Revolution in Cornwall

Mit neuen Partnern gelingt Watts Dampfmaschine der Durchbruch

Nach dem Tod seiner Frau wagt James Watt den Neuanfang in Birmingham. Er nimmt Kontakt mit dem finanzstarken Unternehmer Matthew Boulton auf. Boulton ist der führende Kopf der legendären Lunar Society, Treffpunkt der geistigen Vordenker und des Geldadels. Er bemüht sich um den Erfinder. Die Idee von Watts neuartiger Dampfmaschine begeistert ihn.

Dampfmaschine Bergbau untertage
Dampfmaschine Bergbau untertage Quelle: ZDF

Die Zusammenarbeit ist für beide gewinnbringend. Watt braucht dringend finanzielle und logistische Unterstützung, Boulton eine sparsame und zuverlässige Dampfmaschine um die Energieprobleme in den Fabriken zu lösen. Doch zunächst muss sich Watt auf Drängen Boultons um die Verlängerung des Patents bemühen. Zehn Jahre ist die Erfindung des separaten Kondensators bereits alt, das Patent wird in acht Jahren auslaufen und bisher hat Watt nur Schulden angehäuft. Sollte das Patent nicht mehr verlängert werden, würde Boulton wieder aussteigen. Im April 1775 treten beide vor den Patentausschuss und tragen alle denkbaren Argumente vor. Ein Monat später die Erlösung: Watts Patent wird um 25 Jahre bis ins Jahr 1800 verlängert.

Unnachahmliche Präzision

Kanonen von John Wilkinson
Kanonen von John Wilkinson Quelle: ZDF

Für die Versuchsmaschine wird jetzt eine Gießerei gesucht, die die hohen Anforderungen in punkto Präzision erfüllen kann. Einer Bekannter von Boulton bringt Watt auf eine zündende Idee. Der Kanonengießer John Wilkinson sorgt in jenen Jahren mit seinen zielsicheren Kanonen für Aufsehen. "The King of Ironmasters", der König der Eisenbarone, wird er genannt. Er hat eine neuartige Bohrtechnik entwickelt, sie ist der Schlüssel zu seiner unnachahmlichen Präzision. Selbstbewusst führt Wilkinson die Besucher durch seine Werkstatt. Boulton und Watt sind beeindruckt. Wilkinson ist der richtige Mann, um den Zylinder zu fertigen, den Watt so dringend braucht.

Wilkinson, dem Watt schon Pläne geschickt hatte, baut einen ersten Dampfkolben. Als Abdichtung im Zylinder sollen Hanfseile dienen, mit denen der Kolben umwickelt wird. Kommen die Seile mit Wasserdampf in Berührung, quellen sie auf, wirken als Dichtung. Watt ist sprachlos. Jetzt könnte endlich gelingen, wonach er schon zehn Jahre seines Lebens Jahre gesucht hat. Tatsächlich liefert Wilkinson schon bald einen meisterhaften Dampfzylinder, einzigartig in seiner Präzision. Dem Bau der ersten Wattschen Dampfmaschine scheint jetzt nichts mehr im Weg zu stehen.

Gewiefter Sabotageakt?

Dampfmaschine von Watt
Dampfmaschine von Watt Quelle: ZDF

1777 erhält Watt den Auftrag zum Bau einer Dampfmaschine in London. Innerhalb weniger Monate entsteht das technische Meisterwerk. Es könnte endlich der große Durchbruch für Watt sein. Doch zunächst muss der von den Auftraggebern verlangte Testlauf reibungslos über die Bühne gehen. Mit der Leitung beauftragen sie ausgerechnet Watts Rivalen John Smeaton. Das könnte die Chance sein, sich des lästigen Konkurrenten Watt zu entledigen: Am Abend vor dem Testlauf, so heißt es, wird der für die Maschine verantwortliche Mechaniker in einer Schänke gesehen, die Taschen voller Geld. Beim Testlauf scheint der Maschinist von der komplexen Dampfmaschine völlig überfordert und bringt die Ventile zum bersten. Was von Watt als Triumph geplant war, endet im Fiasko.Die Nachricht von Watts revolutionärer Erfindung macht dennoch die Runde, dringt bis ins ferne Preußen. Der König will Watts Dampfmaschinen für seine Minen. Friedrich II. weist seine Bergbau-Experten an, mit Watt über die Lieferung einer einzigen Maschine zu verhandeln. Doch Watt und Boulton ahnen den Hintergrund der Zurückhaltung: Nachbau unter Umgehung des Patens. Sie verlangen ein Liefermonopol für ganze 14 Jahre, doch die Vermittler lehnen ab. Bald darauf erscheinen zwei Männer aus Preußen in Watts und Boultons Gießerei in Birmingham. Akribisch vermessen und registrieren die Spione sämtliche Details vpn Watts technischer Errungenschaft. In Preußen wartet ein heimlicher Auftraggeber auf die Unterlagen.

Ingenieur als Handlungsreisender

Baupläne für Dampfmaschine
Baupläne für Dampfmaschine Quelle: ZDF

Auch in Cornwall wird eine effizientere Technik herbeigesehnt. Der Bergbau steht wegen des enormen Kohleverbrauchs der alten Dampfmaschinen am Rande des Ruins. Viele der Minen mussten bereits aufgeben. In den verbliebenen Stollen wehren sich die Bergleute mit unzulänglichen Mitteln gegen die einbrechenden Wassermassen, während die völlig unzureichenden Dampfmaschinen Tag und Nacht pumpen und Tonnen über Tonnen der teuren Kohle verschlingen. In dieser verschärften Notlage sieht Watt jetzt seine neue Chance. Er erkennt, dass er die geschäftliche Sache selbst in die Hand nehmen muss. Der Ingenieur wird zum Handlungsreisenden.

Mit einem ausgeklügelten Geschäftsmodell und einer besonderen Idee im Gepäck will er die starrköpfigen Landlords von den Vorteilen seiner Maschine überzeugen. Die Grubenbesitzer sollen seine Dampfmaschinen nicht kaufen, sondern nur für die Benutzung zahlen - und zwar lediglich ein Drittel der Summe, die sie für ihre bisherigen Maschinen an Betriebskosten aufwenden müssen. Um die enorme Stärke seiner Maschine klar zu machen, hat sich Watt eine neue, raffinierte Maßeinheit errechnet: die Pferdestärke, abgeleitet von der Arbeitskraft der Grubenpferde. Der Vergleich überzeugt die Minenbesitzer, die ersten Aufträge werden getätigt. Watts Dampfmaschine rettet Cornwalls Bergbau. In London ist man hoch zufrieden, bilden die Bodenschätze Cornwalls doch das Rückgrat des nationalen Aufschwungs.

Spion aus allerhöchsten Kreisen

In Preußen dagegen wächst die Unruhe: Mit den ausgespähten Plänen alleine ist es nicht gelungen eine Dampfmaschine zu bauen. Wieder wird ein Spion nach England geschickt. Es gelingt ihm, einen Mechaniker aus der Gießerei in Birmingham abzuwerben. Mit ihm verlässt wertvolles Wissen über Watts Maschine die britische Insel. Mit Hilfe des englischen Verräters gelingt tatsächlich der Nachbau einer Wattschen Dampfmaschine. Am 23. August 1785 pumpt sie erstmals mit bis zu 16 Hüben pro Minute Wasser aus der Tiefe. Der Standort, südlich von Magdeburg, liegt auf preußischem Staatsgebiet. Der Auftraggeber der Spione ist offenbar in den allerhöchsten Kreisen des Staates zu suchen.

Bergbauakte aus dem 18. Jahrhundert
Bergbauakte aus dem 18. Jahrhundert Quelle: ZDF

Im Schloss Wernigerode, in der Nähe des damaligen Schauplatzes, lagern geheime Aktenbestände der Preußen, darunter auch Bergbauakten aus dem 18. Jahrhundert. Sie beweisen, dass Friedrich II. der König von Preußen, nicht nur von der Aktion wusste. Er war es höchst selbst, der die Geldmittel für die Industriespionage zur Verfügung stellte. Alles war minutiös geplant, der preußische König hatte das erklärte Ziel, Watts Patent zu umgehen.

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