Rekordfahrt zum Meeresgrund

Mit Piccards Druckkapsel im 10.900 Meter tiefen Marianengraben

Die Erforschung der tiefen Ozeane begann erst richtig in den
1950er Jahren, als man Unterwasserkapseln entwickelte, die
dem enormen Druck standhalten konnten. Einer der Pioniere
war der Schweizer Wissenschaftler Auguste Piccard.

Auguste Picard in seiner selbstgebauten Druckkabine Quelle: dpa

Vom Himmel in die Tiefsee

Piccard war das Vorbild für den exzentrischen Professor Bienlein in Hergés Tim- und Struppi-Comics. Piccard wurde in den 1930er Jahren für seine abenteuerlichen Unternehmungen berühmt, als er eine Druckkabine für einen Höhenballon entwickelte und damit auf die zuvor unerreichte Höhe von 23.000 Metern flog, um die Chemie der Atmosphäre zu erforschen und kosmische Strahlung zu messen.
Dann erkannte er, dass die verstärkte Kabine auch dem Druck in der Tiefsee standhalten würde. Er machte sich daran, sie umzubauen, und schuf den Bathyskaph - ein winziges Unterwassergefährt mit Platz für zwei Personen. Zu Ruhm und Ehren kam diese Tiefseetauchkapsel allerdings erst in den 1960er Jahren, als Piccards Sohn Jacques gemeinsam mit dem US-Marineleutnant Don Walsh eine gewagte Tauchfahrt zum Challengertief unternahm, der tiefsten Stelle des Marianengrabens im Westpazifik.

Marianengraben Quelle: ZDF

Diese gewaltige Unterwasserschlucht markiert die Grenze zwischen zwei Platten in der Erdkruste, obwohl das seinerzeit nicht bekannt war, da die Theorie der Plattentektonik erst noch entwickelt werden musste. Der Marianengraben war schlicht ein schwarzes und undurchdringliches Mysterium. Walshs und Piccards Fahrt zum Meeresboden dauerte fast fünf Stunden, und nach halber Strecke spürten sie einen schrecklichen Stoß. Ein lauter Knall hallte durch den Bathyskaph - eines der Fenster war gebrochen. Nachdem sie die Instrumente überprüft hatten, kamen sie aber zu dem Schluss, die Struktur sei noch stark genug, um die Reise fortzusetzen, und so tauchten sie weiter ab.

Schokolade in 10.900 Metern Tiefe

Sie schafften es bis zum Grund - in eine phantastische Tiefe von 10.900 Metern, wodurch sie 2000 Meter weiter vom Meeresspiegel entfernt waren als der Gipfel des Mount Everest. Sie blieben 20 Minuten dort unten, aßen Schokolade, um bei Kräften zu bleiben, und spähten durch die Fenster auf den schlammigen Meeresboden, wo sie ein paar Fische sichteten - was bewies, dass die Tiefsee nicht tot ist. Bis heute ist niemand mehr an den tiefsten Punkt des Ozeans zurückgekehrt.

Heute liefern uns die zahllosen Satelliten, die die Erde umkreisen, ein vollständiges Bild vom Meeresboden, von dem sich vor allem das ungewöhnliche Netzwerk von Unterwasserbergen abhebt - die mittelozeanischen Rücken. Wie Narben ziehen sie sich durch alle fünf Ozeane und bilden eine zusammenhängende Gebirgskette von 60.000 Kilometern Länge. Sie liegt fast komplett unter Wasser, und nur eine Handvoll Inseln - wie die Azoren, Bermuda, Ascension, Tristan da Cunha und Island - bieten einen verlockenden Blick auf ihre Gipfel. Diese Berge stehen auf Plattengrenzen, wo geschmolzenes Gestein durch den Meeresboden nach oben dringt und neuen Ozeanboden bildet, wobei er die Platten auseinanderzwingt.

Ein neues Meer wird entstehen

In der Afar-Senke in Äthiopien können wir diesen Prozess mit eigenen Augen miterleben, denn das Tal ist ein neuer Ozeanboden, der gerade entsteht. Die Erdbeben, welche die Afar-Senke im September 2005 erschütterten, rissen Hunderte von Metern lange Gräben in den Boden, in denen Hirten ihre Ziegen und Kamele verloren, und das Tal sank um bis zu 100 Meter ab. Es liegt schon deutlich unter dem Meeresspiegel, und irgendwann in der nächsten Million von Jahren wird das Rote Meer die Barrieren überwinden und einströmen.

Aber vorher noch, in vielleicht 650.000 Jahren, wird etwas anderes passieren: Die afrikanische Platte, die mit dem enormen Tempo von etwa 2,15 Zentimetern pro Jahr nach Norden wandert, wird an Gibraltar andocken und das Mittelmeer absperren. Die Strömung, von der die Griechen annahmen, sie käme vom Okeanos, kann nicht mehr herein fließen, und das Mittelmeer wird in wenigen Tausend Jahren verdunsten wie auch schon in der Vergangenheit.

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