Reliquien der Kreuzigung

"Titulus" als Teil des Kreuzes unter der Lupe

Der Hunger nach Reliquien von Jesus Christus war besonders im wundergläubigen Mittelalter groß. Von allen Dingen, die er berührt hatte, wollten die Gläubigen möglichst viel sichern. Besonders von dem zentralen Ereignis: der Kreuzigung.

Vom Kreuz, an dem Jesus hing, tauchten im Laufe der Jahrhunderte unzählige Splitter auf. Und mit den Nägeln, die Jesu durch Füsse und Hände getrieben worden sein sollen, steht es genauso. Das Geschäft des frommen Betrugs florierte im Mittelalter. Und jede Menge Nägel und Holzsplitter zu fälschen war nun wirklich kein Problem.

Von der Echtheit überzeugt

Schwieriger wäre es, ein Kreuzesteil zu imitieren: Den so genannten "Titulus", oben am Kreuz, auf dem üblicherweise das Verbrechen eines Todeskandidaten angeben war. Die Bibel beschreibt es sehr genau: Jesus von Nazareth, König der Juden, soll auf dem Schild gestanden haben. Vom Kreuz, das Jesus trug, ist nichts erhalten, was einer strengen wissenschaftlichen Prüfung standhält. Aber römischer Ordnungssinn hat für ein Dokument gesorgt, von dessen Echtheit einige Forscher überzeugt sind.




In der römischen Kirche Santa Croce wird die Holztafel als Reliquie gehütet. Carsten Thiede ist fest davon überzeugt, Beweise gefunden zu haben, dass es sich nicht wie bei den meisten Reliquien, um eine fromme Fälschung handelt. Sowohl die Beschaffenheit des Walnussholzes, als auch die Anordnung des Textes sprechen für die Echtheit des Titulus.

Inschrift mit Fehler

Auf dem Brett ist das Wort "Nazareth" in drei Sprachen eingeritzt. Der Schreiber beging dabei einen Fehler. Er schrieb Latein und Griechisch - wie Hebräisch - von rechts nach links. Ein Fälscher hätte das wohl kaum getan. Der Tag, an dem der unbekannte Schreiber die Inschrift einritzte war der Tag, an dem Jesus starb: Karfreitag. Es war der Tag, an dem eine neue Religion geboren wurde.



Die Bibel, bis dahin die Heilige Schrift der Juden, wurde jetzt mit der Geschichte Jesu fortgeschrieben: Das Neue Testament entstand - und mit ihm ein ganz neuer Glaube. Wer hätte damals vermuten können, dass dieser Glaube einmal zur größten Religion der Welt heranreifen würde?

Beginn einer neuen Weltreligion

Mit dem Tod Christi war auch die Geschichte der Bibel eigentlich zu Ende. Selbst die Jünger Jesu haben das zunächst geglaubt. Aber das Ende ist in der Bibel oft ein Anfang. So war es schon bei Adam und Eva, bei Noah oder bei Moses. Der Tod Jesu war in Wirklichkeit der Beginn einer neuen Weltreligion, der Beginn der 2000-jährigen Geschichte des Christentums.

Bereits vor fast 2000 Jahren wurden die letzten Kapitel der Bibel geschrieben. Aber "ausgelesen" wurde die Bibel bis heute nicht. Immer wieder kann man etwas Neues in den Seiten entdecken. Vielleicht ist die Bibel das einzige Buch, das niemals ein Ende hat.

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