Revolution im Reich

Echnaton und Nofretete brechen mit der alten Ordnung

Auch die Pharaonen vor Kleopatra haben gewusst, dass man gegen Traditionen nicht verstoßen soll. Nur ein einziger hat es gewagt, gegen dieses Gesetz zu verstoßen: Echnaton - es wurde ihm zum Verhängnis.

Geboren um 1380 vor Christus, war seine größte Tat die Gründung einer neuen Hauptstadt: Achet Aton.

Der neue Gott

Die prachtvolle Stadt war nur zu Ehren eines neuen Gottes mit Namen Aton erbaut. Innerhalb weniger Jahre ließ der Pharao Echnaton die Anlage aus dem Wüstenboden stampfen. 50.000 Menschen lebten hier, sie sollten dem neuen Gott huldigen; dem Gott Aton, der das Licht der Sonne verkörperte.

Intime Gefühle

Echnaton, der "Erleuchtete der Sonne"- der Pharao mit den merkwürdigen Gesichtszügen, listigen Augen und vollen Lippen. Warum hat er mit der Tradition gebrochen? Er und seine Gemahlin Nofretete, Inbegriff aller Schönheit, versuchen, was in Ägypten zuvor niemand gewagt hatte: die Abschaffung der alten Ordnung.


Die "schöne neue Welt" von Echnaton und Nofretete bricht mit aller Tradition. Im Pharaonenpalast kann man das Neue sehen: der leichte, schwebende Stil in der farbenfrohen Ausgestaltung der Räume - und eine naturalistische Darstellung der Menschen - mit wohlgenährten Bäuchen und ausdrucksstarken Gesichtern. Es sind Individuen, deren intime Gefühle sich in den Gesichtern widerspiegeln.

Merkwürdig mutet nur die eigentümliche Kopfform an, die sich bei allen Mitgliedern der Königsfamilie findet: eine krankhafte Verformung des Hinterkopfes. Die moderne Medizin kennt heute den Namen der Krankheit, die Ursache für diese Deformation sein könnte: Scaphocephalie, eine genetisch bedingte Erbkrankheit, die auch heute noch vorkommt - und an der vielleicht die ganze Familie des Pharao litt. Gentechnisch lässt sich heute nicht mehr beweisen, ob Echnaton wirklich von diesem Erbdefekt befallen war. Aber selbst wenn: Die Scaphocephalie hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Denkfähigkeit und das geistige Vermögen.

"Zerstörung des Alten"

Echnaton - ein Visionär, vielleicht ein Phantast - aber kein Geisteskranker; eher ein Machtpolitiker. Er weiß, was er tut, als er die heiligen Standbilder der alten Götter umstürzen lässt, um seinen neuen Gott zu inthronisieren - "Zerstörung des Alten" ist sein politisches Konzept - das Sinn macht. Denn indem Echnaton die alte Religion stürzt, vernichtet er den immer stärkeren Einfluss der Priesterkaste. Seine Revolution geht aufs Ganze: Die Namen der alten Götter werden getilgt, die Tempel geschlossen.

Echnaton verordnet mit seiner "Erfindung des neuen Gottes" einen völligen Wertewandel: Ein Schock für viele Untertanen - und eine Revolution mit Schönheitsfehlern. Er zwingt die Ägypter, den Gott Aton nur durch ihn anzubeten. Es war keine direkte Beziehung zwischen den einfachen Gläubigen und ihrem Gott möglich. Und darum ist diese Religionsform nach Echnatons Tod vollständig verschwunden. Schlimmer noch: Aller Zorn einer desorientierten Gesellschaft entlädt sich nach Echnatons Abtreten. Echnaton wird selbst das Opfer seiner eigenen Methoden: jegliche Erinnerung an den Ketzerkönig wird ausgelöscht.

Rückkehr der alten Götter

Der neue Herrscher Tut-Anch-Amun rudert eilig zurück: In die beinahe untergegangene Welt der alten Götter. Tut-Anch-Amun ist es, der den altehrwürdigen Tempel des Reichsgottes Amun in Karnak wieder öffnet - und der den Priestern ihre angestammten Rechte zurückgibt.




Wirkungsvoller Totenkult

Die Religion dominiert mehr und mehr alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Ägypten wird zum Priesterstaat; der Kult durchdringt den Alltag; Religion ist bald ein bedeutender Wirtschaftsfaktor - und der Oberpriester greift zur höchsten Macht im Staate. Der politische Hebel, an dem die Priester so wirkungsvoll ziehen, ist der Totenkult, der im Zentrum des Lebens steht.


Die Balsamierung der Verstorbenen wird nun zur wichtigsten Aufgabe gesellschaftlichen Handelns. Genaueste Vorschriften und Rezepturen regeln die Mumifizierung, die jedem Ägypter als das wichtige Ziel seines Lebens erscheinen muss: Die Konservierung des Leibes - sie allein garantiert das Fortleben in der jenseitigen Welt.

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