Relikte der Vergangenheit

Erfolgreiche Schatzsuche, doch eine letzte Frage bleibt

Im Puzzle um die Sao Jose fehlen nach wie vor entscheidende Teile: Von der Reinigung der Münzen erhofft sich Arqueonautas neue Ergebnisse.

Zur wissenschaftlichen Arbeit in Afrika gehört immer auch ein bisschen Improvisation. Eine Chemikalienmischung wird extra aus Deutschland eingeflogen. Nach zwei bis sechs Stunden und je nach Verschmutzungsgrad müssen die alten Geldstücke wieder aus dem Säurebad. Bislang hatte Sandizell Glück - keine einzige Münzprägung datiert aus der Zeit nach 1622 - dem Jahr des Untergangs der Sao José.

Millimeter für Millimeter

Obwohl weder die Analyse des Holzes noch die Seriennummern der Kanonen klare Resultate erbracht haben, konzentrieren sich nun alle Kräfte auf die Vorbereitungen einer umfassenden Bergungsaktion. Langjährige Berufserfahrung und Intuition bestärken Alejandro Mirabal: Im Infusse Riff warten 18.000 Münzen. Sie müssen nur gefunden werden. Der Kubaner plant, das bereits bekannte Suchgebiet Millimeter für Millimeter abzusuchen. Dafür muss er sein Team drastisch aufstocken. Die Jagd nach dem Silberschatz geht weiter.

Nach der Rückkehr zum Infusse Riff gibt es ein erstes Briefing für die Mannschaft. Ihre Erwartungen sind hoch. In der Heckregion des Schiffes befand sich üblicherweise der Hauptladeraum. An dieser Stelle werden sie das Grabungsfeld vorbereiten, das macht die Arbeiten wissenschaftlich nachvollziehbar. Das Debrisfeld misst 20 mal 20 Meter und wird in 16 Felder eingeteilt. Jedes von ihnen ist 25 Quadratmeter groß. Mit Sand und Steinen gefüllte Säcke dienen als Gewichte für die Seile, die das Raster bilden.

Bessere Orientierung

Die Verlegung der Seile nimmt viel Zeit in Anspruch, denn die Markierungen müssen mit dem Kompass genauestens ausgerichtet werden. Die einzelnen Felder dienen später der besseren Orientierung - die Archäologen wollen ein Planquadrat nach dem anderen abarbeiten. Die jeweiligen Funde sollen später katalogisiert werden - mit einer Signatur, die anzeigt, in welchem Feld und an welchem Tag sie entdeckt wurden. Ein Airlifter erleichtert die Arbeit unter Wasser: Ohne das Gerät wäre es extrem schwierig, die obersten Sedimentschichten vom Meeresboden zu lösen - Mit seiner Hilfe können Münzen und andere Artefakte besser erkannt werden.

Für Sandizell und die Männer im Team Arqueonautas wird es Ernst. Es gilt, die 18.000 Silberstücke des Königs zu finden. Aus archäologischer Sicht konnten sie schon einen Teilerfolg verbuchen - jetzt müssen sie beweisen, dass hier unten der Inhalt von mindestens neun Kisten Münzen verstreut liegt. Bedächtig arbeiten sich Sandizell und die anderen Taucher voran. Sie wollen sicher sein, dass ihnen nichts entgeht. Zwischen aufgewirbeltem Sand kommt die erste Hand voll Münzen zum Vorschein. Auch die letzten Skeptiker im Team hören auf zu zweifeln.

Die Euphorie wächst

Nach und nach kommen weitere Relikte der Vergangenheit zum Vorschein: Überreste alter Olivenkrüge erhärten den Verdacht, dass sie wirklich den Hauptladeraum lokalisiert haben. Die Euphorie wächst - erst am Abend spüren die Männer ihre Erschöpfung. Nach nur einer Woche haben sie schon 2500 Münzen aufgelesen - mehr als der Inhalt einer Kiste Silber aus dem Königshaus. Mit jedem Tag gerät die Arbeit mehr und mehr zum Rausch in der Tiefe: 30 Tage Infusse, 429 Tauchgänge, 430 Stunden unter Wasser - ihre Zuversicht war nicht umsonst.



In dem berüchtigten Riff verscholl einst ein immenser Silberschatz - die Expedition hat ihn aus dem Dunkel hervorgeholt. Ein Beweis für die Aktionäre - und ein Beitrag zur Klärung der Vergangenheit. Ohne die akribische Suche von Firmen wie Arqueonautas blieben Güter wie diese für immer verschwunden. Etwas mehr als 20.000 Münzen nach knapp vier Wochen - das übertrifft die kühnsten Erwartungen von Graf Sandizell. Rund 800.000 Euro ist der Fund jetzt schon wert - Ein Erfolg, über den man die Menschen, die das Schiff einst in die Tiefe riss, nicht vergessen sollte.

Letzte Frage bleibt offen

Eine letzte Frage indes bleibt noch offen: Handelt es sich tatsächlich um die Münzen, die Francisco da Gama mit nach Indien nehmen wollte? Die Experten von Arqueonautas sind davon überzeugt - auch wenn es verlässliche Antworten erst ganz zum Schluss geben kann - wenn alle Münzen gereinigt sind und vielleicht noch andere Artefakte zum Vorschein kommen. Solange auf dem Silber 1622 steht, sind Sandizell und seine Leute auf der sicheren Seite.


Die Schätze der Portugiesen - sie sind untergegangen, und mit ihnen das stolze Imperium. Von dort, wo das Land aufhört und das Meer beginnt, zogen die Söhne der iberischen Nation einst aus, neue Welten zu entdecken. An den Küsten Ostafrikas und Arabiens hinterließen sie ihre Spuren auf dem Weg in das Land der Gewürze: Indien. Dorthin will auch die Zanj eines Tages aufbrechen - auf der Suche nach neuen Schätzen aus einer vergangenen Zeit.

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