Rettung in Konstanz

Konzil auf Intiative von König Sigismund beendet das Schisma

Eine Christenheit und drei Päpste. Welcher ist der richtige Papst? Und wie gelangt der Gläubige zum Seelenheil, das er ohne Kirche und Geistlichkeit nicht erreichen kann? Die katholische Geistlichkeit ohne spirituelle Führung? Keiner von ihnen denkt an Rücktritt. Sechs Jahre lang sollte Gott drei rivalisierende Stellvertreter auf Erden haben.

Münster von Konstanz Quelle: ZDF

Der erste Papst in Rom ist ein Despot. Niemand ist vor ihm sicher. Als er von einem Komplott erfährt, lässt er die Verschwörer hinrichten. Der zweite Papst flieht aus Rom und verlegt seinen Sitz nach Oberitalien. Die Kirchenspaltung, das große Abendländische Schisma, bedeutet mehr als nur den Tiefpunkt des Heiligen Amtes.

Geteiltes Europa

König Sigismund Quelle: ZDF

In Frankreich sorgen die Franzosen dafür, dass ihr Papst nach Frankreich zurückkehrt. Der nur wenige Jahre verwaiste Papstpalast in Avignon wird wieder bezogen. Drei Päpste, von denen keiner an seiner Legitimität zweifelt. Keiner gibt nach, verbissen halten sie an ihren Ämtern fest. Sie beschimpfen, bekämpfen und exkommunizieren sich gegenseitig. Europa ist geteilt nach drei Herrschaftsgebieten der Päpste in Rom, Oberitalien und Avignon.

Rettung kommt mit dem Konzil von Konstanz, die kleine Stadt am Bodensee wird Mittelpunkt der Christenheit. Vier Jahre lang tagt hier ein Völkerkongress, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Fürsten, Kardinäle, Geistliche aus ganz Europa versammeln sich. 30.000 Menschen kommen mit dem Konzil in die Stadt. Delegationen aus Russland, Arabien, bis nach Indien sind vertreten. Die Neuordnung des Papsttums und Europas ist Ziel des Konzils, einberufen von dem deutschen König Sigismund.

Die Stimmung schlägt um

Im Münster von Konstanz finden Gottesdienste und Verhandlungen statt. Die Päpste werden hierher einbestellt. Einzig einer kommt, und das mit der unguten Befürchtung, dass die Sache für ihn schlecht ausgehen wird: Johannes XXIII., Nachfolger von Bologna-Papst Alexander V. Als er befürchtet, verurteilt zu werden und die Stimmung gegen ihn umschlägt, flieht er, als Mönch verkleidet, aus der Stadt und wird wenig später gefangen. Er verliert sein Amt und wird ins Gefängnis gesteckt.

Statue Gregor XII. in der Basilika von Recanati Quelle: ZDF

Mit der Rücktrittserklärung nach einigen Verhandlungen macht es sich der römische Papst, Gregor XII., leichter. Ihn behandelt man mit Respekt und würdevoll. Der Rücktritt wird belohnt, er wird in Ehren entlassen. Noch heute ist die Basilika von Recanati an der adriatischen Küste in Italien eindrucksvolles Zeugnis seiner kirchlichen Autorität. Bis zu seinem Lebensende sollte er an diesem Ort Bischof bleiben.

Festung auf einer Halbinsel bei Valencia Quelle: ZDF

Herrscher ohne Reich

Auf einer Halbinsel bei Valencia hält der französische Papst Benedikt XIII., weiterhin Hof. Er ist der starrsinnigste drei Päpste, er weigert sich als einziger, zurückzutreten. Er hält verbissen an seinem Anspruch fest, rechtmäßiger Papst zu sein, umgeben von vier Kardinälen und einigen Getreuen. Er will Herrscher über Himmel und Erde sein und ist doch nichts als Herrscher über einen kleinen Felsen im Meer.

Zwischen dem Gang nach Canossa und dem Konzil von Konstanz sind 350 Jahre vergangen. Das Duell zwischen Kreuz und Krone ist einem Frieden gewichen, vorerst jedenfalls. Als der neue Papst, Martin V., der am 11. November 1417 in Konstanz bestimmt wurde, in Rom einzieht, hofft die Welt, dass die Zeit der Irrlehren vorbei ist und dass das Christentum, unter Führung seiner zukünftigen Päpste, besseren Zeiten entgegensieht.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet