Riesiges Puzzle

Tauchfahrt in die Vergangenheit - ZDF Expedition

Die Identifizierung des Wracks stellt die Forscher vor Probleme. Die etwa 300 bisher geborgenen Gegenstände decken einen Zeitraum von 1690 bis 1740 ab.

Wie ein rohes Ei

Innerhalb dieser 50 Jahre verkehrten in der Bucht von Saint-Malo einige hundert vergleichbarer Fregatten und mehr als 30 Schiffbrüche sind registriert. Doch keine der Beschreibungen in den Archiven passt eindeutig zu dem Wrack von Natiére. Jedes noch so kleine Indiz kann das Rätsel lösen, wenn sich das Schiff mit seiner Hilfe genauer datieren lässt oder ein Fundstück den Namen eines der Seeleute verrät. Immer wieder stoßen die Forscher auf Gegenstände, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem Klumpen zusammengepresst wurden. Jeder Gegenstand wird wie ein rohes Ei behandelt und vorsichtig verpackt. Erst die spätere Untersuchung im Labor kann genauen Aufschluss über seine frühere Verwendung geben. Unter den Händen der Archäologen tauchen immer mehr Überreste aus dem Alltagsleben der Mannschaft auf: Geschirr, das während der Mahlzeit zurückgelassen wurde. Persönliche Gegenstände und sogar Lederwaren, die überraschend gut erhalten sind. Allen Funden haftet etwas vom Geist der Malouiner Männer an, die einst zwei so unterschiedliche Leben führten: als friedliche Fischer und grausame Räuber.

Großer Zeitdruck

Jedes Fragment, das die Taucher vom Meeresboden holen, ist Teil eines riesigen Puzzles. An Land versuchen die Mitarbeiter der Expedition, es wieder zusammenzusetzen. Lässt sich die ursprüngliche Form eines Objekts rekonstruieren, liefert es Informationen über seine Funktion - oder über den Ort, an dem es aufbewahrt wurde: Küche, Lager des Zimmermanns oder Kajüte des Schiffsarztes. Die Arbeit der Wissenschaftler geschieht unter großem Zeitdruck, denn die Luft droht die Fundstücke zu zersetzen, sobald sie das Wasser verlassen. Ohne besondere Behandlung würden die meisten bald zu Staub zerfallen.

Mehr als tausend Gegenstände

In dem Wrack befinden sich etliche Glasflaschen in verschiedenen Ausführungen, in der die Korsaren Wein mit sich führten. Ein Teller mit Essensresten auf dem sowohl Bestandteile von Rind als auch Fisch noch heute zu identifizieren sind. Möglicherweise überraschte sie das Unglück bei Tisch. Über das Leben auf See zur damaligen Zeit ist noch sehr wenig bekannt - nicht einmal, welche Knoten die Matrosen verwendeten. Erst 15 Prozent der Grabungsstätte sind freigelegt, doch die Forscher brachten schon mehr als tausend Gegenstände aus dem Alltag des 17. und 18. Jahrhunderts ans Tageslicht.

Die Vergangenheit nimmt Gestalt an

Bisher wurde jedoch noch keine Inschrift gefunden, die den Namen des gesunkenen Schiffs verrät. Nach wie vor decken die Funde einen Zeitraum von rund 50 Jahren ab. Ein merkwürdiger Umstand, denn damals wurden große Teile der Schiffe in kurzen Zeitspannen regelmäßig erneuert. Die Wissenschaftler entdecken immer mehr Gegenstände, deren Datierung ihnen Kopfzerbrechen bereitet. Möbel, Pfeifenstile und Flaschen, die zeitlich einfach nicht zueinander passen. Teile des Mobilars stammen vom Ende des 17. Jahrhunderts, etliche Keramikkrüge aus der Zeit um 1740. Die Vergangenheit nimmt wieder Gestalt an. Sogar die Einrichtung der Bordküche, die bis zu 400 Matrosen monatelang verköstigen musste.

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