Retterin der Dynastie

Cixi, die Konkubine auf dem Drachenthron

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts droht das gesamte Leben in der Verbotenen Stadt im höfischen Zeremoniell zu ersticken. Jedes Wort und jeder Schritt des Kaisers werden von Beamten am Verhalten seiner Ahnen gemessen. Jede noch so kleine Abweichung wird zum Skandal.

Südlich der Verbotenen Stadt befindet sich die zentrale Kultstätte: der Himmelstempel. Hier demonstrieren die Kaiser in religiösen Ritualen ihren universellen Machtanspruch.

Uralte Zahlensymbolik

Die kreisrunde Terrasse des Himmelsaltars ist nach alter chinesischer Vorstellung nicht nur Mittelpunkt des Reiches, sondern Mittelpunkt der ganzen Welt. Hier halten die Kaiser Zwiegespräch mit ihren göttlichen Ahnen, um im harmonischen Einklang mit dem Kosmos regieren zu können. In dem heiligen Bezirk, dem vollkommensten und großartigsten Werk klassischer chinesischer Baukunst, gehorcht jedes Detail und jeder Stein einer uralten Zahlensymbolik.

In der Halle der Ernteopfer bringen die Kaiser ihren Ahnen im Frühjahr Opfer dar, um für eine gute Ernte zu bitten. Davon hängt alles ab. Grundlage der Wirtschaft ist die florierende Landwirtschaft. Schlechte Ernten, Naturkatastrophen und innere Unruhen wären ein Zeichen dafür, dass der Herrscher das Wohlwollen der himmlischen Ahnen verloren hätte. Ohne deren Unterstützung wäre aber selbst der Kaiser von China machtlos.

Nebenfrau des Kaisers

In der Mitte des 19. Jahrhunderts scheint es, als habe der Kaiser sein himmlisches Mandat verloren. Denn schon seit sechs Jahren wartet der Hof vergeblich auf die Geburt eines Thronfolgers. Dann erbarmt sich der Himmel. An einem Herbstabend im Jahre 1853 begeben sich Hofdamen in der Verbotenen Stadt zum Gemach einer jungen Konkubine. Die Nebenfrau des Kaisers wird auf ihre erste Nacht mit dem Sohn des Himmels vorbereitet. Noch nennt man sie hier nur Yehe Nara, nach dem tapferen mandschurischen Adelsgeschlecht, aus dem sie stammt. Aber bald wird sie sich einen Namen machen, der in die Weltgeschichte eingeht: Cixi, die Konkubine auf dem Drachenthron.


Alles folgt einem strengen, Jahrtausende alten Zeremoniell. Der Obereunuch hat Yehe Nara für diese Nacht mit dem Herrscher ausgesucht. Völlig unbekleidet wird sie in ein Seidentuch gehüllt und zum kaiserlichen Schlafgemach getragen. Ihre Füße dürfen nicht den Boden berühren. Alle Gesten und Worte unterliegen genauesten Vorschriften. Vor allem darf sie eines nicht: dem Himmelssohn ins Gesicht sehen. Yehe Nara tut es dennoch. Der verbotene Blick und diese Nacht werden ihr Leben verändern - und auch die Machtverhältnisse im Reich der Mitte.

Dynastie der Mandschuren

Als Yehe Nara dem Kaiser 1855 einen Sohn schenkt, wird sie zur Retterin der Dynastie der Mandschuren. Die Mandschuren sind eine Volksgruppe aus dem äußersten Norden des Reiches und stellen seit 200 Jahren den Kaiser. Politisch haben sie mit großen Problemen zu kämpfen.

Das größte Bauwerk der Menschheit ist die 5000 Kilometer lange Mauer. Hunderttausende von Menschen haben sie gebaut, Hunderttausende sind für sie gestorben. Man hat diese Mauer auch den "längsten Friedhof der Welt" genannt. Sie erstreckt sich vom Pazifischen Ozean bis zu den Wüsten im Nordwesten. Als Grenze zwischen dem wilden Norden und dem kulturell reichen Süden wird sie zu einem Sinnbild Chinas.

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