Revolutionäre Visionen

Die Idee interkontinentaler Vernetzung

Zahllose Unterwasserkabel verbinden heute die Kontinente, und noch immer wird das weltumspannende Netz erweitert. Nachrichten in Sekunden rund um den Erdball zu schicken, ist heute eine Selbstverständlichkeit, doch vor 150 Jahren war es eine Vision.

1850 bedeuteten in New York die modernen Dampfschiffe rasenden Fortschritt. Sie brauchten nur noch zwölf Tage, um die Alte mit der Neuen Welt zu verbinden und den New Yorkern Nachrichten aus Europa zu überbringen. Zu dieser Zeit hatte ein junger Geschäftsmann mit dem Großhandel von Papierwaren ein Vermögen gemacht. Sein Name: Cyrus W. Field. Ende 1852 zog sich Field mit 34 Jahren aus dem hektischen Geschäftsleben zurück. Er wollte sein angegriffenes Herz schonen, nur noch stiller Teilhaber sein und künftig mit seiner Frau ausgedehnte Reisen nach Südamerika und Europa unternehmen. Doch es sollte anders kommen.

Kühner Gedanke

Ein englischer Ingenieur Namens Gisborne sprach bei Cyrus Field vor. Gisborne hatte einen Plan und brauchte Geld: Er wollte den äußersten Zipfel Neufundlands und New York mit einem Telegrafenkabel verbinden. Sein Ziel: Nachrichten, die aus Europa mit dem Dampfschiff kommen, so einige Tage früher in New York verbreiten zu können. Gisborne hatte bereits einen Versuch unternommen und war kläglich gescheitert, hatte sein ganzes Kapital verloren. Field sollte nun als finanzstarker Geschäftsmann einsteigen und das Unternehmen retten. Dieses Gespräch sollte sein Leben ändern.

Field schoss ein kühner Gedanke durch den Kopf: Wenn ein Unterwasserkabel zwischen Nova Scotia und Neufundland funktionieren kann, warum dann nicht gleich die alte mit der neuen Welt verbinden. Ein Vorhaben, was an Kühnheit kaum zu übertreffen war: Den stürmischen Atlantik überqueren und ein Kabel von unvorstellbarer Länge auf den Meeresgrund versenken. Die Küsten Neufundlands und Irlands unter Wasser mit einer Telegrafenlinie verbinden.

Umfangreiche Tiefenmessungen

In New York war Cyrus Field von der kühnen Vorstellung, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, besessen und schrieb noch in derselben Nacht zwei Briefe. Der eine ging an Lieutenant Maury, den Leiter der Ozeanografischen Gesellschaft in Washington. Maury war ein Wissenschaftler und Forscher neuen Typs.

Systematisch hatte Maury hunderte von Logbüchern ausgewertet und umfangreiche Tiefenmessungen im Atlantik in Auftrag gegeben, sodass er schließlich zu einer überraschenden Erkenntnis kam: Unter der Wasseroberfläche erstreckt sich ein Plateau zwischen Neufundland und Irland. In einer Tiefe zwischen nur 1000 und 3000 Metern. Ein gigantischer Gebirgsrücken unter Wasser - wie dafür geschaffen, dort ein Telegrafenkabel zu verlegen.

Schnelles Nachrichtensystem

Dies war eine Information, die Field hoch erfreut haben müsste. Er schrieb einen zweiten Brief an einen gewissen Professor Samuel Morse. Morse war eigentlich Kunstmaler. Durch eine persönliches Tragödie kam er zur Telegrafie. Seine Frau erkrankte 300 Kilometer entfernt in Conneticut schwer. Die Nachricht erreichte Morse erst nach fünf Tagen, da war seine Frau bereits verstorben, und selbst zur Beerdigung kam er zu spät.

Seitdem war Morse von der Idee besessen, der Menschheit ein schnelles Nachrichtensystem zu schenken. Er entwickelte einen Code, der mit einer Kombination von langen und kurzen Impulsen das Alphabet darstellt: das Morsealphabet. Als Fields Brief Morse erreichte, war dieser gerade damit beschäftigt, in England die Reichweite der Telegrafie zu erproben. Er hatte verschiedene Netze miteinander verbunden und telegrafierte über eine Entfernung von 2000 Kilometern.

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