Revolution im OP

Ayurveda in der Chirurgie

Die Väter des Ayurveda hatten noch einen unverstellten Zugang zu den Geheimnissen der Natur. Doch die indischen Mediziner wollen mit ihrer alten Kunst auch Neuland betreten: Ayurveda in der Chirurgie. Ein OP-Faden wird mit einem Extrakt aus dem Harz des indischen Weihrauchs getränkt. Das Wundermittel soll das Skalpell ersetzen.

Ein Pulvergemisch aus getrockneter Gelbwurz und dem Saft des Wolfsmilchgewächses komplettieren die ayurvedische Innovation. Der chirurgische Faden soll in den OPs Indiens eine Revolution auslösen, wenn es nach seinem Erfinder geht.

Weihrauch statt Skalpell

Dr. Sahu hat sich die Sache mit dem Faden ausgedacht. Anhand von Röntgenbildern erklärt er Hermann Ammon das Prinzip. Der Weihrauchfaden wirkt eiweißlösend, gefäßbildend,antibakteriell und wundheilend. Damit behandelt er Patienten mit Analfistel, einer entzündlichen, schmerzhaften Gangverbindung zwischen Enddarm und Gesäß, die sich durch die Pomuskulatur frisst.

Im Westen werden Analfisteln operativ entfernt. Da in Indien diese unschöne Krankheit weit verbreitet ist, sieht Dr. Sahu gute Chancen für die "natürliche" Methode mit dem Faden. Dieser wird durch den Fistelgang gezogen, wo die Wirkstoffkombination dann in Zentimeterschritten zur Abheilung führt. Über tausend Patienten hat der Ayurveda-Chirug auf diese Weise in kurzer Zeit von ihrem Leid befreit. Ohne Betäubung, die wäre zu teuer.

Im Universitätsgarten von Dr. Dubey bekommt Ammon "die grüne Apotheke" des Ayurveda in Natura zu sehen. Dort werden die heute noch bekannten, zum Teil äußerst seltenen Arten gehegt und gepflegt, wie ein Vermächtnis gehütet.

Überzeugender Erfolg

Gefunden wurde die Substanz Reserpin im Schlangenwurz. In Indien seit Jahrhunderten zur Behandlung von Wahnsinnigen angewandt, entdeckten westliche Pharmazeuten das Reserpin erst vor 50 Jahren zur Therapie der Schizophrenie, mit überragendem Erfolg. Noch spektakulärer ist aber seine Nebenwirkung: Erstmals hatten sie ein effektives Mittel gegen Bluthochdruck in Händen.


Ayurveda, eine Wundermedizin? Hoffnung für Millionen chronisch Kranker auf der ganzen Welt? Die Inder sehen die Sache pragmatisch: Sie müssen das Optimale aus den Pflanzen herausholen, die bei ihnen wachsen. Chilli zum Beispiel hilft bei Verdauungsstörungen und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt. Naturwissen, das die Jahrhunderte überdauerte.

Durchschlagender Erfolg

Doch nicht alle Heilpflanzen lassen sich so einfach auf Feldern und Plantagen anbauen und ernten wie das Baumrindenharz "Gugulu". Hermann Ammon trifft den indischen Pharmakologen Dr. Singh, ein Spezialist in Sachen Weihrauchbaum. Die indische Art, Boswelia serrata, wächst in einem kargen Bergland, meist einzelstehend und schwer zu finden.


Singh hat sensationelle Ergebnisse aus seinen Labors in Jammu mitgebracht. Er berichtet von Tierversuchen wobei Extrakte des Boswelia serrata Harzes sehr erfolgreich Arthritis bei Ratten bekämpft haben. Ammon interessiert besonders die Wirkungsweise des Weihrauchharzes. Welche Substanzen sind dafür verantwortlich? Dr. Singh hat seine klinischen Tests auch an Menschen durchgeführt, die an Arthritis leiden. Immer wieder mit durchschlagendem Erfolg. Alles Zufallsergebnisse?

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