Revolutionäres Treibgut

Kriegs- und Handelsflotten bringen die Kartoffel nach Europa

Ende des 16. Jahrhunderts beginnt die größte aller bisherigen Attacken auf Europas Wälder. Es ist die Ära der großen Kriegs- und Handelsflotten. Der Kampf um die Vorherrschaft auf den Weltmeeren ist entbrannt - und ein neues Lebensmittel strandet auf dem eurpäischen Kontinent.

Große Schiffe brauchen gewaltige Mengen an Holz. Alte Bäume aller Art finden sich in riesigen Galleonen wieder.

Verheerende Schlacht

Die größte Flotte, die jemals in See stach, die spanische Armada, segelt im Juli 1588 gegen England. Dreimal im Kanal von den Engländern angegriffen, ziehen sich die Spanier in den Hafen von Calais zurück. In einer verheerenden Schlacht sollten sie hier geschlagen werden. Englische Feuerschiffe treiben auf die Armada zu.


30 der 120 spanischen Schiffe sind riesige Galleonen - schwimmende Festungen, kaum zu manövrieren. Die Schiffe der Engländer sind dagegen weitaus beweglicher. Auch die Artillerie erweist sich gegenüber der spanischen Entertaktik als vorteilhafter. Die Spanische Flotte wird völlig aus der Formation geworfen und von den Engländern auf die Nordsee verfolgt.

Schwere Verluste vor Irland

Geschlagen erleidet die Armada auf dem Rückweg um Schottland und Irland in den Herbststürmen schwere Verluste. So sinken Spaniens prächtigste Wälder im Atlantik vor den Küsten Irlands auf den Meeresgrund. Auch wenn Spaniens Armada den Gang der europäischen Geschichte nicht durchgreifend verändern konnte, ihr Treibgut wird es tun.

Seetang dient den irischen Bauern immer schon als Dünger für ihre kargen Felder. Das Land ist arm. Getreide wächst hier nur in den besten, windgeschützten Lagen. Aber was der Atlantik im Herbst 1588 an den Strand spült, wird Irlands und letztlich Europas Landwirtschaft für immer revolutionieren. Für die Küstenbewohner bedeutet ein Schiffsunglück unverhofften Gewinn. Wie folgenschwer er diesmal ausfällt, lässt sich noch nicht erahnen.

Irlands Schicksal hängt an der Kartoffel

Kartoffeln sind Jahrzehnte zuvor mit Kolumbus aus der Neuen Welt nach Spanien gekommen. Als Proviant leisten die Knollen den spanischen Seeleuten gute Dienste. Dem Rest Europas ist die Kartoffel bisher nicht bekannt.
Die Bauern Irlands merken bald, wie gut die Pflanze aus den Anden auf ihrer Insel gedeiht. Besser als alles, was sie bisher angebaut haben. Kartoffeln wachsen vor allem auch dort, wo an Getreideanbau nicht zu denken ist. Bald hängt das Schicksal der Iren an einer einzigen Pflanzenart. Binnen zwei Jahrhunderten wächst der landwirtschaftliche Ertrag um das Zehnfache - und mit ihm die Bevölkerung.

Doch im Winter 1845 kommt es zur Katastrophe. Ein Schädling aus Amerika, ein Pilz, befällt die Vorräte in den Kellern der Farmer. Im folgenden Sommer befällt er auch die Pflanzen auf den Feldern. In nur wenigen Monaten verlieren Millionen ihre Existenz. Die Kartoffelfäule verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Zuerst in Irland, dann in ganz Europa. Es ist die schlimmste Hungersnot der europäischen Geschichte. Allein in Irland verhungert eine Million Menschen.

Beginn einer neuen Epoche

Eineinhalb Millionen ruinierte Bauern müssen die Insel verlassen. Ihre Massenflucht markiert den Beginn einer neuen Epoche. Eine Epoche, die Europas Landschaften von England aus radikaler verändern wird, als jeder Umbruch zuvor.

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