrößern. Hauchdünn muss sie aufgetragen werden, damit nicht die Feinheiten der Form kaschiert werden.

Meisterhafte Kopien

Bis die kupferne Anahita-Aphrodite ihren alten Glanz erhält, ist es aber noch ein gutes Stück Arbeit. Ohne Pufferschicht würde das rotgoldene Metall oxydieren und der hässliche Grünspan bald die Vergoldung auffressen. Diesmal transportiert die türkisblaue Flüssigkeit Messingpartikel. Eine Nacht muss die Figur aushärten, bis sie vergoldet werden kann. Es sind nur Kopien, aber sie zeigen doch das ganze Können der Meister aus Kuschan.

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